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«Manchmal muss man im Leben einfach etwas wagen»


Martina Aichhorn ist Online-Marketing-Spezialistin, Mutter zweier Kleinkinder – und seit kurzem Unternehmerin. Weil ihr in Zürich ein Do-it-yourself-Fotostudio gefehlt hat, hat sie kurzerhand selbst eines eröffnet. Doch wie klappt Selbständigkeit in Teilzeit?

Tessa Marina Meier, 18. Januar 2018




Es war kurz vor Weihnachten 2016. Martina Aichhorn, Mutter zweier Kleinkinder in Mutterschaftsurlaub, wollte Erinnerungsfotos für Weihnachtsgeschenke machen. Sie googelte und suchte nach einem Do-it-yourself-Fotostudio, wie sie es aus ihrer Heimat Österreich kannte. Denn eine Freundin hatte ihr halbjährlich neue, tolle Fotos von sich und der ganzen Familie präsentiert. Doch Aichhorn musste ernüchtert feststellen, dass es ein solches Angebot in Zürich nicht gibt. «Irgendwie hat mich diese Idee dann nicht mehr losgelassen.»

Aichhorn ist Online-Marketing-Spezialistin und arbeitete jahrelang als Angestellte in leitender Funktion. Nach dem zweiten Kind war klar, dass sie den bisherigen Job in einem Teilzeitpensum nicht mehr würde ausführen können. Bei der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung zog sie auch eine Selbständigkeit in Betracht.

Franchise-Vertrag unterschrieben, Location gefunden, Studio eröffnet

Über die Website des Do-it-yourself-Fotostudios Press the Button Österreich entdeckte Aichhorn, dass das Konzept als Franchise-Möglichkeit angeboten wird. Kurzerhand nahm sie mit dem Gründer Kontakt auf. Beim nächsten Besuch in Österreich tauschte sie sich mit dem Gründer persönlich aus, schaute die Studios an und erhielt einen Einblick in die Details des Systems. Beim zweiten Besuch wurde es bereits konkret: Aichhorn liess sich Zahlen und Fakten mitgeben, um durchzurechnen, ob ein Studio-Aufbau in der Schweiz finanziell überhaupt in Frage kommt.

Aus der Idee entwickelte sich ein konkreter Plan. Parallel dazu hielt Aichhorn in Zürich bereits Ausschau nach einer passenden Immobilie – mit passender Raumhöhe und kontrollierbaren Fixkosten. Die perfekte Location fand sie eher zufällig. Sie besichtigte den Rohbau, fühlte sich wohl und fand: «Das passt.» Damit war für Martina Aichhorn klar: Sie würde das erste «Press the Button»-Studio in Zürich eröffnen.

Die Firmengründung der GmbH folgte im Juli 2017, nachdem der Franchise-Vertrag mit dem Hauptstudio in Österreich vorlag und der Mietvertrag für die Räumlichkeiten unterschrieben war. Doch als alles unter Dach und Fach war, begann die eigentliche Arbeit erst, erinnert sich Aichhorn. «Komplett neu für mich war der gesamte Innenausbau der Räumlichkeiten und die Koordination mit den Handwerkern.» Im Projektmanagement ist sie zwar ein Profi. Die Art des Projekts hingegen war komplett neu. Aichhorn hat an vielen Stellen auch gleich selbst Hand angelegt, die hölzernen Bodenfliesen beispielsweise hat sie kurzerhand selbst gebeizt.


Die Böden hat Martina Aichhorn kurzerhand selbst gebeizt.


Starthilfe für das neue Studio in Zürich hat Aichhorn als Franchisenehmerin von Press the Button in Österreich erhalten. Dazu gehörten Schulungen in der Technik, den Systemen für die Website sowie in Bildbearbeitung. Damit sie in ihrem Studio in Zürich das gleiche Qualitätsniveau anbieten kann, hat Aichhorn zudem zwei Wochen in einem Studio in Österreich mitgearbeitet. Für diese Leistungen gibt die Gründerin einen Teil des Umsatzes ab. Das Franchisekonzept beschreibt sie selbst als grossen Glücksfall: «Ich konnte auf das vorhandene Konzept setzen und musste den Brand nicht neu aufbauen. Press the Button gibt’s in Österreich seit fünf Jahren und ist bereits etabliert. Ohne diese ‹Starthilfe› wäre das mit einem 50-Prozent-Pensum nicht machbar gewesen.»

Selbstständigkeit und Familienleben vereinen – eine Herausforderung

Eine Herausforderung ist für die Mutter und Unternehmerin nach wie vor die begrenzte Zeit, aus der sie das Maximum rausholen muss. Vereinbarkeit von Familie und Job war für Aichhorn von Anfang an zentral: Die Kinder stehen im Zentrum, und die Selbstständigkeit darf ein 50-Prozent-Pensum nicht überschreiten. Ihr war allerdings auch klar, dass sie am Anfang wohl weitaus mehr Zeit in den Studio-Aufbau investieren wird. Aber das Schöne daran ist, so Aichhorn, «es fühlt sich auch nicht an wie arbeiten.»

Aichhorn hat entschieden, das Studio zu Beginn am Freitagnachmittag und am Samstag zu öffnen. Also dann, wenn die Kunden Zeit haben. Diese Verteilung der Präsenzzeit bringt für Aichhorn viele Vorteile mit sich. Ist sie bei den Kindern, will sie ihnen ihre hundertprozentige Aufmerksamkeit schenken und nicht nebenbei noch Arbeit organisieren.


Fotos bearbeitet Martina Aichhorn im Studio oder zuhause.


Auf der anderen Seite freut sich Aichhorn über die gewonnene Flexibilität. Denn auch ihre Arbeitszeiten haben sich stark verändert. So startet sie etwas später in dem Tag, arbeitet dann dafür bis um 22 Uhr – und findet das super. Am Mittwoch, Freitag sowie an den Abenden stehen Büroarbeiten an – und in dieser Zeit muss alles Liegengebliebene erledigt werden. Das Priorisieren ist hier essenziell: «Was ist wichtig und bringt mich weiter versus was wäre noch schön, liegt aber einfach nicht drin.» Die Bildnachbearbeitung sowie den direkten Kundenkontakt erledigt sie etwa im Studio selbst oder zuhause – an beiden Standorten ist ein identischer Arbeitsplatz eingerichtet. Auch hier gilt: Zeit ist knapp, die PC-Arbeit muss da ausführbar sein, wo sich die zweifache Mutter befindet.

«Sich selbstständig zu machen bedeutet eine grosse Verantwortung, gerade wenn man Familie hat. Man muss mit dem Partner gemeinsam entscheiden, ob man die erste Zeit auch ohne ein zweites Einkommen auskommen kann.» Aichhorn war sich dennoch immer sicher, dass es das Richtige ist, was sie hier verfolgt: «Das Bauchgefühl hat immer gepasst.» Die Frage, ob die Unternehmensgründung mit zwei kleinen Kindern eine gute Idee ist, hat sie sich mehrfach gestellt, kam aber immer zum selben Schluss: «Wenn ist es jetzt nicht wage, was ändert sich, wenn die Kinder zwei Jahre älter sind?»

«Ich habe immer Leute um mich herum, die gut gelaunt sind»

Den Wechsel von der Angestellten im Grossbetrieb zur selbstständig Erwerbenden erlebt Aichhorn sehr intensiv: «Ich hatte immer lässige Jobs und Chefs. Die Zeit war einfach reif, etwas Neues zu machen. Es ist ein ganz anderes Gefühl, für sich selbst zu arbeiten als in einem Angestelltenverhältnis.» Die Fähigkeiten aus ihrem bisherigen Berufsleben kommen ihr bei der neuen Tätigkeit zugute, insbesondere ihr Know-how im E-Commerce. Seit der Studioeröffnung am 13. Oktober 2017 lebt Aichhorn ihren Traum: «Ich habe immer Leute um mich herum, die gut gelaunt sind und begeistert nach dem Shooting aus dem Studio gehen. Ich finde es total schön, bei diesem Projekt dabei zu sein.»

Rückblickend auf ihren persönlichen Gründungsprozess würde sie nur wenige Sachen anders machen: «Ich war und bin überzeugt davon, dass das Konzept auch in der Schweiz funktioniert. Und bevor man’s nicht probiert, weiss man’s ja nicht.» Im kommenden Jahr würde sie gerne ein bis zwei Mitarbeiter zur Unterstützung einstellen. Weitere Zukunftspläne äussert die Neuunternehmerin jetzt kurze Zeit nach der Eröffnung noch zögerlich, doch: «Zwei bis drei weitere Studios in der Schweiz aufzubauen, fände ich cool.»

Mit Swisscom gut gestartet

StartUp-Kundin Martina Aichhorn: «Ich brauchte für mein Studio eine Internetverbindung und habe mich via Website an Swisscom gewandt. Das Start-up-Team hat mich sehr schnell kontaktiert, ich hatte nette Gespräche und es hat alles reibungslos funktioniert. Zwei Wochen später hatte ich bereits eine funktionierende Internetverbindung – obwohl mein Elektriker meinte, dass es bestimmt zwei Monate dauert, bis das alles installiert ist. Er lag glücklicherweise falsch.»

StartUp-Berater Abduli Labinot: «Das Beratungsgespräch mit Martina Aichhorn war sehr cool und offen. Die Kundin hat sich sehr früh bei uns gemeldet, dadurch hatten wir keinen Zeitdruck, und konnten alles in Ruhe besprechen und planen. Sie hat bei uns IP-Telefonie und Internetanschluss im Paket abgeschlossen. Wir waren in kurzer Zeit mehrmals in Kontakt und haben jeweils die nächsten Schritte besprochen. Mich hat ihre Geschäftsidee auch total begeistert.»

Die Geschichte ist ursprünglich auf dem KMU Magazin erschienen.