Dichter Verkehr, viele Weisungen, wenig Zeit zum Lesen: Swisscom und die VBZ haben eine GenAI-Lösung entwickelt, die Fahrer*innen genau die Informationen liefert, die sie gerade benötigen.
GenAI-Lösung für vereinfachte und dienstspezifische Dienstinformationen für den VBZ-Fahrdienst 4 Min.
Rund 1700 Trampilot*innen und Busfahrer*innen der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) bringen jährlich über 300 Millionen Fahrgäste sicher ans Ziel. Der Job sei anspruchsvoller geworden, berichtet Trampilot und Teamcoach Sebastian Priester: «Der Verkehr wird dichter und stressiger, zu viele Leute schauen und hören nicht gut hin.»
Gleichzeitig müssen die Fahrdienstmitarbeitenden immer mehr Daten verarbeiten. Bevor sie losfahren, brauchen sie zahlreiche Informationen und Anweisungen. Dafür lesen sie jährlich über 800 PDFs. Sebastian Priester: «Das Problem: Die Texte sind oft umständlich und nur in Deutsch verfasst – für viele Kolleginnen und Kollegen schwierig zu verstehen. Und wir müssen die aktuellen Infos auf verschiedenen Plattformen abholen. Nicht alle bei uns sind PC-Cracks.»
Je nach Routine und Sprachkenntnissen dauert die Vorbereitung der Fahrdienste bis zu 20 Minuten. Zuerst suchen die Fahrer*innen ihren aktuellen Dienst. Dann sammeln sie die relevanten Infos aus verschiedenen Quellen, etwa zu Baustellen. Sie prüfen den Fahrplan, schreiben Abfahrtszeiten heraus, übersetzen Unverständliches usw.
Rebecca Gimmi leitet die Informatik bei den VBZ. Sie will mithelfen, die Fahrer*innen vor mentaler Überlastung zu schützen. Ihre Vision: «Vor Dienstbeginn erfasst die Trampilotin alle relevanten Informationen auf ihrem Tablet auf einen Blick – personalisiert, verständlich, möglichst in ihrer Muttersprache und auf den jeweiligen Dienst bezogen. Das mühsame Scannen der PDFs nach dienstspezifischen Weisungen entfällt.» Eine Aufgabe, die wie geschaffen für eine KI-Lösung sei, ist Rebecca Gimmi überzeugt.
«Mein schlauer Dienst»: Unter diesem Arbeitstitel entwickelten KI-Spezialist*innen von Swisscom gemeinsam mit den VBZ einen Prototypen für ein KI-Tool. Die massgeschneiderte Lösung extrahiert die relevanten Informationen aus den PDFs, fasst sie zusammen und übersetzt sie in zwölf Sprachen. Meist geht es um planbare Betriebsänderungen aufgrund von Baustellen oder Veranstaltungen. Die KI verknüpft die Informationen und Weisungen individuell mit dem Dienstplan – nach Linie, Kurs und Datum.
Die GenAI-Lösung liefert den Fahrer*innen alle relevanten Informationen gebündelt, klar und auf einen Blick erfassbar auf das Tablet – genau dann, wenn sie sie brauchen, meist in ihrer Muttersprache. Dank Kontext zum Dienstplan werden nur die wichtigen Punkte für die aktuelle Schicht eingeblendet. Betrieben wird «Mein schlauer Dienst» auf der Swiss AI Platform. Mit ihrer sicheren Schweizer KI-Plattform erfüllt Swisscom hohe Anforderungen an den Datenschutz und leistet einen wichtigen Beitrag an die digitale Souveränität.
«Die positiven Reaktionen unserer Mitarbeitenden auf den Prototypen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagt Rebecca Gimmi. «Schon bald setzen wir die Lösung operativ ein. Mein Tipp an andere Verkehrsbetriebe? Holt die Bedürfnisse des Fahrdiensts im direkten Gespräch ab, legt mal los, ohne jedes Detail zu definieren und sammelt Erfahrungen.»
Für die Leiterin Informatik ist Swisscom die einzig mögliche Partnerin für das KI-Projekt der VBZ: «Zum einen steht überall ‹Schweiz› drauf. Das hat sehr geholfen, dass die Sicherheitsprüfung unserer Lösung durch die zuständige städtische Stelle rekordschnell erfolgte. Zum andern haben die KI-Spezialist*innen von Swisscom sehr schnell verstanden, was wir benötigen – und wir erleben sie als sehr zugänglich.»