Elektronisches Patientendossier

Umsetzung nimmt Formen an 

EPD: den Anschluss nicht verschlafen


Bis 2020 müssen alle Schweizer Spitäler ihren Patienten ein elektronisches Patientendossier (EPD) anbieten können. Ein Blick nach Basel, wo schon jetzt die ersten myEPD eröffnet werden, zeigt: Die Herausforderungen für Kliniken und Heime sollten nicht unterschätzt werden.


Text: Martin Bruderer und Eva Definti, 19




Die Schweiz will die Digitalisierung im Gesundheitswesen stärker vorantreiben. Ein Mittel hierzu ist das EPD für Patienten, in dem persönliche Gesundheitsinformationen durch den Dossierinhaber sowie behandlungsrelevante Dokumente aus den Gesundheitseinrichtungen gesammelt werden. Im Universitätsspital Basel (USB) bieten vorerst ausgewählte und schon bald alle Kliniken den Schweizer Patienten die Eröffnung eines EPD an. Dies geschieht im Rahmen des sogenannten «EPD-Pilot Nordwestschweiz». Dabei setzen Gesundheitseinrichtungen der drei Kantone Basel-Stadt, Basel-Land und Solothurn das EPD auf kantonalrechtlicher Basis vorwirkend unter dem Namen myEPD um und streben baldmöglichst die Zertifizierung gemäss Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) an.


Nordwestschweiz leistet Pionierarbeit

Das EPDG gibt zwar einiges vor, viele Details sind aber nicht ausformuliert oder genau definiert. So sieht das EPDG zum Beispiel vor, dass Dokumente nicht nur einzeln und händisch, sondern auch maschinell und dadurch effizienter ins EPD hochgeladen werden können. Wie das technisch im Detail gelöst werden soll, wird aber den umsetzenden Organisationen überlassen. Dieser und weitere Aspekte müssen zwingend adressiert, diskutiert und entschieden werden, wenn man an die Umsetzung des EPD geht. Die Projektorganisation des Trägervereins eHealth Nordwestschweiz hat als First Mover daher zahlreiche solcher vom EPDG nicht abschliessend beantworteten Fragen für ihr Pilotprojekt klären müssen. Dies gelang teils in Eigenregie. Gewisse für die EPD-Umsetzung höchst relevante Aspekte wurden aber auch (zum ersten Mal überhaupt) direkt beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) adressiert, um sie grundlegend zu klären.


Technischer Leitfaden beantwortet viele Fragen

Die geleistete Pionierarbeit kommt Gesundheitseinrichtungen zugute, die sich in der Region Nordwestschweiz dem myEPD anschliessen wollen. Sie werden kompetent beraten von einer Gruppe von Spitälern, die beim EPD vorangehen. Mehr noch: Neben vielen organisatorischen Hilfestellungen wurde auch ein technischer Leitfaden entwickelt, in dem Spezifikationen auf konkrete Aufgaben heruntergebrochen und Aspekte exakt definiert werden, die im EPD nicht genügend genau definiert sind. Dieser technische Leitfaden steht als wertvolles Werkzeug Spitälern und Heimen zur Verfügung, die sich dem EPD auf Basis der Technologie von Swisscom anschliessen. Ein Anhang zum Leitfaden enthält zudem spezifische Vorgaben der jeweiligen Stammgemeinschaft, die ein EPD aufbauen und betreiben.


Testen, testen, testen

Das Testing der EPD-Umgebung und ihrer Prozesse sowie Dienstleistungen war sehr anspruchsvoll, und der dazu nötige Aufwandes wurde zunächst unterschätzt. Die umfangreichen Tests haben zum einen Dinge aufgezeigt, die in allen Bereichen der Lösungsfindung noch zu optimieren waren. Das betraf zum Beispiel die intuitivere Benutzerführung die Ergänzung von Anzeigeinhalten und die automatische Formatkonvertierung zur Vereinfachung des Dokumenten-Hochladens. Sie haben zum anderen aber auch komplexe spitalinterne Abhängigkeiten und Herausforderungen deutlich gemacht, die es zu beachten galt. So galt es, interne Support-Dienstleistungen für den Fall von Fachanfragen von myEPD-Kunden zu ergänzen und bestehende Kommunikationsinstrumente wie etwa die Aufgebotsschreiben anzupassen.

Nun steht in der Nordwestschweiz ein ausgereiftes EPD-Testsystem zur Verfügung, von dem alle Spitäler und Heime profitieren können, die sich dem myEPD anschliessen.


Der EPD-Zeitplan duldet keinen Aufschub

Gewisse Aspekte des myEPD werden in den nächsten Monaten noch ergänzt. So sind die «Zentralen Dienste» wie etwa das Verzeichnis der registrierten Gesundheitsorganisationen und Gesundheitsfachpersonen oder die von der zentralen Ausgleichsstelle zu vergebende Patientenidentifikationsnummer selbstredend noch nicht installiert. Und auch die Zertifizierung ist noch ausstehend. Nichts destotrotz: Der Terminplan des BAG zur EPD-Einführung ist fix. Daher gilt es für Spitäler und Heime in der ganzen Schweiz, nicht zuzuwarten, sondern den Anschluss ans EPD jetzt vorzubereiten und anzupacken. Auch wer die Budgets dazu noch nicht hat, kann viele konzeptionelle und fundamentale Vorbereitungsarbeiten unkompliziert einleiten.

Mehr zum EPD in der Nordwestschweiz:

> Trägerverein eHealth Nordwestschweiz

> myEPD

Dieser Beitrag ist erstmalig im Fachmagazin «Heime und Spitäler» vom Dezember 2018 erschienen.

Webinare zur EPD-Anbindung


Welche Fragen gilt es zu klären und welche Voraussetzungen zu schaffen für eine erfolgreiche EPD-Anbindung? Diese und weitere Fragen werden 2019 regelmässig in Webinaren zur EPD-Anbindung diskutiert und beantwortet.

> Zum kostenlosen Webinar-Angebot von Swisscom Health


Eva Definti

Eva Definti ist Projektleiterin bei Swisscom Health. Sie hat zahlreiche eHealth-Vorhaben erfolgreich umgesetzt und war auf der Seite des Technologie-Providers Swisscom für die Einführung des myEPD beim USB verantwortlich.

Martin Bruderer

Martin Bruderer ist Teilprojektleiter «Prozesse & Services» für den EPD-Pilot Nordwestschweiz. Als strategischer Projektleiter ehealth / EPD im USB verfügt er über langjährige und profunde Erfahrung in der Digitalisierung im Gesundheitswesen.



Newsletter

Möchten Sie regelmässig spannende Artikel und Whitepaper zu aktuellen ICT-Themen erhalten?




Mehr zum Thema


Interview

Das Onboarding braucht viele Ressourcen

Im Interview beleuchtet Projektleiter Martin Bruderer die Einführung des EPD im Universitätsspital Basel. Themen sind unter anderem technische Herausforderungen, Motivation der Mitarbeitenden und das Interesse der Patienten.