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Meine Maut bezahl ich nicht!

Die Aufhebung der Roaminggebühren schwächt die Investitionskraft der Industrie

Wenn es nach dem Willen von EU-Kommissarin Neelie Kroes geht, gehören die Roaminggebühren innerhalb der EU bald der Vergangenheit an. Noch ist die politische Diskussion nicht angelaufen, schon träumen Konsumentinnen und Konsumenten davon, aus dem Urlaub billiger nach Hause zu telefonieren. Doch was als Entlastung des Benutzers gedacht ist, könnte dereinst auf ihn zurückfallen: Den europäischen Anbietern fehlen heute schon die finanziellen Mittel, um die Infrastruktur den stetig wachsenden Bedürfnissen nach mehr Bandbreite anzupassen. Wolfgang Bock, Verfasser der Studie „Reforming Europe's Telecoms Regulation to Enable the Digital Single Market“ von Boston Consulting für die ETNO braucht dafür einen drastischen Vergleicht: Auch wer im eigenen Land Kraftfahrzeugsteuern bezahlt, muss gleichwohl im Ausland Vignetten oder Autobahnmaut entrichten. Fehlt die Finanzierung, tun sich Löcher auf, sowohl auf der Autobahn für Kraftfahrzeuge als auf derjenigen für den Datentransfer.

In der Schweiz gibt es längst eine Alternative, die Telefonieren und SMS übers Smartphone auch im Ausland gratis macht: iO, von Swisscom im Juni lanciert braucht nur eine Internetverbindung und die Nutzer können kostenlos telefonieren, SMS senden und Daten verwalten.

 

Situation in der Schweiz

Die Forderungen nach Abschaffen der Roaminggebühren hat mit der Initiative der EU-Kommissarin erneut Aufwind bekommen. Populistische Schnellschüsse sind aber wenig hilfreich – und sehen über wichtige Tatsachen hinweg:

 

  • Als Nicht-Mitglied können die Schweizer Anbieter nicht einfach einem Abkommen mit der EU beitreten, sondern müssen mit jedem einzelnen Anbieter verhandeln, wie die gegenseitige Nutzung des Netzes im Mobilfunk verrechnet wird. Für die einzelnen Staaten in der EU könnten wir ebenso gut Russland oder Vietnam sein, die beide massiv höhere Roaminggebühren verlangen als die Schweiz.

  • über 40% des weltweiten Datenverkehrs verrechnen wir heute schon nicht mehr, weil über 600'000 Kunden ein Abonnement inklusive Roaming haben

  • Swisscom hat kein Interesse daran, die Roaminggebühren künstlich hoch zu halten, sondern handelt im Interesse ihrer Kunden und hat die Roamingpreise in den letzten Jahren massiv entschärft. So sind die Datenroamingpreise seit 2006 um über 90% gesunken und der Trend setzt sich in dieser Richtung fort.

  • Die Senkung der Roamingpreise wird möglich, weil die Preise für die Kommunikation wegen Einkaufsvorteilen und neuen Technologien weiter sinken.

  • Apps, die Telefonie aus dem Ausland ermöglichen, machen die Roamingpreise unwichtiger: Swisscom bietet mit iO selbst eine solche App an.