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Health Apps im Fokus





Trendscout

Health-Apps: The Good, the Bad and the Ugly


Im Zeitalter des Gesundheitswahns werden jährlich Milliarden von Health-Apps heruntergeladen. Einige davon machen Sinn, die meisten dienen der reinen Selbstunterhaltung, manche sind echt gesundheitsgefährdend. So oder so markieren sie aber erst den Anfang.


Beat Hochuli, 




Leiden Sie unter Zahnschmerzen? Oder unter Schläfrigkeit? Oder gar unter Schlaflosigkeit? Fühlen Sie sich gestresst oder haben Sie eine unreine Gesichtshaut? Was auch immer Sie quält, einschränkt und stört – mit der Shiatsu-Massage-App «Asian Health» können Sie das Problem locker aus der Welt schaffen. Das Programm offeriert Ihnen für jedes Leiden die richtigen Akupressur/Akupunktur-Punkte – jederzeit und überall! Sie müssen dann nur noch richtig drücken oder sich drücken lassen.


Big, Big Business ...

So weit, so gut – oder eben ungut. Mittlerweile sind in den gängigen App-Stores über 100’000 sogenannt gesundheitsfördernde Mobilprogramme erhältlich. Und gemäss einer Studie der Marktforscher von Global Information sollen derartige Apps in zwei Jahren weltweit 26 Milliarden Dollar Umsatz generieren. Das ist kein Pappenstiel. Das ist Big Business – für Pharmakonzerne, für Gadget-Hersteller – und natürlich für die App-Produzenten selber. Und was bitte soll daran schlecht sein? Schliesslich dient das alles doch unserem höchsten Gut, der Gesundheit!

Beat Hochuli

ist freischaffender ICT-Journalist und lebt in Kota Kinabalu, Sabah, Malaysia.


In fünf oder sechs Jahren wird praktisch jeder Erdenbürger imstande sein, mithilfe von mobilen Geräten seinen gesamten Organismus zu überwachen und zu kontrollieren – bis hin zu Röntgen-«Selfies».


Grundsätzlich ist festzuhalten: Es stimmt, dass brauchbare Health-Apps das Gesundheitswesen verbessern, den Patienten mehr Individualbetreuung bescheren und auch helfen den horrenden Kostenüberhang abzubauen. Sinnvolle Beispiele gibt es bereits jetzt viele. Auswertungen von Google-Abfragen können Epidemien in Echtzeit erkennen und Big-Data-Analysen von Sensordaten können Diagnosen erstellen. Dazu kommen Matching-Dienste. So soll etwa hier in Asien die App für das Blood Donors Network in den Philippinen gewährleisten, dass Unfallopfer und Notfallpatienten vor allem in ländlichen Gegenden so schnell wie möglich mit Blut versorgt werden.


... bis hin zum Röntgen-«Selfie»

Und das ist erst der Anfang. Denn in fünf oder sechs Jahren wird praktisch jeder Erdenbürger imstande sein, mithilfe von mobilen Geräten seinen gesamten Organismus zu überwachen und zu kontrollieren – bis hin zu Röntgen-«Selfies». Gegenwärtig arbeitet ein Team von Ingenieuren an der University of California in Los Angeles an der Entwicklung eines Geräts im Smartphone-Format, das Röntgenstrahlen generieren kann. Und auch die jüngst bekannt gewordene Partnerschaft des Schweizer Pharma-Konzerns Novartis mit der US-amerikanischen Mobiltechnologie-Spezialistin Qualcomm steht ganz im Zeichen von «Digital Health». Zu diesem Zweck haben die beiden Unternehmen einen Investitionsfonds im Umfang von hundert Millionen Dollar angekündigt.


Unterhaltung kann tödlich sein

Diese Beispiele zeigen, in welche Richtung der Health-App-Trend gehen sollte – und in welche nicht. Mit den Gesundheitsbehörden, den Spitälern und den Ärzten vernetzte App-Dienste sind mit Sicherheit zu begrüssen.


Diese Apps stellen aber gegenwärtig die überwältigende Mehrheit dar. Glücklicherweise werden sie auch hauptsächlich von Fitnessfanatikern und unverbesserlichen Hypochondern quasi als Freizeitunterhaltung genutzt. Dagegen ist kein Kraut gewachsen und auch nichts einzuwenden. Fatal wird es hingegen, wenn schwer Herzkranke einer «Blutdruckmessungs-App» vertrauen, die innerhalb weniger Minuten die unterschiedlichsten Werte anzeigt. Und noch gefährlicher wird es dann, wenn Kranke aufgrund dubioser App-Resultate Selbstdiagnosen stellen – und zur Selbstmedikation schreiten. Zahlreiche Ärzte haben bereits kundgetan, was sie von solchen billigen, aber dennoch nicht kostenlosen Scharlatan-Apps halten: «Sie können Sie sehr schnell in die Notfallstation bringen – oder auch direkt ins Grab!»








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