Erfahrungsbericht geteilte Gesundheitsdaten

Monitoring mit digitalem Gesundheitsdossier

Höhere Lebensqualität, tiefere Kosten


Nur die Wenigsten teilen heute schon Gesundheitsdaten elektronisch mit ihrem Arzt. Wie einfach und nützlich so ein Austausch sein kann, untersucht derzeit eine Forschungsgruppe unter Leitung des Kantonsspitals St. Gallen.


Text: Roger Welti, Bilder: Keystone, 




Heute macht das Wetter Brigitte Schneider zu schaffen. Die Ostschweizerin leidet unter der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit COPD – wie rund 400'000 andere Menschen hierzulande. An gewissen Tagen bereite ihr das Atmen Schwierigkeiten und körperliche Anstrengungen seien kaum möglich, erzählt Schneider. Medikamente können die Symptome von COPD zwar lindern, eine Heilung der Krankheit ist aber nicht möglich. Umso wichtiger ist es, die Lebensqualität von Betroffenen so weit wie möglich zu verbessern – zum Beispiel dadurch, dass eine akute Verschlechterung des Gesundheitszustandes keinen Spitalaufenthalt nach sich zieht.


Digitalisierung ermöglicht innovativen Ansatz

«Ich bin überzeugt, dass der Einsatz von Telemedizin genau dazu beitragen kann», sagt Dr. med. Frank Rassouli, Oberarzt in der Pneumologie im Kantonsspital St. Gallen. Unter seiner Leitung führen fünf Schweizer und eine deutsche Klinik derzeit eine Studie mit bis zu 250 Teilnehmenden durch. Dabei wird das elektronische Gesundheitsdossier Evita für das Monitoring des Zustandes von COPD-Patienten eingesetzt. Mit dabei ist auch Brigitte Schneider: «Ich musste nicht lange überlegen, ob ich an der Studie teilnehme. Ich kann ja nur gewinnen – für mich und auch für andere COPD-Patientinnen.»


Sie und die anderen Studienteilnehmenden beantworten im Dossier Evita täglich Fragen zu ihrem Gesundheitszustand. In den beteiligten Spitälern laufen alle Informationen in Echtzeit zusammen. Weist ein Patient besorgniserregende Werte auf, wird er umgehend vom Studienteam kontaktiert. Die Behandelnden stellen ihm weitere Fragen zu seiner Verfassung und beraten ihn telefonisch. Das Ziel: Die Betroffenen werden rasch und nach Möglichkeit bei sich zu Hause versorgt. Notfallmässige Spitalaufenthalte werden dadurch vermieden – mit positiven Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten und die Kosten für die Gesellschaft. «Jeder vermiedene Notfalleintritt spart dem Gesundheitswesen einige tausend Franken», erklärt Studienleiter Rassouli.


Evita: Nicht nur etwas für Patienten

Das persönliche Gesundheitsdossier Evita eignet sich nicht nur für telemedizinische Einsätze. Es unterstützt Menschen generell, alle Informationen rund um ihre Gesundheit zu verwalten. Ob auf Reisen, bei einem Arztbesuch oder im Notfall: Mit Evita sind alle wichtigen medizinischen Informationen online griffbereit und können mit Ihren Verwandten, Freunden oder einem Arzt geteilt werden. Nutzer von Evita vergeben die entsprechenden Zugriffrechte persönlich und individuell. Alle Daten in Evita werden sicher übertragen und verschlüsselt gespeichert.

Fragebogen für COPD-Patienten in Evita


Mehr Sicherheit und Wissen

Damit die Nutzung des elektronischen Gesundheitsdossiers auch für ältere COPD-Patienten möglichst einfach ist, wurde Evita speziell auf die Bedürfnisse der Studie und deren Teilnehmenden angepasst. Mit Erfolg. «Das tägliche Ausfüllen des Online-Fragebogens ist in der Handhabung einfach und wird rasch zur Routine», sagt Brigitte Schneider. «Der enge Austausch mit dem Ärzte-Team gibt mir Sicherheit und erhöht meine Lebensqualität.»


Auch die beteiligten Mediziner sind vom elektronischen Gesundheitsdossier überzeugt. «Unsere Patienten schätzen den einfachen und intensiven Kontakt zu uns über Evita», sagt Frank Rassouli. Er stellt zudem einen wertvollen Nebeneffekt fest: «Die tägliche Auseinandersetzung mit ihrer Krankheit steigert bei den Patienten die eigene Kompetenz und das Wissen zu COPD.» Fachleute sind überzeugt, dass die Stärkung der Selbstverantwortung und der Gesundheitskompetenz der Betroffenen einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf haben.



Studienleiter Frank Rassouli


Weitere Teilnehmende gesucht

Noch bis Ende 2017 werden weitere Betroffene in die Studie eingebunden. Jeder Patient nimmt während eines Jahres an der Studie teil. Sechs Monate lang wird er mit den heute üblichen Betreuungsmethoden ohne telemedizinische Überwachung versorgt. In den anderen sechs Monaten kommt das elektronische Gesundheitsdossier zum Einsatz. Ende 2018 werden die Erkenntnisse zu allen Teilnehmenden ausgewertet. Wenn das Telemedizin-Monitoring bei COPD-Patienten nachweislich zu mehr Lebensqualität und weniger notfallmässigen Spitaleintritten führt, ist eine Ausdehnung des Einsatzes von Evita für solche Zwecke geplant.




Sechs Kliniken mit an Bord


Insgesamt sechs Kliniken nehmen an der wegweisenden Telemedizin-Studie mit COPD-Patienten teil:

  • Klinik für Pneumologie/Schlafmedizin am Kantonsspital St. Gallen (Studienleitung)
  • Universitätsspital Basel
  • Universitätsspital Zürich
  • Kantonsspital Münsterlingen
  • Kantonsspital Glarus
  • Fachkliniken Wangen im Allgäu

In allen Regionen werden weitere Teilnehmende gesucht. Informationen zur Studie finden Sie hier.





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