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Medienmitteilung

Zweite Generalversammlung in Zürich: Swisscom fordert gleich lange Spiesse

30. Mai 2000

Die zweite Swisscom-Generalversammlung vom 30. Mai 2000 im Zürcher Hallenstadion stand im Zeichen der neusten Branchenentwicklungen. Gemäss Konzernchef Jens Alder will Swisscom die sich neu bietenden Chancen im E-Business entschlossen anpacken und den Wert des Unternehmens nachhaltig steigern. Skeptisch äusserte sich der Präsident des Verwaltungsrates, Markus Rauh, zu den bevorstehenden Auktionen der UMTS-Mobiltelefonlizenzen in Europa, die sich als indirekte Steuer für die Konsumenten entpuppten. Um gleich lange Spiesse wie die Konkurrenz zu erhalten und den Handlungs-spielraum zu erhöhen, forderte Rauh eine rasche Überführung von Swisscom in eine Aktiengesellschaft nach Obligationenrecht.

Swisscom erhöhte im zweiten Jahr nach dem Börsengang die Zahl der eingetragenen Namenaktionäre weiter auf rund 63´000. Der Bund besitzt 48´175´250 Aktien, die 65,5% des totalen Aktienkapitals entsprechen, 15,4% mehr als das gesetzliche Minimum. Der Free float von 25´374´750 Aktien (34,5% des totalen Aktienkapitals) verteilt sich zu 11,2% auf die Schweiz, 11,4% auf Grossbritannien, 5,6% auf Nordamerika und zu 6,3% auf den Rest der Welt.

Kundenbasis dank debitel verdoppelt - erhöhte Dividende vorgeschlagen


Der Präsident des Verwaltungsrates, Markus Rauh, wertete die heutige Position von Swisscom in einem Konkurrenzumfeld mit mehr als 250 neuen Anbietern, die sich einen harten Preiskampf liefern, als positiv: "Trotz der Daumenschrauben strenger Regulierungsauflagen und des aggressiven Wettbewerbs konnten wir unsere Leaderstellung behaupten. Dies vor allem dank der Einführung neuer Produkte, einer aktiven Marktbearbeitung, der gezielten Nutzung unserer Stärken als Mobil- und Internet-Anbieter sowie der Verdoppelung unserer Kundenbasis durch die Akquisition von debitel.

"Als Folge von ausserordentlichen Transaktionen erzielte Swisscom 1999 einen hohen Reingewinn. Der Verwaltungsrat beantragte der Generalversammlung eine Erhöhung der Dividende von 11 auf 15 Franken pro Aktie.

New Economy setzt neue Massstäbe - E-Commerce als Geschäft der Zukunft


Markus Rauh ging an der Generalversammlung auf die zahlreichen Gründungen und Zusammenschlüsse von Internet-Firmen sowie die nach wie sehr hohe Bewertung von Dot.com-Firmen durch die Finanzmärkte ein: "Das Stichwort heisst E-Business und ist eine der Antriebskräfte der New Economy. Diese neue Marktordnung zwingt die Unternehmen, sich auf völlig andere Verhaltensregeln einzustellen. Die New Economy zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass Profitabilität und Cash-flow nur noch bedingt als Bewertungsbasis zählen. Umsatzwachstum, Kundenzahl und innovative Angebote auf der Basis des Internet-Protokolls werden von Investoren und Analysten sehr hoch bewertet. E-Commerce und vor allem Mobile-Commerce sind die Schlagworte. Grösse wird honoriert, unabhängig von den operativ realisierbaren Skaleneffekten und Synergien."

Die Zukunft von Swisscom liegt laut Konzernchef Jens Alder in den drei Geschäftsfeldern Kerngeschäft Schweiz, International und im E-Business. Auf diese drei Standbeine verteilt will sich Swisscom in den Wachstumsmärkten Mobile & Data sowie Internet positionieren. Alder: "Ein grosses Potenzial bietet die steigende Nachfrage nach dem Breitband-Zugang und den Breitbanddiensten im Festnetz, die Swisscom mit neuen Angeboten wie ADSL erfüllen wird."

Im erfolgreichen Mobiltelefoniegeschäft in der Schweiz verzeichnet Swisscom heute als klarer Marktleader bereits rund 2,6 Millionen Kunden. Swisscom will sich mit dem Erwerb einer UMTS-Lizenz in der Schweiz und in Deutschland ihre starke Position in der zukunftsträchtigen Mobilkommunikation der dritten Generation sichern.

UMTS-Lizenzeinnahmen sind Steuereinnahmen für den Bund

 
Skeptisch blickt Markus Rauh auf die bevorstehenden Auktionen von UMTS-Lizenzen in Europa: "Der in Grossbritannien erzielte Auktionserlös hat auch hierzulande Erwartungen auf einen Geldsegen geweckt: 8 bis 10 Milliarden Franken dürften schätzungsweise in die Staatsschatulle fliessen. Doch der Traum von der Auktion als Geldmaschine geht nicht auf. Die Zeche bezahlt nämlich am Schluss der Kunde! Was also den Bund kurzfristig freut, könnte sich wie ein Bumerang als Preiserhöhung in der Grössenordnung von 600 Franken pro Kunde und Jahr auswirken. Die hohen Auktionspreise dürften sich letztlich als eine innovationshemmende Investitionshürde entpuppen. Eine Auktion, wie sie kürzlich auf der britischen Insel über die Bühne ging, ist nichts Anderes als eine indirekte Steuer ohne jeden volkswirtschaftlichen Nutzen.

"Die zu erwartenden Auktionskosten für den Erwerb einer UMTS-Lizenz und der Aufbau einer UMTS-Infrastruktur erfordern gemäss Rauh separate Finanzierungsmodelle. Im Zusammenhang mit der Klärung der Finanzierungsmöglichkeiten dieses äusserst ehrgeizigen Vorhabens wird ein Börsengang des Mobil-Bereiches von Swisscom erwogen. Die Mehrheit wird jedoch bei Swisscom verbleiben.

Bereits im Projektstadium ist der im zweiten Halbjahr 2000 mögliche Börsengang des stark wachsenden Internet-Providers Blue Window- mit 500´000 Kunden die unbestrittene Nummer Eins in der Schweiz. Zusätzlich wird derzeit auch eine Publikumsöffnung der österreichischen Tochtergesellschaft UTA geprüft.

Swisscom soll in Aktiengesellschaft nach Obligationenrecht überführt werden


Swisscom ist heute - im Unterschied zu den Konkurrenten - eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft. Das besondere Statut schreibt unter anderem die Mehrheitsbeteiligung des Bundes vor. Aus Sicht des Swisscom-Verwaltungsrates ist dieses Spezialgesetz und dessen Interpretation mit ausschlaggebend für die bisher im Vergleich zu anderen europäischen Telekom-Unter-neh-men enttäuschende Entwicklung des Swisscom-Aktienkurses.

Gemäss Markus Rauh müssen angesichts der rasanten Industriekonsolidierung zusätzliche Allianz-Freiheiten geschaffen werden, um weiterhin erfolgreich zu agieren: "Es geht darum, selber die Initiative zu ergreifen und uns frühzeitig aus einer Position der Stärke heraus mit kompetenten, langfristig denkenden Partnern zusammenzutun. Die Freiheit für einen solchen Schritt steht im vitalen Interesse des Unternehmens, seiner Kunden und Mitarbeiter, seiner Aktionäre - ja, im Interesse des Wirtschaftsstandortes Schweiz als Ganzes. Denn nur eine starke und handlungsfähige Swisscom kann gewährleisten, dass ihre Wertschöpfung erhalten bleibt; dass ihre Arbeitsplätze nicht verloren gehen und dass die Entscheidungskompetenz nicht ins Ausland abwandert. Zur Sicherung der Chancen im sich rasant verändernden Markt muss Swisscom in eine privatrechtliche Aktiengesellschaft nach Obligationenrecht überführt werden. Nur so erhalten wir den dringend benötigten Handlungsspielraum, um die Zukunft zu gestalten. Die Zeit drängt, denn unsere Zeitrechnung wird in Internetjahren gezählt."

Rauh betonte, dass die flächendeckende Grundversorgung in der Schweiz weder mit einer Statusänderung noch mit dem Telekommunikationsunternehmensgesetz (TUG) verknüpft ist. Die Grundversorgung ist im Fernmeldegesetz (FMG) und seinen Verordnungen geregelt und wird nicht in Frage gestellt. Rauh: "Ein privatrechtlicher Status bedeutet auch nicht, dass der Bund - den wir als einen stabilen und verlässlichen Mehrheitsaktionär sehr schätzen - seine Aktien sofort verkaufen muss."

Swisscom erwartet für 2000 markanten Umsatzanstieg


Für das laufende Jahr erwartet Swisscom gemäss Konzernchef Jens Alder dank konsolidierter Rechnung mit debitel zwar einen markanten Umsatzanstieg. Auf Grund beschränkter Wachstumsmöglichkeiten im Inland dürfte das Betriebsergebnis jedoch tiefer als im Vorjahr ausfallen. Der Reingewin wird als Folge von ausserordentlichen Transaktionen voraussichtlich ansteigen.

Diese Perspektive zwingt Swisscom zu weitreichenden Massnahmen zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung. Dazu zählt auch der bereits im Frühjahr angekündigte Stellenabbau ab 2001. Zusammen mit debitel sollen laut Alder die Kostenstruktur verbessert, die Leistungen gesteigert, der Wachstumsmotor im Ausland weiter angekurbelt und damit die Position als einer der führenden Value-Added-Service-Provider in Mitteleuropa gefestigt und ausgebaut werden.

Zürich, 30. Mai 2000

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