Porträt

«Desktop-PC und Laptop habe ich in Rente geschickt»

Wie ist das so, wenn man als Einziger im Betrieb noch ein eigenes Büro hat? Das weiss Thomas Vellacott, Chef von WWF Schweiz.

Claudia Bardola aufgezeichnet

«Seit wir unsere Büroräume im denkmalgeschützten Lagerhaus an der Zürcher Hohlstrasse zu einer offenen Office-Landschaft umgebaut haben, bin ich der Einzige in unserer Organisation, der über ein separates Büro verfügt. Da ich aber viel unterwegs bin, wird der Raum zu einem grossen Teil als Sitzungszimmer verwendet, der allen Mitarbeitenden offen steht. Entsprechend wenig Persönliches findet sich in meinem Büro: Bis auf einen kleinen Kubus, ein Bücherregal und Pandas in allen erdenklichen Variationen – die man als WWF-Chef unweigerlich geschenkt bekommt – ist es vergleichsweise nüchtern. Schnickschnack benötige ich ebenso wenig wie eine Wand voller Familienfotos – ich will kein Vater sein, der nur dank Bildern weiss, wie seine Kinder aussehen. 

 

Wenn Mitarbeiter, die übrigens auch in der Office-Landschaft über einen fixen Schreibtisch verfügen, ihren Platz mit Fotos, Nippes oder lächelnden Winkekatzen personalisieren wollen, stört mich das aber nicht weiter. Hauptsache, es ist ihnen wohl und sie können konzentriert arbeiten. 

 

Ich selbst habe keinen eigentlichen Schreibtisch mehr – da der Raum vor allem für Meetings genutzt wird, ist ein Sitzungstisch praktischer. Meine Arbeitsprozesse habe ich weitgehend virtualisiert. Desktop-PC und Laptop benötige ich nicht mehr. Mein Gerätepark besteht aus Smartphone, iPad und einem Smartpen, mit dem Notizen sofort digitalisiert werden. Papier verwende ich gerne für Notizen, ansonsten habe ich dafür aber wenig Verwendung. Zum einen ist es viel einfacher, nach einem digitalen Dokument zu suchen, als einen Stapel Papier zu durchwühlen, zum anderen kann ich Informationen auch gut ohne tote Bäume verarbeiten. Meinen Mitarbeitern geht es bisweilen auf den Wecker, wenn ich alle Dokumente in elektronischer Form anfordere.

 

Aber ich bin auf diese Weise mobil und habe alles dabei, was ich brauche. Denn: Ich bin einen Grossteil des Tages unterwegs; in Sitzungen, an Treffen mit Firmen, Medienvertretern, anderen Umweltorganisationen oder mit Politikern. Als Gegengewicht zu all den Sitzungen gehe ich regelmässig laufen, am liebsten im Wald, damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt. 

 

Auch sonst versuche ich, mir im Alltag möglichst viele Naturerlebnisse zu verschaffen; beispielsweise indem ich WWF-Projekte besuche oder ab und zu mit Kollegen aus dem Geschäft über Mittag einen kurzen Tauchgang in der Limmat unternehme.

«Desktop-PC und Laptop benötige ich nicht mehr. Mein Gerätepark besteht aus Smartphone, iPad und einem Smart-Pen, mit dem Notizen sofort digitalisiert werden.»

Ein ökologischer Lebensstil ist mir auch in meiner Freizeit wichtig. Ich besitze kein Auto, nutze den öffentlichen Verkehr und fahre mit dem Velo zur Arbeit. Flugreisen versuche ich wann immer möglich zu vermeiden, etwa durch Webkonferenzen. Ich ernähre mich vegetarisch und unser Haus heizen wir mit Sonne und Holz. Trotzdem lässt sich an meinem Lebensstil noch einiges verbessern. Was bei meiner Ökobilanz am meisten einschenkt, sind nach wie vor die Flugreisen. Sie sind bei internationalen Treffen und Projektbesuchen oft unumgänglich. Zudem reise ich mehrmals pro Jahr zu Familie und Freunden nach England. Das mache ich wann immer möglich mit dem Zug. So dauert es zwar länger, aber ich kann viel konzentrierter arbeiten und komme beim Zwischenstopp in Paris erst noch zu einem guten Essen.»

Thomas Vellacott

Thomas Vellacott stiess 2001 zum WWF Schweiz, seit rund zweieinhalb Jahren ist er CEO der grössten Schweizer Umweltorganisation. Davor arbeitete er im Private Banking der Citibank und war Berater bei McKinsey in Zürich. Der 43-Jährige ist passionierter Taucher, hat zwei Kinder und wohnt in Zürich Altstetten.

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