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Interview mit Dirk Wierzbitzki





Leiter Products & Marketing zu HBO auf Swisscom TV

«Wenn wir das sagen, fällt denen
erst mal die Kinnlade runter.»

Swisscom TV zeigt ab sofort die Serien des amerikanischen Pay-TV-Pioniers HBO. Das sei erst der Anfang, sagt Dirk Wierzbitzki, Leiter Products & Marketing.

Roger Baur, 28. September 2017

Dirk Wierzbitzki, seit kurzem arbeitet Swisscom TV für sein «Teleclub on Demand»-Angebot intensiv mit HBO zusammen. Gibt’s also bald einen neuen Kanal namens "HBO Switzerland"?

So hätten wir das vor zehn Jahren wohl noch gemacht. Aber heute wollen unsere Kunden den Content auf Abruf – und das gilt auch für die Serien von HBO. Wir haben ja bereits vor zwei Jahren das Angebot «Hot from the US» gestartet. Dort gibt’s schon heute aktuelle Serien zu sehen, unmittelbar nach ihrer Ausstrahlung in den USA. Und dort findet man nun laufend aufgeschaltet auch die aktuellsten Serien von HBO. Jede Woche kommt die neuste Folge dazu. Natürlich stehen unseren Kunden auch ältere Staffeln komplett zur Verfügung.

Und man bezahlt jede Folge einzeln?

Für die neusten Serien gilt: Man kann natürlich weiterhin auch nur eine einzelne Folge abrufen – aber neu bieten wir die Möglichkeit, die komplette Staffel zum Pauschalpreis zu buchen. Ist die Serie schon verfügbar, stehen alle Folgen als Gesamtstaffel zum Kauf bereit. Wird die Serie in den USA parallel ausgestrahlt, sind die bereits gezeigten Folgen sofort verfügbar – und alle neuen treffen Woche für Woche neu ein. 

Game of Thrones und weitere legendäre Serien von HBO als Video on Demand auf Swisscom TV.

Swisscom TV bietet ja schon seit dem ersten Tag Filme auf Abruf – wird nun also dieses Angebot deutlich ausgebaut?

Ja, das ist Teil des Fernsehens der Zukunft. Seit wir 2006 mit Swisscom TV starteten, hat sich viel verändert. So können wir beispielsweise heute Filme anbieten, während sie anderswo noch in den Kinos laufen. Oder wir ermöglichen es, einen Film nicht nur zu mieten, sondern zu kaufen. Der grosse Vorteil beim Kauf ist ja, dass diese Inhalte auch als Offline-Download geschaut werden können. Die Kundinnen und Kunden lieben diese Möglichkeiten, die Zahl der Abrufe bis in die hintersten Ecken unserer virtuellen Videothek sind stark gestiegen. Nun wollen wir den nächsten Schritt machen und das Angebot zwar auch bei den Filmen, aber vor allem bei Serien massiv ausbauen. Und das verlangt von uns, mit den Studios ganz neue Lösungen zu finden. 

Inwiefern?

Nun, kein Kunde kann heute nachvollziehen, wieso eine Serie nicht unmittelbar nach ihrer Ausstrahlung in den USA auch hierzulande zugänglich ist. Produzenten wie Netflix – den wir auch auf Swisscom TV aufgeschaltet haben – bieten ihre Serien am gleichen Tag weltweit an. Viele alteingesessene Studios aber gehen immer noch Schritt für Schritt vor: Zuerst konzentrieren sie sich auf die US-Anbieter und wenn wir Glück haben, kommen wir in Europa ein Jahr später zum Zug. Für klassische Sender funktioniert das – aber für nonlineare Plattformen wie Swisscom TV brauchen wir andere Lösungen. 

Aber ist Swisscom und der Schweizer Markt nicht zu klein, um daran etwas zu ändern?

Könnte man denken, aber wir sind mit Swisscom TV technisch und inhaltlich international an der Spitze und das hat natürlich schon Gewicht. In der Branche kennt man uns. Darum reist eine Kollegin von Teleclub auch regelmässig zwischen Volketswil und Los Angeles hin und her, und kämpft bei den Studios direkt dafür, dass sich da was ändert. 

Und ist sie erfolgreich?

Ja, langsam kommt etwas in Bewegung. Aber das brauchte viel Vorarbeit. Denn man darf nicht vergessen: Fernsehen auf Abruf ist selbst in den USA noch nicht landesweit der Normalfall. Wenn sie dann den Produzenten jeweils erzählt, dass so ein Produkt in der Schweiz bereits Marktführer ist, dann fällt denen die Kinnlade runter. Denn dass so etwas wie Swisscom TV technisch im ganzen Land problemlos funktioniert, ist im Moment schon noch die Ausnahme im internationalen Vergleich.

Was ändert sich nun für die Zuschauer?

HBO ist erst der Anfang. Das Angebot wird so stark wachsen, dass wir Swisscom TV einmal mehr erweitern werden. Wenn alles klappt, lancieren wir noch vor Weihnachten einen weiteren Komfortsprung für Swisscom TV.

Mit noch mehr Sendern?

(lacht) Nein, eben nicht. Lineare Kanäle sind keine grosse Herausforderung. Nein, es ist doch so: Das Fernsehen steht vor einer ähnlich grossen Veränderung wie vor 20 Jahren die Zeitung. Aktuell dominiert das klassische Fernsehen noch, aber es verändert sich rasend schnell. Dienste wie Netflix, Youtube oder Angebote wie Teleclub on Demand sind bei einer bestimmten Gruppe heute schon bedeutender, als das klassische Fernsehen. Und dieser Entwicklung werden wir, ja, müssen wir begegnen. Gleichzeitig geben wir Anbietern so ihrerseits die Möglichkeit zu wachsen.

Auch Schweizer Anbietern?

Ja, versteht sich von selbst. Wir haben kontinuierlich neue Schweizer Fernsehsender bei Swisscom TV aufgenommen. Und nicht zu vergessen: Teleclub ist einer der grössten privaten Filmförderer in diesem Land.

HBO: Die Mutter der Serie 2.0

Der amerikanische Pay-TV-Anbieter HBO gilt als der einflussreichste Player im globalisierten TV-Geschäft. HBO ist auch das Mutterhaus der modernen Fernsehserie. HBO-Serien waren von Anfang an dies: Frischer, bildstarker, komplexer. Schon die erste Produktion «Oz» setzte Akzente und als 1999 die «Sopranos» und kurz darauf «Sex and the City» auf Sendung gingen, setzte eine Aufwärtsspirale ein, die schlussendlich auch das frei empfangbare Fernsehen zu ganz neuen, zukunftsweisenden Projekten anspornte. Experten sind sich darum einig: Ohne HBO wären einer ganzen Generation von Serienmachern die Türen in Hollywood verschlossen geblieben.



Dirk Wierzbitzki

Der Leiter Products & Marketing ist seit Anfang 2016 Mitglied der Konzernleitung von Swisscom. In seinen Verantwortungsbereich fällt auch Swisscom TV.

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