Global Business - Interview mit der Firma OsecIm Gespräch mit Herrn Dr. Markus Wyss, Leiter Märkte & Beratung und mit Herrn Dr. Christoph Peter, Leiter Export und Development

Die Osec informiert, berät und begleitet Schweizer Firmen (mit Schwerpunkt KMU) in ausländische Märkte. Als Kompetenzzentrum für Aussenwirtschaftsförderung unterstützt die Osec aber auch ausländische Investoren bei der Ansiedlung in der Schweiz und leistet so einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze in unserem Land.
Wie viele multinationale Unternehmungen mit Hauptsitz in der Schweiz gibt es heute? In welche Richtung sehen Sie die Entwicklung?
Der Bestand der Auslandsinvestitionen von Schweizer Firmen beträgt über CHF 800 Mrd. Neben den grossen Konzernen sind auch mehrere Tausend kleine und mittlere Unternehmen daran beteiligt. Gemeinsam beschäftigen sie im Ausland fast 2.44 Mio. Personen. Es gibt aber auch immer mehr multinationale Hauptsitze, die ihre Europaaktivitäten aus der Schweiz heraus steuern. In vielen Branchen nimmt die Schweiz damit weltweit eine führende Stellung ein.
In welchem Erdteil sehen Sie das grösste Wachstumspotenzial für international tätige Schweizer Unternehmungen?
Die grössten Wachstumschancen liegen sicherlich in den Emerging Markets. Länder wie China, Indien oder die Golfstaaten weisen überdurchschnittliche Exportchancen auf, haben eine hohe Kaufkraft. Selbstverständlich bleiben auch die USA oder Deutschland wichtige Märkte. Die Musik spielt aber in Asien. Und dieser Trend wird sich angesichts der grossen Schuldenprobleme der Industrieländer noch verstärken.
Wie reagieren international tätige Schweizer Unternehmen auf die Herausforderungen, die der starke Schweizerfranken mit sich bringt?
Die meisten Unternehmen sind es sich gewohnt, mit Währungsschwankungen umzugehen. Das gehört zum Exportgeschäft. Doch das Tempo der letzten Monate hat alle überrascht. Grundsätzlich gibt es drei Strategien: die Beschleunigung der Innovationszyklen, die Kostenreduktion oder die Suche nach neuen Märkten, die weniger vom Euro und Dollar abhängig sind oder wo die Kunden weniger preissensibel reagieren.
Asien ist ein Wachstumsmarkt. Wie sehen Sie die Chancen und Risiken für multinationale Schweizer Unternehmen bei einer Expansion nach Asien?
Die Expansion nach Asien ist für viele grosse Unternehmen ein Muss. Viele dieser Märkte sind kulturell nicht einfach, und setzen eine professionelle Vorbereitung sowie eine gründliche Marktanalyse voraus. Zudem kommt der Auswahl des lokalen Geschäftspartners eine zentrale Rolle zu. Der Aufbau der nötigen Beziehungen kostet Zeit und erfordert Geduld.
Gibt es Verschiebungen von Wachstumsmärkten in andere Teile der Welt?
Die Weltwirtschaft ist derzeit sehr dynamisch, denken Sie nur an die riesige Herausforderung der Schuldenkrise in Europa oder in den USA. Wir beobachten tendenziell eine Verschiebung der Exporte in solventere Staaten. Die schweizerische Aussenwirtschaftspolitik fördert diese Entwicklung durch den Abschluss bilateraler Verträge. Die bevorstehenden Freihandelsabkommen mit Indien, China und Indonesien werden der Schweizer Wirtschaft grosse Vorteile bringen, das bietet Chancen.
Wie hat sich die Zusammenarbeit innerhalb international tätiger Unternehmen in den vergangenen Jahren verändert?
Die Geschäftswelt ist generell internationaler geworden. Leitungsteams werden mit internationaler Erfahrung ergänzt, Führungskräfte sammeln wertvolle Erfahrungen in ausländischen Tochtergesellschaften und sind damit am Puls von Trends und Entwicklungen. Dieses Know-how wird in den nächsten Jahren zunehmend wichtiger. Viele Schweizer Unternehmen profitieren von dieser internationalen Kultur in unserem Land.
Dies ist ein sehr schnelllebiges Geschäftsumfeld. Wie reagiert die Osec auf diese rasanten Veränderungen?
Die Osec hat in den letzten Jahren ihre Beratungsdienstleistungen stark ausgebaut und bietet heute vielen Unternehmen professionelle Unterstützung in Exportvorhaben an. Auch sind wir bestrebt, unser weltweites Netzwerk laufend den Opportunitäten anzupassen. So haben wir erst kürzlich neue Standorte in Südkorea und Kanada eröffnet. Damit können wir die Schweizer Unternehmen noch besser unterstützen.
Mit wem arbeiten Sie zusammen?
Das Business Network der Osec umfasst weltweit 18 Swiss Business Hubs in allen wichtigen Märkten der Welt, wir arbeiten aber auch intensiv mit den Aussenhandelskammern sowie den 20 Industrie- und Handelskammern in der Schweiz zusammen. Zudem stehen der Osec mit dem Pool of Experts rund 450 internationale Business Consultants zur Verfügung, die exportwilligen KMU beratend zu Seite stehen.
Wie sieht Ihre Strategie für die nächsten Jahre aus?
Für die nächsten Jahre wird es noch wichtiger werden, den Schweizer Unternehmen trotz schwieriger Rahmenbedingungen im Export, die Chancen und Wachstumsmöglichkeiten in den Zukunftsmärkten aufzuzeigen. Zudem will die Osec die Kommunikation der Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Schweiz weiter ausbauen, damit international tätige Firmen sich in der Schweiz niederlassen. Dies sichert Arbeitsplätze und trägt zum weiteren Erfolg der Schweizer Wirtschaft bei.