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Interview mit Res Witschi





Leiter Nachhaltigkeit über Klimaschutz

«Swisscom ist bereits heute klimapositiv.»

Viele Schweizer Grossunternehmen wollen in den nächsten fünf Jahren klimaneutral sein. Swisscom hat dieses Ziel bereits 2017 übertroffen und ist heute klimapositiv. Was das heisst und wie sich Swisscom für das Klima engagiert, erklärt Res Witschi, Leiter Swisscom Nachhaltigkeit.

Sascha Bianchi, 5. September 2018

«Hitzetage ohne Ende» titelte SRF Meteo kürzlich in einer News. Die stabile Hochdruckwetterlage bescherte ganz Europa Rekordtemperaturen. Die Badi-Betreiber freute es: sie verzeichneten stete Besucheranstürme. Doch die Hitzewelle hat auch ihre Kehrseite: Die fehlenden Niederschläge sind Ursache für zahlreiche Waldbrände, verdorrende Ernten und eine allgemeine Wasserknappheit. Es ist naheliegend, dass diese extremen Wetterereignisse mit dem Klimawandel zusammenhängen. Während die Politik darüber streitet, wie der Klimaschutz wirkungsvoll umgesetzt und finanziert werden kann, haben Unternehmen längst damit angefangen, zu handeln. Und Swisscom mischt ganz vorne mit.

Res, im letzten Jahr war Swisscom klimapositiv. Was heisst das?

Swisscom hat im letzten Jahr inklusive Lieferkette rund 400'000 Tonnen CO₂ emittiert. Das entspricht in etwa der Menge an Treibhausgasen, die die 65'000 Einwohner der Stadt Lugano pro Jahr verursachen. Gleichzeitig haben unsere Produkte und Services dazu beigetragen, dass 490'000 Tonnen CO₂ eingespart wurden. Dies entspricht den Emissionen der 80'000 Einwohner der Stadt Luzern. Die Einsparungen übertreffen unseren Verbrauch, darum sind wir mehr als nur klimaneutral, wir sind sogar klimapositiv. Und darauf bin ich sehr stolz. 

2017 hat Swisscom 1.23 Mal mehr CO2 eingespart als emittiert. Bis 2020 soll das Verhältnis auf 2:1 erhöht werden, indem die eigenen Emissionen weiter reduziert und die Nutzung nachhaltiger Dienste bei den Kunden noch stärker gefördert wird.

Wie gelingt das? Kaufen wir uns «grün» mittels CO₂ Zertifikaten?

Nein, gar nicht. Produkte wie Skype und Sharepoint ermöglichen unseren Kunden virtuelle Konferenzen und Home-Office. Dadurch sinkt der Bedarf an Geschäftsreisen. Dank unserem LoRa-Netzwerk und Machine-2-Machine Lösungen optimieren Unternehmen heute zunehmend ihre Fahrzeugflotten oder steuern auf intelligente Art und Weise ihre Bürohäuser, Stromnetze und den Verkehr. Insgesamt hat die ICT- Branche das Potential, die CO₂-Emissionen weltweit um 16% zu reduzieren.

Unser eigener Energieverbrauch ist aber in den letzten drei Jahren kontinuierlich gestiegen. Läuft da nicht etwas falsch?

Der Energieverbrauch ist zwar leicht gestiegen, die CO₂-Emissionen sind aber gesunken. Verantwortlich für den Anstieg ist der Ausbau unserer Netze und Rechenzentren. Wir verbrauchen zwar etwas mehr Energie als früher, transportieren aber gleichzeitig eine viel höhere Datenmenge über die Netze und verarbeiten diese in den Rechenzentren. Unsere CO₂-Emissionen sinken seit Jahren, weil wir Gebäude und Fahrzeuge effizienter nutzen. Unser Strom stammt zudem seit 2010 aus 100% erneuerbarer Energie.

2017 hat Swisscom ihre Energieeffizienz durch Einsparungen und Verbesserungen trotz steigendem Gesamtenergieverbrauch weiter verbessert. Ziel ist eine Steigerung der Energieeffizienz von 35% von 2016 bis 2020.

Was unternimmt Swisscom, um ihren Energieverbrauch zu reduzieren?

Wir wollen unsere Energieeffizienz bis 2020 gegenüber dem 1. Januar 2016 um 35% steigern. Einen grossen Hebel haben wir bei Effizienzmassnahmen in unseren Netzen. Wir kühlen unsere Telefonzentralen bereits seit Jahren nur mit Frischluft (a.d.R. siehe Projekt Mistral). Eine ähnliche Technologie unter dem Namen Taifun wenden wir nun auch für unsere Mobilfunkstationen an. Auch bei den Rechenzentren erfüllt Swisscom die höchsten Anforderungen an die Energieeffizienz. Mit der Umstellung auf All IP sinkt der Verbrauch für die Festnetztelefonie, trotz Mehrverbrauch bei den Voice-only Kunden, um insgesamt 50%. Diese und viele weitere Massnahmen tragen dazu bei, dass wir in den nächsten Jahren unsere Energieeffizienz weiter deutlich steigern können.

Das Kühlsystem für das Rechenzentrum Wankdorf leitet Abwärme ins Fernheiz-Netz der Stadt Bern. An warmen Tagen kühlt das System über Umluft. Es kommt ohne Kompressoren und Kühlmittel aus. Wenn’s ganz heiss wird, kühlt die Verdunstung von Regenwasser zusätzlich. 

Seit 20 Jahren engagiert für mehr Nachhaltigkeit

Swisscom hat bereits 1997 ein eigenes Umweltmanagement eingeführt. Nur ein Jahr später erhielt Swisscom die Zertifizierung nach Umweltstandard ISO 14'001. Seit 2010 ist Nachhaltigkeit Teil der Unternehmensstrategie. 2014 eröffnete Swisscom in Wankdorf das effizienteste Rechenzentrum der Schweiz. Heute bietet Swisscom 50 Produkten, die sich durch besondere Nachhaltigkeitsvorteile auszeichnen, zum Beispiel die energieeffiziente TV-Box oder Internet Router. Swisscom ist als einzige Schweizer Telecom-Anbieterin im Dow Jones Sustainability Index und FTSE4Good vertreten – zwei der renommiertesten Finanz-Indizes der Welt. Weitere Infos zum Nachhaltigkeitsengagement gibt es hier. 

CO2-Berechnungen: Quellen und Hintergrund-Informationen

Die Einsparungen basieren auf Nutzungsdaten der Swisscom Produkte und auf Modellen, die berechnen, wie sich die Nutzung dieser Produkte auf die Einsparungen von Treibhausgasen auswirkt. Die Modelle wurden mit der Stiftung myclimate entwickelt und werden laufend überprüft und weiterentwickelt. Die Ergebnisse der Berechnungen werden jährlich von der Prüfgesellschaft SGS verifiziert. Im Klimabericht werden weiterführende Informationen zur Klimawirksamkeit der Aktivitäten von Swisscom aufgeführt.

Klimabericht Swisscom 2017 (PDF)



Zur Person

Res Witschi leitet seit vier Jahren den Bereich Corporate Responsibility bei Swisscom. Zuvor war der diplomierte Umweltwissenschafter ETH während knapp 16 Jahren als Projektleiter Nachhaltigkeit bei Swisscom tätig.

     



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