Spätestens seit PISA ist bekannt, wie fortschrittlich Finnlands Schulsystem ist. Nun thematisiert KiVa, ein vom Staat unterstütztes Programm, ein heikles Thema auf dem Schulhof: Mobbing. Seit 2009 hat über die Hälfte der finnischen Gesamtschulen das Programm eingeführt.
Spielerisch gegen Mobbing
Was machen Kinder liebend gern? Klar: spielen. Wenn noch ein Computer dabei ist, umso besser. Das machen sich zwei finnische Forscherinnen zunutze. Christina Salmivalli, Psychologieprofessorin an der Uni Turku, hat zusammen mit ihrer Kollegin Elisa Poskiparta ein Programm gegen Mobbing in der Schule entwickelt, das Lernen und Spielen verbindet.
Aus Zuschauern werden Helfer
KiVa («Kiusaamista Vastaan», finnisch für «gegen Mobbing») will mit verschiedenen Mitteln das Verhalten innerhalb von Schülergruppen verändern. Klar im Fokus sind die «Zuschauer», die weder selbst mobben noch gemobbt werden. Anstatt die Mobber zu ermutigen, sollen passive Zuschauer vor allem zwei Dinge lernen: ausdrücken, dass sie gegen Mobbing sind, und erkennen, wie sie Mobbingopfer unterstützen können. Auch die Mobbingopfer werden nicht vergessen: Sie lernen, wie sie am besten mit ihrer schwierigen Situation umgehen und diese bewältigen.
Verhalten spielerisch trainieren
KiVa umfasst Unterrichtsentwürfe für 20 Schulstunden, in denen Diskussionen, Gruppenarbeiten, Kurzfilme und Rollenspiele zum Thema Mobbing eingeplant sind. Das Programm für die Primarstufe enthält zudem ein Computerspiel, das die Schüler zwischen den KiVa-Lektionen spielen können. Das Spiel besteht aus fünf Levels, welche die Lehrpersonen nach der betreffenden Unterrichtseinheit aktivieren. Jedes Level teilt sich in drei Untereinheiten auf: «Das weiss ich», «Das kann ich» und «So handle ich».
Alle unterzeichnen den Anti-Mobbing-Vertrag
Schüler der Sekundarstufe können sich in einem Internetforum umschauen, selber Infos zu Mobbing suchen oder sich Kurzfilme zum Thema anschauen. Nach jeder Lerneinheit wird passend zum Gelernten eine Klassenregel eingeführt; am Ende des Schuljahrs unterzeichnen alle einen KiVa-Vertrag.
Was Eltern und Lehrer tun können
Im Rahmen von KiVa werden auch die Lehrer trainiert. Während der Pausen tragen sie auf dem Schulhof spezielle Westen. So machen sie das Thema Mobbing sichtbar und zeigen, dass ihre Schule das Thema ernst nimmt. In einem Internetforum können sie sich Rat holen und sich mit anderen Teilnehmenden austauschen. KiVa bezieht auch die Eltern mit ein. Ein Elternleitfaden informiert über Mobbing und zeigt auf, wie sich Erziehende verhalten können. Ebenfalls vorgesehen sind Elternabende zum Thema.
Und das Fazit? Es wirkt.
Die Resultate der Auswertung sind aussergewöhnlich: KiVa halbierte das Mobbing-Risiko bei Tätern. Und beeinflusst weitere Faktoren signifikant. So etwa das Verhalten von Mitläufern, das Klima in den Klassen und damit an den Schulen.