Innovationen: Hackathon





Programmiermarathon

Von der Idee zum Prototyp in 40 Stunden


Wenn sich die junge, kreative Programmierszene an Hackathons trifft, bringt sie innert kurzer Zeit umsetzbare Ideen hervor. Auch firmenintern sind sie ein effizientes Innovationswerkzeug – sofern richtig aufgegleist.


Claudia Bardola




Hunderte von jungen IT-Cracks – zumeist Studenten – , die während 20 und mehr Stunden ohne Pause tausende von Code-Zeilen schreiben bis Tastaturen und Köpfe rauchen und dabei funktionstüchtige Prototypen von mobilen Apps, Online-Anwendungen, Webseiten oder anderer Software entwickeln: Das Phänomen Hackathon, in den USA seit gut einer Dekade populär, schwappt zunehmend auch nach Europa über.

 

Kein Wunder, hat sich doch die Erkenntnis durchgesetzt, dass an solchen Veranstaltungen ein enormes Kreativitätspotenzial freigesetzt wird und in extrem kurzer Zeit aus vagen Ideen in funktionierende Produkte entstehen.

 

Auch in der Schweiz liegen die Code-Festivals im Trend: So stellten im vergangenen Jahr beispielsweise rund 30 Kulturinstitutionen Datensätze aus ihren Sammlungen für einen Kultur-Hackathon zur Verfügung, die Börsenbetreiberin SIX suchte im Frühjahr nach Ideen für intelligente Finanz-Apps und am Arkathon im Wallis wurde kürzlich gemeinschaftlich an Lösungen getüftelt, die Gesundheitsfachleuten das Leben künftig leichter machen sollen.

 

Der grösste Programmiermarathon der Schweiz und sogar Europas ist der HackZurich, der heuer im Oktober zum zweiten Mal stattfindet. Hier kommen die rund 500 besten Programmierer, Designer und Datenspezialisten aus der ganzen Welt zusammen, um in zwei- bis vierköpfigen Teams, die sich vielfach erst vor Ort formieren, ihre Programmier- und Innovationskraft zu messen. Ziel ist es dabei, innerhalb von 40 Stunden einen funktionieren Prototypen auszuarbeiten.

 

Im Gegensatz zu anderen Hackathons, an denen meist an einer vorgegeben Problemstellung gearbeitet wird, können die IT-Talente am HackZurich frei werkeln, wie Jonathan Isenring, Co-Leiter und Mitgründer der Veranstaltung ausführt: «Es erlaubt eine gewisse Breite und es stärkt die Innovationskraft, wenn verschiedene Interessensgruppen zusammenkommen. Deshalb können die Entwickler am HackZurich an ihren eigenen Ideen arbeiten, solange sie neu sind. Wir inspirieren sie aber mit verschiedenen Themenvorschlägen und mithilfe unserer Sponsoren».


«Bei internen Hackathons können in einem unterhaltsamen, motivierenden Rahmen Ideen aus den Köpfen der Mitarbeiter befreit werden.»


Letztere stellen dafür etwa ihre Technologien, Datensätze, Schnittstellen oder ihr Know-how in Form von Mitarbeitern zur Verfügung, die den Programmierern zur Seite stehen. Im Gegenzug erhalten sie von den Teilnehmern wertvollen kreativen Input, können Recruiting-Chancen wahrnehmen und sich als innovativer Arbeitgeber positionieren. «Dies aber alles in Massen», stellt Isenring klar und ergänzt: «Wir wollen weder Stellenbörse noch eine outgesourcte Entwicklungsplattform für Firmen sein. Aus diesem Grund bleiben die entwickelten Prototypen auch geistiges Eigentum der Teilnehmenden. Unser Ziel ist es, Inhalte zu bieten, neue Business-Fälle zu erarbeiten und Firmen untereinander sowie auch die Teilnehmer nachhaltig zu vernetzen und somit mehrwertbringende Formen der Zusammenarbeit zu ermöglichen.»



Günstig Ideen entwickeln mit internen Hackathons

Neben öffentlichen Programmiercontests wie dem HackZurich gewinnen hierzulande aber auch firmeninterne Hackathons an Beliebtheit, weiss Isenring. Er hat dieses Phänomen für sein Wirtschafts-Masterstudium an der Universität Zürich untersucht.

 

Solche internen Wettbewerbe sind ein valables Format, um in einem unterhaltsamen, motivierenden Rahmen Ideen aus den Köpfen der Mitarbeiter zu befreien und diese abseits des hektischen Daily Business schnell zu Prototypen auszuformulieren, zu testen, anzupassen und allenfalls weiterzuentwickeln.

 

Isenring hält aber fest: «Die Durchführung eines solchen Events ist keine Innovation per se. Ist der Contest nicht richtig aufgegleist, bringt er keinen Mehrwert für das Geschäft und wird zu einem schwarzen Loch für guten Ideen.»

 

Zu den Match-entscheidenden Faktoren gehören laut Isenring die Ressourcen, die den Teilnehmern vor und nach dem Ideen-Contest zur Verfügung gestellt werden. Zudem müsse das Design des Hackathons zwingend mit den strategischen Zielen des Unternehmens abgeglichen werden. Neben dem Commitment des Managements kommt aber auch dem Organisator eine zentrale Rolle zu: Kann er die richtigen Leute zusammenbringen? Ist er wirklich gut vernetzt?

 

Isenring empfiehlt im Weiteren, den Fokus nicht nur auf die Gewinner des Wettbewerbs zu legen: «Es lohnt sich genauer hinzuschauen. Unter Umständen steckt genau in jenen Teilnehmern, die vielleicht weniger beim Präsentieren ihrer Idee überzeugen konnten aber eine gute technologische Ausarbeitung hingelegt haben, das grösste Potenzial.»



HackZurich

Der HackZurich ist Europas grösster Hackathon und wurde bisher drei Mal durchgeführt. Die nächste Ausgabe findet vom 15. bis 17. September 2017 im Technopark Zürich statt. Die Veranstaltung gilt als ideale Plattform, die Entwickler, Start-ups und internationale Firmen untereinander vernetzt. Gegründet wurde HackZurich 2014 von Studenten der ETH und der Universität Zürich und wird vom Team ehrenamtlich als Non-Profit-Verein geführt.

Hackzürich


Alles über den HackZurich 2015 mit Programm, Siegerliste, Pressespiegel, Fotos und Videos.

Hackzürich 2015





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