Wenn die Internet-Adressen knapp werdenvon Florian Waefler, Head of Business Data, Swisscom Grossunternehmen

Herr Waefler, das Internet boomt wie nie und die Internet-Adressen werden knapp. Warum ist das so und was hat dies mit IPv4 und IPv6 zu tun?

IPv4 ist die Version des Internet-Protokolls (IP), wie sie heute weltweit verbreitet ist. IPv4 dient der Vermittlung von Datenpaketen, wie etwa der Adressierung von Rechnern oder Routern und der Weiterleitung (Routing). Die Anzahl der IP-Adressen ist bei IPv4 auf ca. 4,3 Milliarden begrenzt. Da nicht nur Computer, sondern immer mehr Geräte aller Art eine IP-Adresse haben, werden die noch freien Adressen knapp. Zur Entlastung wird deshalb IPv6 als Nachfolger eingeführt.
 

Was bringt der neue Standard IPv6 den Geschäftskunden?

Zuerst einmal ist der Adressraum mit rund 340 Sextillionen IP-Adressen nahezu unendlich. Dann wird die Verarbeitung der IP-Pakete mit IPv6 wesentlich einfacher. Neu ist auch die Autokonfiguration, d.h. Geräte können sich selbst eine eindeutige IP-Adresse zuweisen. Das neue Adressformat wurde zudem von 32 auf 128 Bits erweitert und erlaubt so ein hierarchisch strukturiertes, globales Routing.
 

Wer ist für die Vergabe von IPv6 IP-Adressen zuständig?

Das Réseaux IP Européens Network Coordination Centre (RIPE NCC) ist eine Regional Internet Registry (RIR). Diese neutrale Registrierungsstelle vergibt die IP-Adressbereiche IPv4 und IPv6 in Europa, dem Nahen Osten und Zentralasien. Die Empfänger sind meist nationale ICT Provider, bei provider-unabhängigen IP-Adressen auch direkt einzelne Grosskunden.
 

Wie lange stehen IPv4-Adressen noch zur Verfügung?

Der globale IPv4-Adress-Pool ist restlos vergeben. Swisscom hat aber noch genügend IPv4-Adressen für ihre Kunden reserviert. Der Parallelbetrieb von IPv4 und IPv6 ist möglich und dies wird im Internet über Jahre hinweg so bleiben.
 

Was unternimmt Swisscom und ab wann ist IPv6 verfügbar?

Swisscom arbeitet bereits seit einiger Zeit an der Umstellung auf IPv6. Wir werden unseren Kunden optimale Lösungen anbieten, so dass sie die Produkte problemlos weiter nutzen können. Die Kunden müssen auch nicht sofort auf IPv6 wechseln, sondern werden noch mehrere Jahre ihre IPv4-Adressen behalten können.

Neben dem heutigen IPv4-Betrieb entsteht parallel – in denselben Netzen – ein IPv6-Betrieb. Er wird künftigen Internet-Anforderungen gerecht und ermöglicht neue Inhalte und Anwendungen. Kunden mit IPv4-Adressen werden dazu keinen Zugang haben. Deshalb werden wir neben einer IPv4-Adresse auch eine IPv6-Adresse anbieten.

Swisscom Geschäftskunden können schon heute für IP-Plus Business Internet einen IPv6-Internet-Anschluss bestellen und so die Vorteile des neuen Internet-Protokolls per sofort nutzen.
 

Sollen Geschäftskunden schon auf IPv6 umstellen? Welche Vorbereitungen sind sinnvoll?

Es gibt gute Gründe für eine Umstellung. Hektik ist aber nicht angebracht. Wir empfehlen, die Marktentwicklung im Auge zu behalten und die Einführung von IPv6 in den Businessplan aufzunehmen. Weiter sollte eine Migrationsplanung von IPv4 auf IPv6 erarbeitet, das Sicherheitskonzept für IPv4 mit einem IPv6-Regelwerk ergänzt und eine Support-Schulung aufgesetzt werden.

Wegen des Investitionsschutzes sollte man bei der Beschaffung für Hard- und Software unbedingt auf IPv6-Kompatiblilität achten. Es werden vermehrt Online-Applikationen und Geräte angeboten, die den neuen IPv6-Standard unterstützen. Mit der Einführung von IPv6 im Unternehmen nutzt man die neuste Technologie und kann neue Applikationen nutzen.
 

Was bedeutet die Umstellung von IPv6 aus globaler Sicht?

Multinational tätige Unternehmungen sollten berücksichtigen, dass Länder in Asien rascher auf IPv6 wechseln werden. Grund ist der hohe Zuwachs von Internet-Nutzern im asiatischen Raum. Die noch frei verfügbaren IPv4-Adressen sind für diese Region deshalb rascher aufgebraucht als in Europa.
 

Muss man mit der Migration des eigenen LAN auf Swisscom warten?

Nein, firmenintern sind Geschäftskunden unabhängig und können die Migration auf IPv6 sofort starten. Beim Netzübergang zu Swisscom sind Router aufzusetzen, die zugleich IPv6 und IPv4 übertragen können. Ob LAN oder Internet, Swisscom unterstützt Geschäftskunden jetzt schon gerne bei der Migration.
 

Herr Waefler, wir danken Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch.

 

Sind für Sie IPv6-Adressen schon ein Thema oder haben Sie Fragen? Diskutieren Sie mit – unser Vernetzungs-Experte, Florian Waefler gibt Ihnen gerne Antwort.

Erfasst am: 28.03.2011 | Kategorien: Webtrends | Tags: IT Infrastruktur, Netzwerk, Vernetzung, Web 3.0, Webtrends
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