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«Wir müssen Gas geben»


«Wir müssen Gas geben»

Interview mit Finanzchef Mario Rossi zum Jahresabschluss 2015 und zum Ausblick 2016


Die Wirtschaft ist verunsichert, die Konkurrenz greift an. Kurz: Der Wind hat gedreht. In seiner Analyse wirft Finanzchef Mario Rossi einen Blick auf ein anspruchsvolles Umfeld. Sein Fazit: „Wir müssen Vollgas geben.“

Mario, kurz zusammengefasst: Wie zufrieden bist du mit dem Jahr 2015?

Die Konkurrenz hat uns zwar stärker gefordert, aber insgesamt war es trotzdem ein gutes Geschäftsjahr. In den meisten Bereichen konnten wir die Erwartungen erfüllen. Besonders positiv entwickelt hat sich Fastweb, das sämtliche Ziele erreichte. Was uns belastet ist die Rückstellung für die Busse von 186 Millionen Franken und die Ergebnisse des 4. Quartals. Da sehen wir erstmals gegenläufige Trends: Der Umsatz beim Mobilfunk ist tiefer als geplant, die Umsätze im Privatkundengeschäft stagnieren, im KMU-Geschäft sind sie sogar rückläufig. Die zunehmende Marktsättigung zeigt sich deutlich. Und schliesslich hat im Mobilfunk die Zahl der Kunden, die Swisscom den Rücken kehren, leicht zugenommen.

 

Müssen wir damit rechnen, dass das so weiter geht?

Der Umsatz in unserem Geschäft ist stark von Trends geprägt – positiv wie negativ. Somit werden wir diesen Trend ins neue Jahr mitnehmen. Das ist leider so.

 

Du hast ja schon länger davor gewarnt.

Genau, wir kennen die Reaktionszeit und wussten daher, dass gegen Ende Jahr der Wind dreht. Auch Analysten, die unseren Markt gut kennen, stellten fest, dass es in der Schweiz für den Marktleader zunehmend schwieriger wird. Aus wirtschaftlichen Gründen einerseits, aber auch weil der Wettbewerb stärker wird. Seit Beginn der Liberalisierung war der Konkurrenzkampf noch nie auch nur annähernd so intensiv.

 

Swisscom will bis 2020 die jährlichen Kosten um über 300 Millionen Franken reduzieren. Wie wollen wir das erreichen?

Wir reduzieren die Kosten jedes Jahr ein bisschen mehr. In diesem Jahr um 50 Millionen, 2017 kommen weitere 75 Millionen dazu, 2018 bis 2020 abermals jeweils zusätzlich 60 Millionen pro Jahr. Ab Ende 2020 werden wir also im Vergleich zu heute jedes Jahr über 300 Millionen Franken tiefere Kosten haben.
 
Das erreichen wir mit einer Kombination verschiedener Massnahmen und nicht jede bewirkt sofort eine Kostensenkung. Eine Massnahme ist der Abbau von Stellen, um die wir leider nicht herumkommen. Dann helfen auch die Zusammenlegung der Callcenter und von One Field Service, Kosten zu reduzieren. Schliesslich kommt auch die Abschaltung alter, kostenintensiver Technologien dazu – etwa die Umstellung auf All IP. Alleine diese hilft uns, mittelfristig die Kosten um über 100 Millionen Franken zu senken. Wie bei allen Kostenreduktionen ist es darum wichtig, dass man sauber plant, aber dann auch konsequent umsetzt. Nur so können solche Massnahmen auch mit der notwendigen Ruhe und aus einer Position der Stärke heraus angepackt werden.

 

Sind wir mit dieser Kostenreduktion gerüstet für die Zukunft?

Wir müssen kundenfreundlich blieben, innovativ sein und kontinuierlich die Kosten im Auge behalten. Das ist nicht negativ, denn es bedeutet, sich zu fokussieren und einfacher zu werden, mit schlankeren Abläufen. Die neue Organisation hat die Voraussetzung dafür geschaffen.

 

Im Geschäftskundenbereich ist die Situation schwierig. Ist der sogenannte Frankenschock ein Grund dafür?

Das hat die Situation sicher nicht einfacher gemacht. Er verstärkte auch eine generelle Unsicherheit in der Wirtschaft. Und Unsicherheiten sind Gift für Investitionen. Sie führen dazu, dass man Projekte verzögert oder Verträge nachverhandelt. Wenn dann noch, wie bei den Geschäftskunden geschehen, ein Konkurrent wie Sunrise den Markt aufmischt, dann schmerzt das. Umso schöner ist es dann natürlich, wenn es gelingt, diesem Angreifer ein paar Kunden abzujagen, wie etwa das CERN.

 

Bei den Privatkunden haben wir wohl vor allem Salt gespürt?

Ab dem dritten Quartal wurde Salt in der Tat zunehmend aggressiver bis sie im Dezember die Preise speziell für Wechsler halbierte. Anfang Jahr, nahmen sie schliesslich die Jungen ins Visier mit einem Angebot für 19 Franken. Wie es weitergeht, ist schwierig zu beurteilen, da es mehrere Wechsel im Top-Management gab – bis hin zum CEO. Wen wir aber bei den Privatkunden auch nicht ausser Acht lassen dürfen, ist UPC – die haben uns insbesondere im Mobile gefordert. Beide werden uns sicher auch in diesem Jahr auf Trab halten.

 

Damit hast du den Ausblick schon eingeläutet. Was wird uns sonst noch 2016 beschäftigen?

Wir müssen Vollgas geben. Wir mussten in unserem Ausblick einen rückläufigen Umsatz und ein tieferes Betriebsergebnis für 2016 bekanntgeben. Dies trotz geplanten Kostenreduktionen von CHF 50 Mio. Das hängt zwar auch mit der Preisreduktion im Roaming zusammen – ist aber auch eine Folge des zunehmenden Konkurrenzdrucks. In diesem Jahr wird es für uns nicht einfach. Wir sind nur erfolgreich, wenn wir uns nebst dem Kostenmanagement auch auf die Stärken unserer Strategie besinnen: Kundenfreundlichkeit und Zuverlässigkeit.
 

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