Adrian Schmid (Leiter e-Health Suisse) zum elektronischen Patientendossier

Einführung elektronisches Patientendossier

«Einen gewissen Druck aufzusetzen, erhöht die Erfolgschancen»


2017 tritt das Bundesgesetz zum elektronischen Patientendossier in Kraft. Wer sich darüber freut und wo noch Widerstand herrscht, weiss Adrian Schmid, Leiter eHealth Suisse.


Text: Roger Welti, 




Seit einiger Zeit wird über das elektronische Patientendossier (EPD) debattiert. Was genau bringt uns das Jahr 2017 in dieser Sache?


Adrian Schmid: Nach rund einem Jahrzehnt der Konzeptarbeit und der Diskussion rechtlicher Fragen machen wir nun den Schritt in die Umsetzung – und zwar flächendeckend in der ganzen Schweiz und nicht mehr nur in einzelnen Regionen. Bis jede und jeder von uns ein eigenes Dossier eröffnen kann, wird es aber noch etwas dauern.


Hierzu muss zuerst das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) in Kraft treten. Wie weit ist der Bundesrat damit?


Das Gesetz wurde im Parlament bereits vor zwei Jahren mit deutlicher Mehrheit angenommen. Derzeit werden die Verordnungen nach der Vernehmlassung bereinigt. Die Kollegen im Bundesamt für Gesundheit gehen davon aus, dass der Bundesrat das Gesetz im Frühjahr 2017 in Kraft setzt. Dann haben wir die rechtlichen Grundlagen für die nachhaltige organisatorische und technische Umsetzung des EPD.


Nicht alle Akteure im Gesundheitswesen sind so Feuer und Flamme für das EPD wie Parlament und Bundesrat. Wie gross ist der Widerstand?


Es ist sicher so, dass nicht alle Regionen und Akteure gleich gut auf die nun folgende Umsetzungsphase vorbereitet sind. Es hatten aber alle genug Zeit hatten, sich auf diesen Moment vorzubereiten. Viele haben auch richtiggehend auf ihn gewartet.


Und wann kann ich als Bürger endlich mein eigenes EPD eröffnen?


Das EPD ist ein nationales Vorhaben, das aber in den Kantonen umgesetzt wird, die in der Schweiz ja für die Gesundheitsversorgung zuständig sind. Das heisst: Wann Sie ein EPD eröffnen können, hängt davon ab, wie intensiv Ihr Wohnkanton oder Ihre Versorgungsregion die Umsetzung des EPD vorantreibt. In gewissen Kantonen sind die Voraussetzungen hierzu schon zu rund 80 Prozent erfüllt. In anderen Regionen wartete man bisher eher ab. Bis das EPD in mindestens zwei Regionen eingeführt ist und diese über zentrale Abfragedienste vernetzt sind, dürfte es wohl noch bis Mitte 2018 dauern.




«Mit dem EPD erhalten die Patienten eine konkrete Lösung für ein alltägliches Bedürfnis.»


Wollen Herr und Frau Schweizer überhaupt ein EPD?


Für die Bevölkerung ist das Thema heute sicher noch relativ weit entfernt. Unsere Erfahrung zeigt aber, dass das Interesse gross ist, wenn man das Potenzial des EPD für den Einzelnen und unser gesamtes Gesundheitswesen aufzeigt. Wo überall sind meine Gesundheitsdaten heute? Warum kann ich nicht jederzeit auf sie zugreifen? Das sind Fragen, die sich Patienten zunehmend stellen. Mit dem EPD erhalten sie eine konkrete Lösung für ein alltägliches Bedürfnis.


Nach Inkrafttreten des EPDG müssen Spitäler ihren Patienten innert drei, Heime innerhalb von fünf Jahren ein EPD anbieten. Warum braucht es diesen gesetzlichen Druck?


Erstens hat die Einführung des EPD nicht nur eine technische Seite. Es geht auch sehr stark um die Kultur und Organisation der Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern im Gesundheitswesen und den Patienten. Kulturen zu verändern ist immer herausfordernd und nicht nur angenehm. Hier einen gewissen Druck aufzusetzen, erhöht die Erfolgschancen.


Und zweitens?


Zweitens erhoffen wir uns, dass Spitäler und Heime bei ihren Patienten und Bewohnern das Interesse am EPD wecken und diese wiederum ihre Erwartung an Hausärzte und Apotheken zum Ausdruck bringen, sich an der Verbreitung des EPD zu beteiligen. Denn die ambulanten Versorger sind gesetzlich nicht verpflichtet, ihren Patienten ein EPD anzubieten.


Hausärzte sind nicht bekannt für einen hohen Digitalisierungsgrad in ihren Praxen. Werden sie die Verbreitung des EPD behindern?


Davon gehe ich nicht aus. Der Erfolg des EPD hängt von einer möglichst grossen Zahl von Nutzern ab – in der Bevölkerung und im Gesundheitswesen. Darum muss es für alle im Alltag möglichst praktikabel sein. Bei der Ausgestaltung der konkreten technischen Lösung müssen darum alle einbezogen werden. Die Bedürfnisse von Hausärzten oder Apothekern fliessen dabei ebenso ein wie jene anderer Akteure.






Kanton Zürich: Alle Akteure mit im Boot


Der Kanton Zürich setzt bei der Einführung des EPD auf das Mitwirken möglichst vieler Akteure. Gemeinsam entwickeln öffentliche Hand, Spitäler, Heime, Ärzteschaft, Apotheken und Spitex sowie Patientenvertreter die notwendige Vernetzungs- und Kommunikationslösung um. So wird sichergestellt, dass diese auch den Bedürfnissen der späteren Nutzer entspricht.

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