Nachhaltige Belüftungslösungen

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Nachhaltige Belüftungslösungen

Swisscom Broadcast tauscht an 172 Sendestandorten alle alten "Freecoolingeräte" aus und baut neue, energieeffiziente Geräte ein. Ein gar nicht so einfaches Unterfangen, denn die Standorte befinden sich in der ganzen Schweiz auf unterschiedlichsten Höhenlagen und sind teilweise nur schwierig zu erreichen. Ich begleite Markus Flückiger, Infrastruktur Manager bei Swisscom Broadcast, bei der Rekognoszierung des Standortes Brienz am Brienzersee.

Energie sparen – das Thema begegnet uns überall. Angefangen beim einfachen Lichterlöschen zu Hause, der Anschaffung von energieeffizienteren Geräten bis zu ganzheitlichen Energielösungen im eigenen Unternehmen. Auch Swisscom Broadcast spart Energie, wo immer es geht und tauscht deshalb alle alten Freecoolingeräte durch Geräte mit neuster Technologie aus. Ich frage mich, was dabei wohl die grösste Herausforderung ist, denn ich stelle es mir sehr einfach vor: Altes System abschalten, ausbauen, neues System einbauen und in Betrieb nehmen – fertig. Wieso also dauert das Projekt Freecoolingersatz zehn Jahre? Irgendetwas muss wohl doch komplexer sein, als ich mir das vorstelle. Schon bald erhalte ich die Antwort.

Markus Flückiger (l) und Andreas Käser (r)

Mein Besuch am Sendestandort Brienz

Pünktlich um 9:00 Uhr fahre ich Zuhause mit dem Auto los. Meine Scheibenwischer laufen auf Hochtouren, der prasselnde Regen auf der Frontscheibe und das neblige Wetter verhindern eine klare Sicht. Nach einer knappen Stunde treffe ich beim Parkplatz des Strandbads Brienz ein und werde von Andreas Käser, Projektmanager bei Klimalogik, und Markus Flückiger mit einem kurzen «Fistbump» kollegial begrüsst. Der Regenfall hat sich inzwischen verschlimmert und auf den Strassen bilden sich bereits die ersten kleinen Bäche. Wir beschliessen, in ein nahegelegenes Café zu fahren und das kommende Projekt am Trockenen zu besprechen. Während wir Kaffee und Gipfeli geniessen, erzählt Flückiger fasziniert vom Projekt Freecoolingersatz: «Nachhaltige Energielösungen sind bei Swisscom Broadcast ein immerwährendes Thema und wir setzen uns jährlich ehrgeizige Umweltziele. Daraus entstand 2019 das Projekt Freecoolingersatz: 172 Sendestandorte mit 290 Geräten sollen in zehn Jahren mit energieeffizienteren Kühlungslösungen umgebaut werden!»

Zwischen 2003-2010 hat Swisscom Broadcast 290 Freecoolinganlagen installiert. «Diese Geräte funktionieren mit Aussenluft und bei Bedarf zusätzlich mit einem Klima-Kompressor. Die Installationen sind für den aktuellen Bedarf vielerorts zu gross dimensioniert und laufen systembedingt rund um die Uhr. Der Stromverbrauch ist dadurch viel zu hoch und die Geräte sind altersbedingt störungs- und reparaturanfällig.» Nach einem kurzen Schluck heissem Kaffee fährt Flückiger fort: «Da die Geräte ihre Lebensdauer erreicht haben, ersetzen wir zwischen 2019- 2028 alle alten Installationen. Dazu arbeiten wir mit bewährten Unternehmen zusammen, wie hier im Berner Oberland mit Klimalogik. Sie unterstützen uns bei der Lösungssuche und tauschen die Geräte schliesslich aus.»

Die Digitalisierung ermöglicht nachhaltigere Lösungen

Swisscom Broadcast wendet die ETSI Normen an. Diese geben vor, dass die Temperatur in einem Sendestationsraum zwischen 10 und 35 Grad Celsius liegen soll. Sonst besteht die Gefahr, dass einzelne Geräte technische Defekte erleiden und die Dienste nicht mehr sichergestellt sind. Die Digitalisierung hat auch hier grosse Spuren hinterlassen. Mit Freude berichtet Flückiger: «Seit 2019 werden Alarme über SNMP (Simple Network Management Protocol) direkt per Internet gemeldet. Zusätzlich kann ich jede Störung dank Webzugriff einfach quittieren und laufend Betriebsoptimierungen durchführen, ohne auf den Standort fahren zu müssen.» Flückiger nimmt sein Mobilgerät aus der Hosentasche und präsentiert mir zwei Apps: «Mit der internen App SBCGo und PRTG kann ich Alarmierungen und Raumtemperaturen einfach auf dem Handy abrufen. Diese vielen Erneuerungen sind sehr praktisch und so können wir schnell die verantwortlichen Mitarbeitenden aufbieten.»

Alte Freecoolinggeräte Standort Brienz

Alte Freecoolingeräte Standort Brienz

Heutzutage werden anstelle von Freecoolingsystemen vorzugsweise sogenannte Mistral-Anlagen eingesetzt. Das sind einfache Ventilatoren, die energiesparender arbeiten als Freecoolingsysteme, denn der Raum wird ausschliesslich durch die Aussenluft und ohne Kompressor gekühlt. Seit 2018 verwendet Swisscom Broadcast zudem Mistral-plus Anlagen. Bei diesen Geräten werden die Mistral-Ventilatoren mit einem Split-Klimagerät ergänzt. Das bedeutet, dass zusätzlich zu den Ventilatoren ein Klimagerät eingebaut wird – es wird jedoch nur eingeschaltet, wenn es wirklich notwendig ist. Diese Anlagen werden bei Standorten eingesetzt, wo mit höheren Aussentemperaturen und viel Abwärme zu rechnen ist und ein "normales" Mistral nicht genügt. Mit den beiden Systemen können alle Regionen der Schweiz abgedeckt werden. Begeistert fährt Flückiger fort: «Durch den Ersatz der veralteten Freecooling-Geräte können pro Standort im Jahr zwischen 5'000 und 10'000 kWh elektrische Energie gespart werden. Auf alle Standorte gesehen ergibt dies eine jährliche Energieeinsparung von 1.3 Mio kWh., was laut Energie Schweiz auf alle Standorte gesehen rund 520 Schweizer drei MFH-Personenhaushalten entspricht. * Zusätzlich können auch Reparaturen, Ausfälle und Piketteinsätze reduziert werden, wodurch wir unsere Mitarbeitenden enorm entlasten können und Energie undKosten sparen.»

Der alpine Ort Brienz

Nach dem Briefing verlassen wir das Café und werden draussen von starkem Regen begrüsst. Wir fahren mit den Autos vorsichtig zum Standort Brienz. Nach kurzer Fahrt auf der Hauptstrasse biegen wir in eine Seitenstrasse ab und fahren auf einer immer enger und steiler werdenden Strasse in die Höhe. Während ich dank des unebenen Naturwegs richtig durchgeschüttelt werde, erspähe ich nach einer Kurve wenige Meter vor mir eine grosse Antenne. Der dichte Nebel verhindert jedoch eine gute Sicht – ein grosser Teil der filigranen Struktur verschwindet im grauen Nichts. Unter der Antenne erscheint langsam ein kleines Häuschen, vermutlich mit der gesamten Technik. Markus Flückiger schmunzelt, als er mein erstauntes Gesicht sieht: «Tatsächlich befindet sich in diesem kleinen Gebäude die gesamte Technik zum Aussenden von Radio- und Fernsehsignalen und zur Bereitstellung des Betriebfunks der Polizei.» 

Als wir durchnässt das Haus betreten, bläst uns ein aggressiver Wärmestrahl entgegen. Die vielen elektronischen Geräte erzeugen eine grosse Hitze und der Raum gleicht einer kleinen Sauna. Froh über ein bisschen Wärme nimmt der Swisscom Broadcast Mitarbeitende das leicht vergilbte Standortsbuch hervor und macht einen neuen Eintrag. Das Logbuch verrät uns, dass der Standort Brienz 1987 durch die PTT gebaut wurde und seither ununterbrochen in Betrieb ist.

Lösungsfindung auf engstem Raum

«Als erstes verschaffen wir uns immer einen Überblick über die aktuelle Kühlungslösung und sammeln Ideen, welche neuen Technologien wir einbauen könnten.» Während der Innenbesichtigung stehen wir einander regelmässig im Weg, denn die kleinen Zwischenräume verhindern ein Kreuzen grösstenteils. Plötzlich ertönt ein heftiger Knall und ich zucke zusammen. Als ich aufblicke sehe ich, dass Flückiger die Eingangstüre geöffnet hat, die der starke Wind sofort wieder zugeknallt hat. Ich folge ihm nach draussen auf ein kleines Metallgerüst, welches das Haus umrundet. Der Regen macht das Gehen unglaublich schwierig – das Metallgitter gleicht einem Eisfeld. An der einen Aussenseite entdecke ich zwei massive Freecoolinggeräte, welche bis zu 300 Kilogramm wiegen können. «Der Standort Brienz wurde sehr aufwändig installiert und ist somit auch in der Demontage nicht einfach rückzubauen», erklärt Flückiger. «Wir mussten bei der Installation die Äste absägen, damit mit dem Kran die Freecoolinggeräte richtig platziert werden konnten. Das wollen wir bei der neuen Lösung vermeiden.» Die grosse Frage stellt sich nun, für welche Kühlungsvariante sich die beiden Experten entscheiden. Gibt es eine neue Freecoolinganlage oder doch nur eine Mistral-Lösung? Ich höre diverse Ideenvorschläge und Diskussionen über Themen wie Klimaverhältnisse oder die Standortslage und schlussendlich messen die Profis den Innenraum mit einem Meter zentimetergenau aus – alles ist viel komplizierter, als ich es mir vorgestellt hatte. Nach ein paar Minuten höre ich ein zufriedenes: «Das ist es. Es gibt eine neue Mistral-plus Anlage». Welche Argumente für diese Lösung sprechen, überlasse ich den beiden Experten.

Die grösste Herausforderung

Auf die Frage, was die grösste Schwierigkeit beim Projekt Freecoolingersatz sei, antwortet Flückiger prompt: «Stell dir vor, es gibt 172 verschiedene Standorte. Jeder Standort ist anders: Andere Grösse, andere Innenausstattung und an einem anderen Ort. Deine Aufgabe ist, bei jedem Standort ein neues Belüftungssystem einzubauen – und zwar immer so nachhaltig wie möglich. Aber manchmal ist es zu eng für dein Belüftungssystem, manchmal kann der Kran nicht hinfahren… und so musst du für jeden Standort eine individuelle Lösung finden. Das ist natürlich sehr zeitaufwändig.»

Nach einer letzten Kontrollmessung nicken sich der Klimalogik-Mitarbeiter und der Projektleiter von Swisscom Broadcast kurz zu und machen sich auf den Rückweg zum Auto. Ich habe eigentlich erwartet, dass die Planung eines solchen Projektes mehrere Stunden dauert und der Standort mehrmals besichtigt werden muss – die einzige Besichtigung vor dem Umbau ist nach einer knappen Stunde jedoch bereits beendet. «Mit jedem Projekt gewinnst du Erfahrung und sparst Zeit», erklärt mir Flückiger mit einem Augenzwinkern.

* 17.01.2022, Energie Schweiz:  https://pubdb.bfe.admin.ch/de/publication/download/10559

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