Aufgefallen

Digitale Helfer für Gesunde und Kranke

01

Spektrometer

Gefälschten Medis auf der Spur

Das kalifornische Start-up Stratio hat mit LinkSquare ein Spektrometer entwickelt, das vorerst vor allem Konsumenten dient, die Medikamente via Internet bestellen. Das Gerätchen, das sich via USB-Kabel an ein Smartphone anschliessen lässt, ist in der Lage, mittels Lichtwellenlänge-Analyse zu prüfen, ob in der Tablette wirklich das drin ist, was auf der Packung oder im Beipackzettel steht. Die Analyseresultate von LinkSquare werden via Smartphone-App an die Web-Datenbank von Stratio geschickt und mit den dort gelagerten zuverlässigen Medikamenten-informationen abgeglichen. Falls Abweichungen von der Standardzusammensetzung festgestellt werden, weiss der Anwender zumindest, dass er einer ziemlich unseriösen Online-«Apotheke» auf den Leim gegangen ist. 

Spektrometer bald für Nahrungsmittel?

Und dies geschieht offenbar ziemlich häufig. Gemäss Interpol wurden allein im vergangenen Jahr gut 20 Millionen Packungen gefälschter Medikamente beschlagnahmt, die via Internet versandt wurden. Die Dunkelziffer ist – wie der Ausdruck schon hinreichend besagt – unbekannt. Stratio plant, in Zukunft ihre Spektrometer-Technologie über Medikamente hinaus auf Nahrungsmittel auszudehnen, sodass beispielsweise falsche Deklarationen von Fisch- oder Fleischprodukten aufgedeckt werden können.

Stratio Technology

04

Internetfernsehen

I-TV wird noch viel besser

Eines ist sicher: Das Fernsehen hat sich bereits in den vergangenen Jahren komplett verändert. Und etwas anderes ist ebenso klar: Das ist erst der Anfang. Die US-Marktforscher von IDC sind absolut sicher, dass in den kommenden zehn Jahren weitere massive Veränderungen bezüglich «Internet Television» zu erwarten sind. Selbstverständlich werden Inhalte, wie sie Netflix nun in mittlerweile 100 Ländern anbietet, weiter ausgebaut – auch von Anbietern, die es heute noch gar nicht gibt. Für den Betrachter dürfte interessant sein, dass es künftig auch immer mehr – selbstverständlich auch speicherbare – Live-Angebote geben wird. Denn das ist in gewissen Situationen – beispielsweise in einer Abstimmungs- oder Wahlkampfphase – interessanter als ein Spielfilm oder eine Serie, die man ohnehin zu einem beliebigen selbst gewählten Zeitpunkt geniessen kann. Neben einer massiven Umkrempelung der damit verbundenen Werbestrategien und -technologien werden sich die I-TV-Angebote der Zukunft immer stärker in die sozialen Netzwerke verlagern. Auch bei Netflix und Facebook wird der Bedarf an interner Innovationsfähigkeit also nicht geringer!

IDC

02

Windows Tablet

Tief greifende Oberfläche

Aus Erfahrung wird man klug – oder gar wirklich gescheit. Es gibt neben Microsoft wohl kaum eine andere global einflussreiche Firma, die dies dermassen erfolgreich verinnerlicht hat. Dass Windows 10 echt gut ist, haben mittlerweile ein paar hundert Millionen User gemerkt und bestätigt. Und jetzt auch noch das: Mit dem jüngsten Surface Book bringen die Redmonder ein Gerät, das – ganz anders als der erste gefloppte Versuch 2012 – wirklich überzeugt. Natürlich auf der Basis von Windows 10. Aber eben: Das Ding ist ein wirklich brauchbares Notebook, das den Vergleich mit entsprechenden Apple-Produkten mitnichten zu scheuen braucht. Jetzt sind wir aber wirklich gespannt auf die Verkaufszahlen! Mein Tipp – nein, ich kann keine Microsoft-Aktien mein Eigen nennen – aber trotzdem: Die Zahlen werden überzeugen.

Microsoft Surface

03

Intelligente Kontaktlinsen

Novartis und Google für Diabetiker

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis will die Anstrengungen von Google X, der Forschungsabteilung des Suchmaschinen- und Werbespezialisten, zur Entwicklung einer intelligenten Kontaktlinse für Diabetiker aktiv unterstützen. Mit anderen Worten: Novartis ist offenbar überzeugt, dass der Google-Ansatz technologisch vielversprechend ist und zur Erreichung der Marktreife des Beistands medizinisch-chemischer Experten bedarf. Oder umgekehrt: dass der Basler Chemiegigant vom Techno-Know-how der Kalifornier einiges lernen kann. Wie auch immer – die googlesche Prototyplinse misst permanent die Glukosewerte in der Tränenflüssigkeit des Trägers und sendet die Daten an die entsprechende Smartphone-App, sodass der Diabetiker rechtzeitig vor absehbaren üblen Folgen gewarnt ist. Die Linse soll noch in diesem Jahr lanciert werden.

Intelligente Kontaktlinse Novartis/Google

05

Silicon Valley vs. Switzerland

Geburtenkontrolle aus der Schweiz

Vor ein paar Tagen habe ich mit Lea von Bidder telefoniert. Lea lebt zurzeit in San Francisco und ist Mitbegründerin des Schweizer Startups Ava. Sie erzählte mir stolz, dass die Anzahl der Vorbestellungen für ihr „smart wearable“ die Erwartungen deutlich übertroffen hätte. Zielgruppe sind Frauen, welche schwanger werden und dank des Sensor-Armbandes ihren Eisprung exakt ermitteln möchten. Die Auslieferung der ersten Produktionsserie erfolgt Mitte Jahr. Ava hat sich global aufgestellt:

Forschung und Entwicklung ist in der Schweiz: Mit Schweizer Medtech Expertise und Anbindung an die Forschung des Universitätspitals Zürich wird eine technisch überlegene Lösung entwickelt.

Die Software wird mit einem Partner in Osteuropa entwickelt, wobei nicht nur die Kosten, sondern auch die Verfügbarkeit guter Entwickler ausschlaggebend ist.

Markteintritt erfolgt parallel in der Schweiz und den USA, um die Vorteile des Heimatmarktes zu spielen (Schweiz), aber gleichzeitig einen der grössten zusammenhängenden Märkte der Welt anzusprechen (USA).

Ich bin nun gespannt, wie es weitergeht im Bereich «E-Health für Frauen». Lange Zeit hatte man den Eindruck, dass dieses Thema eher vernachlässigt wurde. Doch die Integration des Zyklus-Monitorings in Apples Health App oder Fertility Apps wie Glow zeigen nun, dass dieses Thema durchaus vielversprechend ist.

Ava

Penny Schiffer arbeitet als Beraterin und Mentorin für Startups und sitzt in mehreren Jurys. Sie ist immer auf der Suche nach Innovationen für Swisscom und ist darum regelmässig als Trendscout im Silicon Valley unterwegs.