IFZ-Fintech-Studie 2017

IFZ-Fintech-Studie 2017

Schweizer Fintech hebt ab


Durch die Anstrengungen des Bundes und der Zusammenarbeit von Unternehmen könnte die Schweiz das weltweit führende Fintech-Zentrum werden – sofern sie Fachkräfte, Investoren und Nischenmärkte fördert.


Text: Christoph Widmer,




Die Schweiz hat – nach Singapur – die weltweit besten Voraussetzungen für Fintech-Firmen. Zu diesem Schluss kommt das Institut für Finanzdienstleistungen IFZ mit seiner diesjährigen Fintech-Studie: Das Zuger Kompetenzzentrum führte dazu eine umfassende Analyse zur hiesigen Fintech-Branche durch – und räumt dem Standort Schweiz grosses Potenzial ein.


Wachstum durch Zusammenarbeit

Das IFZ zählte Ende 2016 190 Schweizer Fintech-Unternehmen – 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem beim Kredit- und Einlagengeschäft nahm die Unternehmensanzahl weiter zu, gefolgt von den Sektoren Banking-Infrastruktur sowie Blockchain und Kryptowährungen.


«Vor allem beim Kredit- und Einlagengeschäft nahm die Unternehmensanzahl weiter zu, gefolgt von den Sektoren Banking-Infrastruktur sowie Blockchain und Kryptowährungen.»


Erste Anzeichen für die guten Chancen des Schweizer Fintech-Markts habe es schon 2015 gegeben, heisst es in der Studie. Nun zeigt die Branche weiteres Wachstum. Der Grund: stetige Zusammenarbeit. So wirken die staatlichen Einrichtungen an einem Fintech-Rahmenwerk. Dank erleichterter Regularien will der Bundesrat Markteintrittshürden für kommende Fintech-Anbieter verringern. Das Ziel: ein attraktiverer und noch wettbewerbsfähigerer Finanzplatz Schweiz.




«Digitale Ökosysteme sind das Erfolgsrezept für zukünftiges Banking.»



Sascha Gysel

Leiter Think Tank e-foresight




Laut der Studie trug auch die Zusammenarbeit unter den Start-ups zum Wachstum des Fintech-Markts bei. Gerade für die jungen Unternehmen seien die Bedingungen in der Schweiz optimal. Für wachsende Unternehmen bietet die hiesige Finanzlandschaft aber zu wenig: Wie vom IFZ in seiner letztjährigen Studie angekündigt, erschliessen immer mehr Schweizer Fintech-Firmen ausländische Märkte. Sie profitieren dabei von ausländischen Risikokapitalgebern und Spezialisten – auch wenn der gesamte Schweizer Technologie-Sektor derzeit unter einem Fachkräftemangel leidet.


Es braucht Nischenangebote

Für die Bankenbranche stellt der Schweizer Fintech-Sektor keine Gefahr dar: Viele Fintech-Unternehmen kollaborieren mit den Banken und sind immer mehr in den Bereichen SaaS oder Lizenzgebühren tätig. Die Einnahmequellen etablierter Banken hingegen bleiben die Vermittlungsgebühren, der Handel und die Verzinsung.


«Viele Fintech-Unternehmen kollaborieren mit den Banken und sind immer mehr in den Bereichen SaaS oder Lizenzgebühren tätig.»


Die meisten Schweizer Fintech-Firmen expandieren dank des B2B-Geschäfts mit Finanzinstituten, während sich hiesige Banken zunehmend an ausländische Fintech-Anbieter wenden. Den Schweizer Fintech-Unternehmen bleibt nur eines: Sie müssen sich spezialisieren. Nur wer eine Nische bedient, kann im globalen Wettbewerb mithalten. Dazu Sascha Gysel, Leiter des Digital Banking Think Tank e-foresight von Swisscom: «Mit Fachkräften und Kapital – auch aus dem Ausland – kann sich die Schweiz als weltweites Kompetenzzentrum für Fintech etablieren.»



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