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Porträt Christian Stammel - Wearable Technologies





Porträt

Mr. Wearable


10'000 Wearable-Profis sind in seiner Community. Mitglied wird man nur auf Einladung: Christian Stammel, CEO der B2B-Plattform «WT -Wearable Technologies» prägt wie kein anderer die Szene.


Christian Stammel, 




«Der Markt der Wearables wächst jedes Jahr im zweistelligen Bereich, bereits heute sind rund 150 Millionen Produkte im Umlauf». Der sportliche Münchner, der Zahlen wie Pfeile abschiesst, ist Christian Stammel, der «Mr. Wearables» der Szene und der wohl wichtigste Netzwerker der Branche weltweit. Stammel macht den Eindruck eines Rennfahrers, der in der Pole-Position steht und es kaum erwarten kann, loszulegen mit dem Interview.


Was er dann auch tut. Mit Verve. Erstmal die Definition: Wearables sind nicht nur einfach Tracker am Handgelenk: «Wir haben sehr früh das Wording ausgeweitet: In der Nähe des Körpers, am Körper und im Körper», so die Definition Stammels. Go Pro, die Helmkamera – nach dieser Definition ein Wearable, das auch den ersten Dollarmilliardär «in unserer Szene» hervorbrachte. Auch intelligente Implantate gehören damit zu den Wearables.


Handverlesene Mitglieder

2006 gründete Stammel die B2B-Plattform «WT» Wearable Technologies in München, inzwischen gibt es auch eine WT Wearable Technologies Inc. in San Francisco. «Wir haben drei Standbeine: Konferenzen, Messen und Consulting», erklärt Stammel. In die Community werden ausschliesslich handverlesene Mitglieder aufgenommen, «da kommt man nur auf Einladung rein», betont Stammel. Mit 10’000 Mitgliedern ist es die grösste und wichtigste Wearables-Community der Welt. Wer in dieser Branche weiterkommen will, muss da rein. «Wir vernetzen die Unternehmen miteinander, sorgen dafür, dass die richtigen Leute zusammenkommen, und daraus entsteht dann oft ein neues Produkt oder eine neue Idee». Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette tummeln sich heute in diesem Ökosystem, was WT Wearable Technologies zur weltweit grössten und wichtigsten Plattform der Szene macht. Und mitten drin Christian Stammel, der um die Welt reist, ein begehrter Keynote-Speaker ist, die richtigen Leute und Unternehmen auf allen Kontinenten zusammenbringt und eine Nase für die Zukunft hat.

Christian Stammel

Christian Stammel ist Jahrgang 1969, verheiratet, Vater von 2 Töchtern im Alter von 4 und 8 Jahren, begeisterter Segler und Windsurfer von Kindesbeinen an. Er wohnt in München.


«Stammel denkt immer in Richtung Realisierung von innovativen Ideen und hat dabei einen sehr unternehmerischen Geist.»


Dr. Manfred Krischke, CEO CloudEO AG


«Riding the Wave» war für Stammel schon immer das Lebensmotto, nicht nur in sportlicher Hinsicht: Stammel ist begeisterter Windsurfer. Aufgewachsen ist er in einer gut situierten, sehr technik-affinen Unternehmerfamilie: «Wir hatten vermutlich eine der ersten Videokameras in Deutschland und auch sehr früh Handys, mein Vater war fasziniert von neuen Technologien». Das hinterliess Spuren beim Sohn. Er absolvierte zwar ein Betriebswirtschaftsstudium und arbeitete fünf Jahre im Familienbetrieb, der auf eine 150jährige Tradition zurückblickt, aber seine Leidenschaft lag schon damals woanders. Er gründete während des Studiums zwei Firmen, stieg 1993 ins Dialogmarketing ein und entdeckte das Internet. Sein Unternehmen wandelte sich schnell zur New Media Agentur, 2000 kam der Börsengang und die Zukunft versprach Millionen. Mindestens. Allerdings platzte 2001 die Blase und Stammel trennte sich von seiner ersten Firma. Noch heute schwingt leises Bedauern mit, wenn er von dieser Zeit erzählt. Hätte das damals etwas besser geklappt, wäre er heute wohl ein steinreicher Investor.



1/5 Das bisher erfolgreichste Wearable: Die GoPro, die auf dem Kopf oder am Körper getragen wird und so Sportaufnahmen aus der Ego-Perspektive ermöglicht. Das erste Modell, die Hero 35mm, wurde 2004 lanciert und avancierte zum absoluten Erfolgsmodell. Ab April 2016 wird GoPro das Angebot allerdings erstmals reduzieren, weil die Verkäufe der Einsteigermodelle eingebrochen sind.

2/5 Recon Instruments entwickelt ein «GPS Micro Optic Display» für Skibrillen und neu auch für Velofahrer. Während der Fahrt erhält man verschiedene Daten wie Tempo, Höhe, Temperatur oder Position direkt auf die Brille. Apps erlauben die Auswertung der Daten am Handy oder am PC.

3/5 Das Wearable von Protheus ist eine Kombination aus Datenpflaster und Pille. Das Pflaster überwacht die üblichen Vitalfunktionen, aber auch, ob das Medikament tatsächlich eingenommen wurde. Interessant: Die Pille produziert die nötige Energie für den «Funkspruch» ans Pflaster aus der Reaktion mit der Magensäure.

4/5 Das Wearable von Cur greift auf eine bekannte Technologie zurück: Schmerzbekämpfung mit elektrischen Impulsen. Das Neue daran: Das Pflaster ist klein und unauffällig. Es kann unter den Kleidern getragen werden und wird bei Bedarf per Knopfdruck aktiviert. So sollen beispielsweise Rücken- oder Nackenschmerzen schnell bekämpft werden können.

5/5 Das Wearable «Free Style Libre» von Abbott bringt für Diabetiker eine grosse Erleichterung: Mit einem einfachen Pflaster und dem dazugehörigen Messgerät können die Blutzuckerwerte einfach und schnell kontrolliert werden – ohne Blutentnahme. Das regelmässige Stechen in den Finger entfällt.

1/5 Das bisher erfolgreichste Wearable: Die GoPro, die auf dem Kopf oder am Körper getragen wird und so Sportaufnahmen aus der Ego-Perspektive ermöglicht. Das erste Modell, die Hero 35mm, wurde 2004 lanciert und avancierte zum absoluten Erfolgsmodell. Ab April 2016 wird GoPro das Angebot allerdings erstmals reduzieren, weil die Verkäufe der Einsteigermodelle eingebrochen sind.


2002: T-Shirt mit EKG

Aber Stammel wäre nicht Mr. Wearables, was für die ganze Szene ein Verlust wäre. Er stürzte sich ins nächste Abenteuer, gründete die nächste Firma und bewies einmal mehr sein sicheres Gespür für wichtige Trends. Er setzte auf GPS-Lokalisierung, damals neu und aufregend, arbeitete mit der Europäischen Raumfahrtbehörde zusammen und kam in dieser Zeit aufs Thema Wearables. Als angefressener Sportler war er immer auf der Suche nach der Verbindung seiner beiden Leidenschaften: Sport und Technik. Stammel hatte bereits 2002 die Idee, ein EKG-Messgerät in ein T-Shirt zu integrieren und aus dem Medizingerät ein Lifestyle-Gerät für Sportler zu machen. Das war zwar auch kein durchschlagender Erfolg, doch der Weg in die Wearables-Szene war vorgezeichnet. «Mit unserer Idee waren wir zu früh, klar. Aber ich wusste, dass sich Wearables durchsetzen würden».


Dr. Manfred Krischke, CEO von CloudEO AG und langjähriger Weggefährte von Christian Stammel charakterisiert ihn so: «Christian ist extrem aufgeschlossen gegenüber seinen Gesprächspartnern, neuen Ideen und unkonventionellen Ansätzen. Er denkt immer in Richtung Realisierung von innovativen Ideen und hat dabei einen sehr unternehmerischen Geist». Und: «Mit ihm kann man viel Spass haben». Spass ist ein Wort, das öfters fällt. Es muss spannend sein, neu, interessant. Dann blüht Stammel auf. Bei Fragen zum Datenschutz - Wearables werden immer öfter im Medizinbereich eingesetzt – kommt die Antwort prompt «Darüber reden wir in der Internetbranche seit 1995»! Meint: Langweilig, nicht neu, klar, muss sein. Auf mein Nachhaken glänzt Stammel mit einer differenzierten Meinung. Er ist kein Hurra-Techi, sondern sieht durchaus auch die Herausforderungen. Aber: «Wir sollten nicht immer nur von den Gefahren reden, sondern auch von den Möglichkeiten». 


Fan der Schweiz

Möglichkeiten sieht er viele – und überraschenderweise steigt seine an sich schon grosse Begeisterung noch, als wir auf die Schweiz zu sprechen kommen. «Die Schweiz ist ein Phänomen! An unserem von Swisscom seit 4 Jahren gesponserten IoT / M2M Innovation World Cup nehmen 400 Firmen aus 58 Ländern teil. Zwei Firmen aus der Schweiz schafften es in 2016 ins Finale». Er zückt eine Broschüre, zeigt die Finalisten der letzten Jahre, weist auf die vielen Schweizer Firmen hin und ich kriege den Eindruck: Das ist nicht nur die Höflichkeit dem Besucher gegenüber, der meint das tatsächlich so.


«Die Schweiz ist ein Phänomen.»


Christian Stammel über die Innovationskraft der Schweiz


Jetzt startet er sein Notebook, zeigt weitere Zahlen, zuerst zum Award, dann zum Wearables-Markt, erklärt, dass gerade im Gesundheitsbereich ein gewaltiges Wachstum auf uns zukommt, öffnet eine weitere Grafik, zeigt begeistert auf Logos, Zahlen und Kurven und sagt: «Darüber könnte ich stundenlang reden». Was er dann auch tut. Zum Glück.





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