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Kolumne: Wie gesund sind digitalisierte Spitäler?



Gesünder mit E-Health


Kolumne

Gesünder mit E-Health


Ja, Telemedizin, digitale Spitäler und Roboterärzte sind gut für unsere Gesundheit. Davon ist unser Autor überzeugt.


Michael Kurzidim (Illustration: Lisa Schweizer), 




Niemand ist gerne krank. Besser reich und gesund als arm und krank, so lautet die gängige Volksweisheit. Keiner wird da widersprechen wollen. Eine optimale Gesundheitsfürsorge zu gewährleisten wird aber, dank gewaltiger Fortschritte in der Medizin, immer anspruchsvoller, und leider auch immer teurer. Steuern wir demnächst auf eine Mehr-Klassen-Medizin zu, Top-Qualität für die einen, Basisversorgung für die anderen? Nein. Digitale E-Health-Technologien werden uns dabei helfen, das Dilemma zwischen ausufernden Kosten und medizinischer Qualität in den Griff zu bekommen. Drei Beispiele.


Telemedizin - der digitale Hausarzt

Medgate mit Hauptsitz in Basel betreibt das grösste telemedizinische Zentrum Europas. Patienten melden sich bei Beschwerden per Telefon, per Internet oder über das Videosystem von über 200 Schweizer Apotheken beim behandelnden Arzt. Fotos etwa von Haut- oder Augenveränderungen werden vorab, entweder via Mail oder mithilfe der Medgate-App, eingesandt. Danach erstellt einer der hundert Medgate-Ärzte zusammen mit dem Patienten die Diagnose und bespricht Therapievorschläge. Besonders für ältere Patienten in ländlichen Regionen, denen der Arztbesuch zu beschwerlich ist, bedeuten telemedizinische Dienste eine echte Erleichterung. Medgate zählt mittlerweile bis zu 4900 Telekonsultationen pro Tag.


Das digitalisierte Spital

Cardiance in Pfäffikon ist die erste voll digitalisierte Herzklinik der Schweiz. Kathetereingriffe werden ambulant durchgeführt. Vielen Patienten ist es angenehmer, nach dem Eingriff nach Hause gehen zu können und in vertrauter Umgebung zu genesen. Das Spital wiederum kann dadurch mehr Patienten versorgen. Ein Beispiel aus Deutschland: Die Charité in Berlin setzt schnelle Analyse-Technologie in der Krebsbehandlung ein. Software vergleicht Tausende von Patientenhistorien und findet dadurch die für einen Einzelpatienten vielversprechendste Therapie. Der Charité gelingt dadurch die berühmte Quadratur des Kreises. Krebsbehandlungen werden gleichzeitig kostengünstiger und erfolgreicher.

Michael Kurzidim

schreibt seit acht Jahren für Computerworld, ist begeistert von neuen Technologien und davon überzeugt, dass Technik die Welt zu einem besseren Ort macht. Er ist seit 25 Jahren ICT-Journalist. Ursprünglich ist Michael Software-Entwickler und hat einen Master in Philosophie und Germanistik/Linguistik. Privat ist er leidenschaftlicher Cineast, liebt die Schweizer Berge und ist im Sommer am liebsten in den Badis am Zürisee. Ausserdem ist er Fan vom Bundesligaclub Borussia Mönchengladbach.


Steuern wir auf eine Mehr-Klassen-Medizin zu, Top-Qualität für die einen, Basisversorgung für die anderen? Nein, dank E-Health-Technologien nicht.


Roboterärzte

Werden wir bald voll automatisiert von Roboterärzten behandelt werden? Viele Patienten reagieren darauf mit einem ausgeprägten Angstreflex. Auf keinen Fall, eine solche Blechbüchse lasse ich nicht an mich heran. Experten aber geben zu, dass ein Roboter oftmals präziser operiert als ein Mensch. Der Medizin-Roboter Da-Vinci etwa führt Nieren-OPs, Darmkrebs- und Prostatakrebs-Operationen durch. Gesteuert wird er allerdings immer noch von einem Menschen. Die Mediziner unterscheiden zwischen roboterassistierter Chirurgie und vollautomatisierten Systemen. Der autonom operierende Roboter hat sich – bislang – noch nicht durchgesetzt.


Die digitale Revolution

Die digitale Revolution macht auch vor der Medizin nicht halt, und wir alle – Ärzte, Spitäler, Krankenkassen und Patienten – können davon profitieren. Voraussetzung dafür ist aber, dass sämtliche Patientendaten in digitalisierter Form vorliegen. Und an dieser Stelle liegt der Hase im Pfeffer, sagen die Datenschützer. Um dem gläsernen Patienten vorzubeugen, hat deshalb das Parlament ein Bundesgesetz zum elektronischen Patientendossier verabschiedet, das 2017 in Kraft treten soll. Die Patientin oder der Patient erhält die volle Kontrolle über die Daten, kann Zugriffsrechte an Ärzte, Krankenkassen und Spitäler vergeben, oder verweigern. Datenmissbrauch ist dadurch – theoretisch – gänzlich ausgeschlossen.





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