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Interview mit Roger Wüthrich-Hasenböhler





Leiter Digital Business zur E-ID

«Die digitale ID für die Schweiz kommt
auf 2019.»

Ein einheitliches Login und die Möglichkeit, sich auch elektronisch auszuweisen – das bringt die E-ID, die «elektronische Identitätskarte». Ein breites Konsortium will nun dafür sorgen, dass sie bereits 2019 bereit ist. Auch Swisscom spielt in diesem breiten Schulterschluss eine prominente Rolle. Welche, erklärt CDO Roger Wüthrich-Hasenböhler.

Roger Baur, 29. November 2017

Roger Wüthrich, im Bereich der E-ID geht's vorwärts. Um was geht's genau?

Heute hat fast jede Plattform einen eigenen Login-Prozess. Das ist nicht nur mühsam, sondern auch unsicher. Mit E-ID will man eine Lösung schaffen, mit welcher man sich bei praktisch allen Online-Plattformen in der Schweiz identifizieren kann - eine Art elektronische Identitätskarte, welche rechtlich anerkannt wird. Die Lösung geht aber über den Login-Prozess hinaus, weil z.B. auch weitere Informationen wie das Alter einer Person überprüft werden können. Nur einmal registrieren, einmal verifizieren und sich möglichst überall damit identifizieren können – das ist die Vision. Die Unternehmen, welche bereits heute über eine grosse Anzahl Kundenlogins verfügen in der Schweiz, arbeiten zusammen, um diese Vision Realität werden zu lassen. Ganz bewusst soll es eine Lösung sein, die nicht einfach von Privaten initiiert wird – sondern bei der auch der Staat ein Partner ist. Gerade für ihn ist ein solches Login sehr wichtig, da es die Voraussetzung ist, um eGovernment anbieten zu können – für alle Gemeinden, alle Kantone und den Bund.

Und welche Rolle spielt Swisscom in diesem Konsortium?

Nun, es gab bislang mehrere Parteien, die an einer solchen Lösung arbeiteten; nun schliessen wir uns zusammen zu einem neuen Unternehmen, der SwissSign Group: An dem halten die staatsnahen Betriebe SBB, Post und Swisscom zusammen 45% - davon Swisscom alleine 10%. Die Banken halten gemeinsam ebenfalls 45% und weitere strategische Partner gemeinsam 10%.

Urs Schaeppi, CEO Swisscom, spricht neben Patrik Gisel (Raiffeisen), Thomas Gottstein (Credit Suisse Schweiz), Urs Rüegsegger (SIX), Daniel Previdoli (Zürcher Kantonalbank), von links, anlässlich der Medienkonferenz «Digitale Identität Schweiz» am Dienstag, 21. November 2017 in Zürich. Bild: Keystone

Und was ist unsere Aufgabe in diesem neuen Unternehmen?

Wir bringen beispielsweise unsere Technologien zur 2-Faktor-Authentifizierung mit ein. Vor allem die von Swisscom entwickelte Mobile ID wird eine der Lösungen sein, mit der sich künftig ein User identifizieren kann. Aber wir werden auch eine zentrale Rolle spielen, wenn es darum geht, Schnittstellen anzubieten – etwa, damit man sich mit der E-ID auch bei grossen internationalen Plattformen, wie zum Beispiel Zalando registrieren kann. Das ist ein riesiges Feld.

«Die von Swisscom entwickelte Mobile ID wird eine der Lösungen sein, mit der sich künftig ein User identifizieren kann.»

Wie konkret muss ich mir denn diese E-ID vorstellen?

Wenn alles klappt, ist sie 2019 bereit. Ab dann gibt es verschiedene Stellen, bei der man eine solche Identität eröffnen kann oder schon automatisch eine hat, weil man eine Geschäftsbeziehung zu einer dieser Stellen unterhält. Zu den Ausgabestellen der E-ID, genannt Identitätsprovider, gehören primär Post, SBB, die Banken und auch der Staat selbst. Swisscom wird vorläufig nicht als Identitätsprovider aktiv, jedoch die E-ID der anderen Partner für unsere Online-Angebote zum Zug kommen lassen. Heisst konkret, dass man sich bei uns mit einem SBB oder Bankenlogin automatisch einloggen kann.

Wie muss man sich die Nutzung der E-ID in der Praxis vorstellen?

In Bezug etwa auf Swisscom wird das heissen: Ich kann weiterhin ein klassisches Login erstellen – oder mich direkt mit der E-ID einloggen. Das wird uns helfen, wann immer wir die Identität des Kunden prüfen müssen - so wird es viel einfacher und sicherer, elektronisch einen Vertrag abzuschliessen.

Birgt das Ganze nicht auch Risiken?

Nein, das ist ein Trugschluss. Das heutige System, bei dem die meisten das gleiche Passwort für alle Logins verwenden – das ist riskant. Zudem kann bei der E-ID der Nutzer selber entscheiden, welche Daten er dem Online-Anbieter weiterreichen will oder nicht.

Aber unumstritten ist ja diese Zusammenarbeit zwischen Staat und Privaten trotzdem nicht.

Ich bin ein absoluter Verfechter dieser Lösung. Denn der Glaube, dass der Staat analog dem Pass einfach auch eine digitale ID ausgeben könnte, ist schlicht illusorisch und auch nicht kundenfreundlich. Man stelle sich vor, ich möchte ein Konto eröffnen und die Bank sagt: Sorry, geh zuerst zum Staat und registriere dich dort. Aber es geht noch um viel mehr, denn bereits heute finden 20% der Internettransaktionen international statt.

Was sagt man eigentlich im Silicon Valley zur E-ID?

Da ist man schon auch hellhörig. Denn wir sind weiter als andere Länder, wo der Staat noch still vor sich hinbastelt. Und wer weiss: Vielleicht wird man sich am Ende mit diesem Login sogar bei grossen internationalen Plattformen einloggen können. Und das – wie gesagt – womöglich dank einer Schnittstelle von Swisscom.

Was für Möglichkeiten erschliesst denn die E-ID als Solches?

Es ist eine ganz wichtige Grundlage, auf der sich viele Verfahren vereinfachen lassen. Wir können einen Vertrag schneller und mit weniger Aufwand für beide Seiten schliessen. Das wiederum ermöglicht uns, Dienstleistungen zeitnah zu aktivieren – ein erheblicher Vorteil, gerade mit Blick auf alles was noch kommen könnte: Internet der Dinge, vernetzte Mobilität, virtuelle Plattformen bis hin zu kleinere Dingen, wie etwa die Überprüfung des Alters beim Abruf eines Filmes. Oder anders gesagt: Was nützt uns ein Service in der Cloud, wenn der Vertrag zum Abruf zuerst unterschrieben und per Post zurückgeschickt werden muss?