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Interview

E-Schmökern

Interview Orell Füssli, András Németh

Orell Füssli hat von Swisscom acht Filialen mit PWLAN ausstatten lassen und betreibt seit Kurzem den ersten HTML5 Bookshop der Welt.

Noch vor wenigen Jahren wurde eReading in der Branche als latente Bedrohung diskutiert. Heute sind elektronische Bücher und (mobile) Vertriebswege ein wichtiger Pfeiler in der Geschäftsstrategie der ältesten Buchhandlung der Schweiz.  Über 200 000 Titel sind in verschiedenen Sprachen als E-Book verfügbar. In den Filialen können Kunden die neusten Lesegeräte ausprobieren.

Marketingleiter und Mitglied der Geschäftsleitung András Németh über ICT-Lösungen im Buchhandel

Herr Németh, Sie haben acht Filialen von Swisscom mit PWLAN ausstatten lassen. Weshalb?
Hauptanlass war das eBook. Die Kunden sollen auch in unseren Filialen Zugriff auf das Angebot haben und im besten Fall sogar deswegen zu uns kommen. Viele halten sich manchmal stundenlang in unseren Filialen auf, weil sie schmökern oder recherchieren.

Was beinhaltet die Lösung konkret?
Die Kunden können sich ins Internet einwählen und gratis surfen, indem sie an einer Infostation einen Voucher beziehen oder per SMS einen Zugangscode anfordern. Swisscom Kunden und natürlich auch unsere Mitarbeiter haben über EAIPSIM ebenfalls eine schnelle Datenverbindung. Damit lassen sich übers Netz zum Beispiel zusätzliche Buchtipps oder Videorezensionen abrufen. Die Demo-Geräte unserer eReader und Tablets sind ebenfalls mit dem wifi verbunden, so können die Kunden nach belieben testen.

Buchtipps und Rezensionen sind über ihren Shop books.ch abrufbar – einer der ersten HTML5-Mobile Shops. Was ist das Besondere daran?
Mit der steigenden Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs haben immer mehr Kunden das Bedürfnis, mobil auf unser Angebot zuzugreifen. Es geht also um Benutzerfreundlichkeit. Wir wollen es unseren Kunden einfach machen, auf books.ch zu stöbern.

Weshalb haben Sie sich für HTML5 und nicht für eine native App entschieden?
Unsere Lösung ist plattformunabhängig und funktioniert sowohl auf Android- als auch auf Apple-Geräten. Wir glauben, dass wir damit schneller auf neue Kundenbedürfnisse reagieren und bei zukünftigen Weiterentwicklungen Kosten sparen können. Native Apps müssen für jede Plattform einzeln programmiert später angepasst werden. Ein weiterer Punkt ist die Unabhängigkeit von Apple. Für den App-Store wird jede App genau geprüft und oft nicht akzeptiert. Mit einem Angebot an eBooks und digitalen Büchern stehen wir zudem in Konkurrenz mit iTunes. Mit unserer Lösung umgehen wir allfällige Restriktionen.

Klassische Frage: Welche Rolle werden neue Technologien im Buchhandel der Zukunft spielen oder anders: Wird das gedruckte Buch aussterben?
Die zukünftigen technischen Möglichkeiten sind ein offenes Feld – so können digitale Bücher zum Beispiel angereichert werden mit multimedialen Elementen oder sozialen Funktionen, Freunde sehen dann was man selber liest und was man gut oder schlecht findet. Vieles ist möglich – wichtig ist, dass man sich an den tatsächlichen Kundenbedürfnissen orientiert und nicht in technischen Spielereien verliert. Bei allen Szenarien gehen wir jedoch davon aus, dass das gedruckte Buch noch lange Zeit eine dominante Rolle spielen wird. Das liegt daran, dass Menschen mit Büchern oft sehr starke emotionale Aspekte verbinden.

www.books.ch
www.booksblog.ch

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