Die Ideen, Projekte und Köpfe hinter dem Digital Lab

Zusammenarbeit zwischen EPFL und Swisscom

Digital Lab: Innovation die ansteckt


Das Swisscom Digital Lab ist die Drehscheibe zwischen Forschung und Business. Im Kompetenzzentrum für Digitalisierung arbeiten Forschende der EPFL und Swisscom-Angestellte Hand in Hand an den Technologien der Zukunft – und schätzen den Austausch in jeder Hinsicht.


Text: Christoph Widmer, Bilder: Boris Baldinger,




Beim Betreten des Digital Lab, dem "Kompetenzzentrum für Digitalisierung" im EPFL-Innovationspark, fühlt man sich wie in eine offene Werkstatt versetzt: gestapelte Holzblöcke, die oft für Präsentationen und Besprechungen genutzt werden, sind ebenso vorhanden wie hölzerne Besprechungsräume und drei "Squad"-Zonen, die den Innovationsprojekten gewidmet sind.

Die ersten sichtbaren Zeichen der Zusammenarbeit finden sich auf einem an der Wand befestigten Whiteboard: mathematische Formeln, Funktionsgrafiken, Parabeln und viele andere Notizen. Es ist Dienstagmorgen, langsam füllt sich das Labor mit seinen täglichen Besuchern und dem Personal; die Arbeit beginnt...

Die Atmosphäre ist eine Mischung aus tiefer Konzentration, Workshops und lebhafter Diskussion. Grégory Leproux, verantwortlich für das Labor, erklärt uns: «Die Tage im Lab sind nie gleich. Events, Business-Meetings, Entwicklungs- und Explorationsprojekte geben den Wochen einen anderen Rhythmus.»



Grégory Leproux, Leiter Swisscom Digital Lab

Grégory Leproux, Leiter Swisscom Digital Lab



Das Swisscom Digital Lab ist eine Drehscheibe für Innovation: ein Ort, der Forscher, Unternehmen, Start-ups und Swisscom unter einem Dach vereint. «Das Digital Lab ist eine Plattform», erklärt Leproux. «Gemeinsam mit Kunden und Geschäftsbereichen identifizieren wir Geschäftsmöglichkeiten und nutzen die Technologien und das Know-how der EPFL, um neue Nutzererfahrungen und neue Produkte zu entwickeln.»

Der Spagat zwischen Business-Nutzen und innovativer Forschung ist die eigentliche Herausforderung. Leproux besinnt sich dann oft auf das Selbstvertrauen, das er in der Startup-Landschaft im Silicon Valley beobachtet hat: Man beschränkt sich voller Zuversicht aufs Wesentliche.


Eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der EPFL

«Im Digital Lab arbeiten Studierende und Professoren der EPFL mit Swisscom-Mitarbeitern zusammen, um neue Technologien zu erforschen, Swisscom-Produkte zu verbessern oder neue zu entwickeln», sagt Guillermo Barrenetxea. Der technische Leiter des Swisscom Digital Lab hilft Teams bei der Planung ihrer Projekte. Er ist begeistert von praktisch jedem Digitalisierungsthema, von künstlicher Intelligenz über Security, Big Data bis hin zum Internet der Dinge.



Guillermo Barrenextea, betreut gemeinsame EPFL und Swisscom Projekte

Guillermo Barrenetxea, betreut gemeinsame EPFL und Swisscom Projekte



EPFL weckt Geschäftssinn

Das entspricht ganz dem Leitbild der EPFL und wird im Innovation Park konsequent gelebt. Rund um das Digital Lab herum befinden sich über 120 Start-ups, 20 Grossunternehmen und 20 Dienstleister, insgesamt arbeiten hier über 2000 Menschen. Ein kleines Silicon Valley, direkt neben der technischen Hochschule. «Innovation heisst nichts anderes, als sicherzustellen, dass Unternehmen gegründet werden und Zusammenarbeit entsteht», erklärt Michaël Thémans, Deputy of the Vice President for Innovation an der EPFL. Scharfsinnig und entschlossen, konzentriert er sich sehr stark auf die Wirtschaft, um EPFL- Forschende für Gemeinschaftsprojekte an Unternehmen zu vermitteln.



Michaël Thémans, Deputy of the Vice President for Innovation an der EPFL

Michaël Thémans, Deputy of the Vice President for Innovation an der EPFL



Thémans treibt aber auch EPFL-intern Fördermassnahmen voran. So haben Studenten die Möglichkeit, schon früh Erfahrungen im Privatsektor zu sammeln – mit Programmen wie Xgrant, das die EPFL unlängst lancierte: Bereits während ihres Bachelors und Masters können Studenten ihre Geschäftsidee einreichen. Überzeugt diese, erhalten sie nicht nur ein Preisgeld, um die ersten Schritte des Projekts in Angriff nehmen zu können, sondern können auch mehrere Monate bei Swissnex in San Francisco verbringen.


360˚-Navigationssystem für Videos: ein Pionierprojekt für 5G

Dass derartige Förderprogramme nicht nur einen theoretischen Nutzen für die Forschung haben, zeigt das Beispiel von Meryem Wehbe. Sie arbeitet an der Umsetzung von Virtual Reality-Erfahrungen auf der Basis von 360˚-Videos.

Als Masterstudentin für Elektrotechnik an der EPFL und Praktikantin im Digital Lab entwickelt sie eine Anwendung, welche die Vorteile des kommenden 5G-Netzwerks nutzt. Die Lösung ermöglicht 360˚-Video-Live-Übertragungen aus verschiedenen Perspektiven - zum Beispiel bei Sportveranstaltungen. Das eigentliche Ziel ist es, aus den ursprünglichen Kameraperspektiven neue Kameraperspektiven zu generieren. So liesse sich das Geschehen sogar aus der Spielfeld-Perspektive beobachten.

Für die zielstrebige Studentin ist das Praktikum am Lab eine grosse Chance: «Ich stehe erst am Anfang meiner Karriere, erhalte aber schon Einblicke in verschiedenste Forschungsfelder», erklärt sie begeistert. «Ich wünsche mir, dass ich auch in Zukunft verschiedene Projekte gleichzeitig mitverfolgen kann.»

Ihr Projekt am Lab ist innovativ, zeigt das Potential von 5G, und eignet sich sehr gut als Showcase. «Dies ist ein gutes Beispiel für die Art von Projekten, die wir im Digital Lab entwickeln», erklärt Guillermo Barrenetxea.



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Meryem Wehbe, Praktikantin am Digital Lab und Master-Studentin in Elektroingenieurswissenschaften an der EPFL



Kollaboration mit Maschinen

Claudiu Musat, Research Director Artificial Intelligence und Machine Learning Group von Swisscom, beschäftigt sich im Lab dagegen mit künstlicher Intelligenz für unstrukturierte Daten – also Text, Sprache und seit kurzem auch Bilder. «Möchtest Du eine ganze Liste?!», fragt er scherzend, ehe er besonnen und ausführlich zu erklären beginnt. Unter den vielen Projekten finden sich unter anderem Lösungen zur Textzusammenfassung. Oder Chatbots, die Aufgaben aufgrund verschiedener Parameter ausführen können, etwa Flüge oder Sitzungsszimmer buchen, wo Uhrzeiten, Personenanzahl oder Ortsangaben zusammengetragen werden müssen.



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Claudiu Musat, Research Director Artificial Intelligence und Machine Learning Group bei Swisscom



Den Teamgeist halten die Forschenden auch ausserhalb der Arbeitszeiten aufrecht: «Wir gehen freitags immer etwas trinken», sagt Musat. Mit diesem Zusammenhalt etwas bewegen zu können, ist für ihn und die Forschenden am Digital Lab der eigentliche Ansporn.

Der Paradigmenwechsel, den AI für Kommunikation einläutet, ist dabei beispielhaft: «Ob wir Feuer mit zwei Stöcken machen oder einen Computer bedienen – wir mussten uns immer den Maschinen anpassen», erklärt Musat nachdenklich. «Nun nimmt uns die Maschine endlich triviale Aufgaben ab, ohne dass wir den ersten Schritt tun müssen. Es ist toll, dass wir hier im Digital Lab aktiv dazu beitragen können.»


Förderung digitaler Transformationsprojekte

Im Rausch der Technik ist das Labor auch ein Ort für schnelle Prototyping-Sessions und Innovations-Workshops.

«Kundenzentrierte Entwicklung kommt vor Technologien», erklärt Laurène Fleury, die einen Ideenworkshop mit einer Privatbank und zehn Millennials veranstaltete. Mit dem rasanten technologischen Wandel hat diese Generation Konsumgewohnheiten entwickelt, die sich stark von denen älterer Jahrgänge unterscheiden. «Ziel dieses Workshops ist es, Einblicke in die Denkweise der Millennials zu gewinnen, welche zukünftige Privatbankkunden repräsentieren, wie diese Personen Finanzdienstleistungen nutzen und Geld wahrnehmen und welche Rolle eine Privatbank für sie spielen kann. Dieses Wissen wird unseren Kunden helfen, ihre Strategie in neue Richtungen voranzutreiben, insbesondere im digitalen Bereich», sagt sie.



Laurène Fleury, Community Lead, User Experience Consultant und eine der Gründerinnen des Digital Lab

Laurène Fleury, Community Lead, User Experience Consultant und eine der Gründerinnen des Digital Lab



IoT im Digital Lab erleben


Ab dem 15. Februar 2018 verfügt das Digital Lab über ein IoT Experience Center. Swisscom bietet Kunden, Partnern und Entwicklern damit eine Plattform, um Technologien und Möglichkeiten rund um das Internet der Dinge kennenzulernen, zusammen Ideen zu entwickeln und verschiedene neue Technologien vor Ort zu testen. Swisscom unterstützt mit ihrer IoT-Expertise in verschiedenen Formaten wie Bootcamps, Techie Tuesdays und Events.

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