Digitalisierung ist kein Fertiggericht



Wir Unternehmen die digitale Transformation anpacken können

Digitalisierung ist kein Fertiggericht


Auf den ersten Blick ist die Digitalisierung für viele Unternehmen eine weitere Muss-Position auf der Aufgabenliste. Erst auf den zweiten Blick erkennen Firmen deren Chancen für ihre Zukunft. Doch selbst wer für die Transformation bereit ist, sieht sich mit der Frage konfrontiert: Wie starten?


Nicolas Fulpius, CDO Swisscom Enterprise Customers, August 2016


Die Digitalisierung ist nichts Neues. Viele Alltagsanwendungen funktionieren seit Jahrzehnten digitalisiert. Neu ist jedoch die Geschwindigkeit der Digitalisierung, die unser Leben immer mehr prägt. Möglich machen es die zahlreichen, leistungsfähigen Netze und smarten Geräte. Menschen, Dinge und Maschinen sind zunehmend vernetzt.


Die Idee hinter der Digitalisierung ist einfach. Es geht um die unzähligen Möglichkeiten, diese neuen Technologien in der eigenen Wertschöpfungskette einzusetzen:

 

  • In der Art wie wir arbeiten: Standort- und zeitunabhängig dank Work Smart. 
  • In der Neudefinition von Geschäftsprozessen: Voll digitalisiert und ohne Medienbrüche.
  • In der Gestaltung von individuellen Kundenerlebnissen: Relevant im Informationsgehalt und alles aus einer Hand.
  • In der Schaffung von ganz neuen Geschäftsmodellen: Service statt Produkt – also Sauberkeit statt Kehrmaschine, Mobilität statt Fahrzeuge.

Aber wie sollen Unternehmen vorgehen, um die Digitalisierung gewinnbringend für sich zu nutzen?


Digitalisierung ist kein Fertiggericht

Um es vorweg zu nehmen: Es gibt kein Standardrezept für die erfolgreiche Digitalisierung. Die enorme Geschwindigkeit, die der Digitalisierung eigen ist, macht es fast unmöglich, zuverlässige und allgemeingültige Prognosen zu formulieren. Was wir heute wissen, kann morgen bereits überholt sein. Mit dieser Unsicherheit zu leben, wird Bestandteil unseres Alltags. Das ist jedoch kein Grund, um die Hände zu verwerfen. Stattdessen sollte sich jedes Unternehmen fragen, wie die Digitalisierung gewinnbringend in das eigene Geschäftsmodell integriert werden kann.


Ein guter Startpunkt: Die Wertschöpfungsketten aus digitaler Perspektive kritisch zu hinterfragen. Wer die Digitalisierung nutzt, kann bestehende Abläufe und Angebote vereinfachen und neue Dienstleistungen auf den bestehenden aufbauen. Wer glaubt, die Digitalisierung betreffe ihn nicht, spielt der – neu oft branchenfremden – Konkurrenz in die Hände. Es gilt sofort loszulegen. Wenn auch kein Erfolgsrezept, so doch drei konkrete Schritte, um zu starten:


1. Digitalisierung ist Teil der Unternehmensstrategie

Die Digitalisierung betrifft bei weitem nicht nur die IT, sondern hat Auswirkungen auf alle Ebenen eines Unternehmens: Von Prozessoptimierungen bis zu den Skills der Mitarbeiter. Deshalb muss sie Teil der Unternehmensstrategie sein. Die oberste Unternehmensebene entscheidet, welche Teile des Unternehmens sich für die digitale Transformation eignen und was mit welcher Priorität digitalisiert wird. Das Management darf nicht in verabschiedeten Entscheiden und Strategien verharren, sondern muss den Mut zu Neuem haben – selbst wenn es bedeutet, ein angefangenes Projekt zu stoppen und wieder von vorne zu starten. Ein geordnetes Scheitern muss möglich sein, um zu lernen. Ein dediziertes Team berichtet direkt an die Geschäftsleitung. Der Chief Digital Officer orchestriert dabei alle Aktivitäten und Massnahmen.


2. Geschwindigkeit und Iteration als A und O

Eine Firma kann es sich heute schlichtweg nicht mehr leisten, lange Zeit hinter verschlossenen Türen an einem Produkt bis zur Perfektion zu arbeiten. Viel besser ist, ein Projekt in iterativen (Beta)-Versionen zu realisieren, laufend zu verbessern und die Schnittstellen zu neuen Technologien herzustellen. Fast-Prototyping ist ein vielversprechender Ansatz. So fliesst Kunden- oder Benutzerfeedback schnell ein, bevor zu hohe Kosten entstehen. Ausserdem lässt sich das Time to Market mit diesem Ansatz stark verkürzen.


3. Digitale Kompetenzen und Transformation fördern

Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter in die Transformation einbinden, denn sie betrifft vom Praktikant bis zum Verwaltungsrat alle. Sie wird das Anforderungsprofil von Mitarbeitern langfristig stark verändern. Nur Unternehmen, die ihre Mitarbeiter frühzeitig sensibilisieren und auf die Transformationsreise mitnehmen, können das volle Potenzial der Digitalisierung nutzen. Ihre hohe Geschwindigkeit und der iterative Ansatz bedingen zudem ein Umdenken im Führungssystem. Strenge Hierarchien und Kontrollsysteme werden zum Relikt aus der Vergangenheit. Stattdessen erleben agile Organisationen und Netzwerk-Leadership einen Aufschwung.


Wer heute als Unternehmer erfolgreich sein will, sollte sich bewusst sein, dass die Digitalisierung alle Branchen erfasst. Wer den grössten unternehmerischen Nutzen erzielen will, sollte jetzt beginnen zu experimentieren, Neues zu wagen und die Transformation ganzheitlich anzugehen. Mit dem richtigen Impuls des Managements, einer agilen und lernenden Organisation sowie einem „fail fast, fail cheap“-Ansatz gelingt auch der Schritt in die Digitalisierung.

Nicolas Fulpius, Leiter Digital Enterprise Solutions und CDO Swisscom Enterprise Customers

Nach mehrjähriger Tätigkeit in den Bereichen Private Equity et Venture Capital war Nicolas Fulpius CEO der Veltigroup, die 2015 von Swisscom gekauft wurde. Seit Juli 2015 ist er Chief Digitalization Officer bei Swisscom Enterprise Customers und seit Juni 2016 zusätzlich Leiter des Bereiches Digital Enterprise Solutions. Nicolas Fulpius verfügt über einen MBA der Universität St. Gallen und promovierte an der Stanford University in Ingenieurwissenschaften.

 



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