Peter Wolf ist Projektleiter Multimedia und Redaktor bei Ringier.
Swisscom bringt Anfang Juni das erste Android-Handy in die Schweiz. Ich konnte das HTC Magic mit dem Google-Betriebssystem bereits testen.
Alle, denen ich sowohl das US-Vorgängermodell als auch das aktuelle für den Schweizer Markt in die Hand gab, fanden das neue, schlanke viel schöner und eleganter. Um gleich darauf zu bemängeln, dass es keine Tastatur habe. Tja, genau die war es, die beim molligen Modell für die zusätzlichen 4 Millimeter Dicke gesorgt hat.
Wie gestaltet sich denn das Schreiben auf dem tastaturlosen Android? Besser als erwartet und ähnlich wie auf dem iPhone. Man muss sich halt ein bisschen daran gewöhnen. Auf der virtuellen Tastatur lässt sichs recht gut tippen. Vor allem, wenn “Vibrieren bei Tastendruck” als zusätzliches Feedback eingeschaltet ist (mit den aktivierten Tastentönen macht man sich in der Öffentlichkeit ja nicht nur Freunde). Wenn man das Gerät quer hält, kann man mit beiden Daumen recht schnell tippen
Zunächst aber sollte man die nervige Autokorrektur ausschalten, sie versucht zum Beispiel dauernd, aus “Ringier” ein “fungiert” zu machen - selbst in Mailadressen. “Autom. vervollständigen” lässt sich bei den Tastatureinstellungen deaktivieren. Die Arbeit mit den vorgeschlagenen Wörtern, aus denen man während des Tippens wählen kann, erleichtert das Schreiben hingegen sehr - diese Option sollte eingeschaltet bleiben. Ausser man schreibt viel Mundart, dann nützt sie nicht viel. Häufig verwendete Wörter lassen sich zwar von Hand zum Wörterbuch hinzufügen.
Die Integration in die ganze Google-Welt funktioniert problemlos. Beim erstmaligen Einschalten des Geräts wird man gefragt, ob man einen bestehenden Google-Account verwenden oder einen einrichten wolle. Eines von beidem muss man tun, dann erst lässt sich das Smartphone richtig verwenden.
Wer sich sowieso schon im Google-Universum bewegte, für den ist das Telefon ideal. Die Integration von Google Talk, YouTube, Picasa und Gmail funktioniert wunderbar. Wer allerdings seine Exchange-Mails damit verwalten will, muss ein bisschen basteln.
Das Erstaunlichste ist wohl, dass es Google gelungen ist, mit Android im ersten Anlauf ein Mobile-Betriebssystem für moderne Smartphones zu entwickeln, das besser zu bedienen ist als die sechste Version anderer Hersteller. Man braucht keine Zahnstocher, um Schaltflächen anzutippen, sie lassen sich auch mit grösseren Fingern zielsicher treffen. Die Benutzeroberfläche ist intuitiv gehalten und reagiert sehr schnell. Und im Market, dem Applikationen-Laden, hat es bereits Hunderte von Programmen, mit denen sich das Smartphone aufrüsten lässt.
Das Multimediahandy wäre eigentlich auch hervorragend als Musikplayer geeignet, wenn sich der Hersteller HTC dazu hätte durchringen können, eine Standard-Kopfhörerbuchse einzubauen. Leider aber kommt der Sound aus der USB-Buchse; somit muss man einen Adapter verwenden, wenn man anständige Kopfhörer oder eine Stereoanlage anschliessen will.
Die integrierte Kamera kann filmen oder 3,2 Megapixel grosse Fotos schiessen. Leider ist es nicht so einfach, Schnappschüsse von Kindern oder Tieren zu bekommen, weil der Autofocus recht lange zum Scharfstellen braucht. Dafür ist sie um so mehr zum Aufnehmen von Dokumenten, Barcodes oder QR-Tags geeignet, weil sie diese auch von Nahem scharf abbilden kann. Auch CDs und DVDs erkennt es mit dem kostenlosen Zusatzprogramm von “Kooaba”.
Das HTC Magic ist ein elegantes Smartphone mit grossem Display und leicht zu begreifendem Betriebssystem. Es ist kein Handy für Vielschreiber, sondern eher für Leute, die sich unterwegs informieren und unterhalten lassen möchten.
Wer sein HTC Magic (Swisscom Version) auch gerne mit MS Exchange verwenden möchte, dem steht beispielsweise der TouchDown Client von Nitrodesk zur Verfügung. Kalender, E-Mail und Kontakte werden dabei aber innerhalb des Clients verwaltet. Die Kontakte können jedoch in das Telefonbuch kopiert werden. Kostenpunkt der Lizenz: 30 Franken.
Mehr Infos und Trialversion unter http://www.nitrodesk.com/