Work Life Balance?





Kolumne: Thomas Vašek, Chefredakteur des Philosophie-Magazins «Hohe Luft»

«Work-Life-Balance? Work-Life-Bullshit!»


Die Trennung von Arbeit und Leben führt in die Irre. Denn Arbeit macht uns zu dem, was wir sind. Doch wir brauchen gute Arbeit, die uns befriedigt und erfüllt. Dazu müssen wir die Arbeit an die Menschen anpassen – nicht umgekehrt.


Thomas Vašek




Erst die Arbeit, dann das Vergnügen? Das wahre Leben, so glauben manche, findet ausserhalb der Arbeit statt. Doch das ist ein Missverständnis. Arbeit ist ein zentraler Teil unseres Lebens. Sie ist mehr als nur eine lästige Notwendigkeit, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Arbeit bringt unsere Fähigkeiten zur Geltung, sie vermittelt Identität, Anerkennung und Sinn. Arbeit macht uns zu dem, was wir sind.


Frühere Generationen waren eher bereit, schlechte Arbeit über viele Jahre hinzunehmen, ihre Bedürfnisse aufzuschieben. Heute erwarten vor allem die jüngeren Menschen wie die vielbeschworene «Generation Y» Sinnerfüllung und Spass im Hier und Jetzt – und zwar zu Recht. Unternehmen müssen heute mehr denn je begreifen: Nur wer seinen Mitarbeitern gute Arbeit bieten kann, wird gute Mitarbeiter bekommen und längerfristig halten können.


Menschen sind auf Anerkennung angewiesen

Arbeit lässt sich nicht auf die reine Tätigkeit reduzieren. Zu ihr gehören eine Vielzahl von Ritualen und Routinen, von Telefonaten und E-Mails über Sitzungen und Kollegengespräche bis hin zum Schwätzchen am Kaffeeautomaten. Gute Arbeit ist mehr als bloss ein «Job». Nur wenn wir das ernst nehmen, können wir im Unternehmen die Voraussetzungen für gute Arbeit schaffen. Das beginnt schon bei der Arbeitsumgebung. Zeitgemässe Bürolandschaften tragen den Bedürfnissen der Mitarbeiter Rechnung.



Thomas Vašek

Thomas Vašek, 1968 in Wien geboren, ist Autor des Buchs «Work-Life-Bullshit – warum die Trennung von Arbeit und Leben in die Irre führt». Vašek ist Chefredakteur des Philosophie-Magazins «Hohe Luft».


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«Eine vertrauensvolle, kooperative Arbeitsatmosphäre kann wichtiger sein als finanzielle Anreize und massgeblich dazu beitragen, dass sich Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen, mit ihrer Aufgabe identifizieren.»



Dabei geht es um mehr als darum, eine oberflächliche Wellness-Atmosphäre zu schaffen. Ein Töggelikasten eine Kletterwand im Büro nützt wenig, wenn die Mitarbeiter keine Zeit haben, diese Möglichkeiten zu nützen. Gute Arbeit entsteht nur im Zusammenspiel zwischen dem Arbeitsumfeld und dem Mitarbeiter selbst. Moderne Büroumgebungen können helfen, die inneren Werte der Arbeit zu realisieren, indem sie etwa Zusammenarbeit und Kommunikation fördern. Menschen sind auf die Anerkennung und Wertschätzung anderer angewiesen, genau deshalb brauchen sie den Austausch mit anderen.


Geeignete Büroumgebungen können diesen Austausch unterstützen. Das funktioniert aber nur in einer entsprechenden Kultur, die die Kommunikation unter den Mitarbeitern begünstigt. In jeder Arbeitsumgebung braucht es informelle Orte, an denen sich Mitarbeiter einfach nur ungestört austauschen können, über neue Ideen ebenso wie über ihre Sorgen und Probleme.



Freiheit und Musse statt permanente Kontrolle

Die Unternehmensführung muss ihren Mitarbeitern aber auch die nötige Freiheit und Musse gewähren, um solche Angebote zu nutzen. Das erfordert vor allem eine Praxis des Vertrauens statt permanente Kontrolle, die jede innovative Idee im Keim erstickt. Eine vertrauensvolle, kooperative Arbeitsatmosphäre kann wichtiger sein als finanzielle Anreize und massgeblich dazu beitragen, dass sich Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen, mit ihrer Aufgabe identifizieren. Und das wiederum nützt den Unternehmen selbst, weil der wirtschaftliche Erfolg wesentlich von der Identifikation der Mitarbeiter abhängt.


Innovative Ideen können nur aus guter Arbeit entstehen, die Menschen die Möglichkeit gibt, ihre Fähigkeiten zu entfalten. Gute Arbeit ist allerdings nichts, was einfach «geschaffen» werden kann. Sie erfordert auch das Engagement, das «Commitment» des Einzelnen. Wer die eigene Arbeit nicht liebt, wer ihr gleichgültig oder gar ablehnend gegenübersteht, der kann auch ihre inneren Werte nicht realisieren. Unternehmen haben zwar die Verantwortung, die Bedingungen für gute Arbeit zu schaffen. Beim einzelnen Mitarbeiter liegt allerdings die Verantwortung, sich für die eigene Arbeit zu engagieren. Nur so wird die Arbeit zum Vergnügen.





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