Unterwegs

Mit Tapit durch die Tür und ins Netz

Nach mobilen Kreditkarten bringt die NFC-App Tapit jetzt auch Zutrittssysteme auf das Smartphone. Der Badge erhält dadurch einen Internetanschluss. Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten.

Daniel Meierhans

Der Badge gehört für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu den alltäglichen Begleitern – genauso wie das Smartphone. Tapit führt die zwei jetzt zusammen. Durch Partnerschaften mit den führenden Herstellern von Zutrittssystemen, Siemens und LEGIC Identsystems, erreicht die App zur zentralen Konsolidierung und Verwaltung von NFC-Diensten (Near Field Communications) gegen 90 Prozent der Schweizer Badge-Nutzer. 

 

Gestartet wurde Tapit im vergangenen Juli mit kontaktlosen Kreditkarten. Unter anderem lassen sich damit Kleinbeträge durch ein einfaches Antippen des Lesegeräts kontaktlos bezahlen. Die Zutrittskontrolle bietet jetzt eine zweite Anwendungsart, die für Unternehmen interessant ist. 

 

Ein Badge mit Smartphone-Fähigkeiten

Das Smartphone kann dabei nicht nur alle Funktionen eines herkömmlichen Badge übernehmen – vom persönlichen Funktüröffner über die Druckerfreigabe bis zum Bezahlen in der Cafeteria. «Den grossen Unterschied machen der direkte Internetanschluss und der Bildschirm aus», erklärt Hugo Straumann, Leiter des Bereichs NFC-Access bei Swisscom IT, Network & Innovation. Zusätzliche Funktionen wie eine Raumreservation, Anfragen für einen schnellen Vor-Ort-Support oder das Bestellen von Geräten für ein Meeting können als Onlineapplikation direkt mit der Badge-Nutzung verbunden werden. 

«Eine temporäre Zutrittsberechtigung kann einfach per Mobilfunk auf das Smartphone gesendet werden.»

Hugo Straumann

Dazu kommen praktische Vereinfachungen in der Verwaltung. Per Mobilfunk kann beispielsweise eine temporäre Zutrittsberechtigung für einen Servicetechniker von der Zentrale auf sein Smartphone gesendet werden, ohne dass ein Mitarbeiter vor Ort anwesend sein muss.

 

Von Applikationen bis zu Erlebniswelten

«Die Verbindung der NFC-Authentifizierung mit dem Smartphone eröffnet praktisch unbegrenzte Möglichkeiten», schaut Straumann in die Zukunft. Nicht nur Unternehmen können so die Badge-Nutzung nahtlos in ihre Business-Applikationen integrieren. Auch Retailer erhalten beispielsweise die Möglichkeit, die Kundenkartennutzung unmittelbar mit Onlineerlebniswelten zu verbinden: vom personalisierten Angebot über ortsspezifische Services, Games oder Ad-hoc-Verlosungen bis zu Mehrwertdiensten wie eine Allergie-App, die Alarm schlägt, wenn ein problematisches Produkt eingekauft wurde. «Indem wir mit Tapit das Handling für die Endanwender vereinfachen, erhöhen wir deren Bereitschaft, NFC einzusetzen. Am Ende profitieren alle Anbieter davon, weil jede zusätzliche Anwendung auch die Nutzung der anderen NFC-Applikationen steigert», wie Straumann aus den bisherigen Praxiserfahrungen weiss. 

 

Partnerschaft mit Investitionsschutz

Um eine möglichst breite Nutzung zu erreichen, verfolgt Tapit eine bewusst offene Strategie. Die Eigenentwicklung von Swisscom wird als selbstständige Marke positioniert und steht auch den anderen Telekommunikationsprovidern und ihren Kunden offen. Sie setzt zudem auf die bestehenden Technologien in den jeweiligen Branchen. Bei der Zutrittskontrolle ersetzt die Tapit-App beispielsweise nur den Badge und integriert sich nahtlos in die vorhandene Hard- und Softwareinfrastruktur. Die Lesegeräte der aktuellen Generation sind bereits standardmässig NFC-fähig. 

 

«Wir wollen keine neue Konkurrenz aufbauen, sondern den Herstellern und Integratoren als Partner eine sichere Plattform bieten, mit der sie ihre Dienste ohne grossen Eigenaufwand auf das Smartphone bringen können», betont Straumann. Damit sind auch die bisherigen Investitionen der Anwender geschützt. Sie erhalten vielmehr eine zusätzliche Möglichkeit für alle Mitarbeitenden mit einem NFC-fähigen Smartphone. 

 

Systemerneuerung als Einstieg

Der Zeitpunkt für die Einführung von Tapit als Zutrittskontrolle ist laut Straumann derzeit optimal: «Viele Unternehmen müssen ihre Zutrittssysteme erneuern, weil die älteren Versionen nicht mehr sicher sind. Das ist eine gute Gelegenheit, die Smartphone-Erweiterung miteinzuführen und sich damit die Basis zu schaffen, zusätzliche Funktionen und Services an das Zutrittssystem zu koppeln.» Die Implementation in den Unternehmen übernehmen die gewohnten Integrationspartner der Systemhersteller.

 

Sichere Schliessfächer für die Anwendungen

Tapit benötigt zusätzlich zu einem NFC-fähigen Smartphone und zur App auch eine spezielle SIM-Karte, die auch auf der tapit-Webseite gratis bezogen werden kann. Sie funktioniert auch bei ausgeschaltetem Handy, kann aber gezielt deaktiviert werden. Zudem ist sie mit einem wesentlich grösseren Speicher als die herkömmliche SIM-Karte ausgestattet. Dieser enthält ein spezielles Sicherheitselement, indem voneinander getrennte Bereiche erstellt werden können, zu denen nur der entsprechende Anwendungsprovider Zugriff hat. In diesen Schliessfächern lassen sich die Berechtigungsinformationen und Zusatzfunktionen wie die Verbindung zu bestimmten Internetseiten sicher verwalten. Auf einer aktuellen NFC-SIM-Karte ist für über 30 unterschiedliche Schliessfächer Platz.

tapit.ch

Wieso NFC?

Near Field Communications (NFC) ist eine Kurzstreckenfunktechnologie aus der Familie der RFID-Technologien (Radio Frequency Identification). Sie wurde speziell für die kontaktlose Übertragung von Daten über Strecken von wenigen Zentimetern entwickelt. Mit dem Handy sind dabei – je nach Sicherheitsanforderung – sowohl eine durch das Lesegerät initiierte, passive wie auch eine aktive Datenübertragung möglich. Das vorgesehene Hauptanwendungsfeld ist die kontaktlose Authentifizierung etwa bei Zutrittssystemen, beim Ticketing, beim kontaktlosen Bezahlen oder für Kundenbindungsprogramme. Dafür haben sich die involvierten Industrien von den Mobilfunkprovidern und den meisten Handyherstellern über die Finanzdienstleister, Kartenherausgeber und Detailhändler bis zu den Herstellern von Zutrittslösungen auf NFC als Standard geeinigt.

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Hugo Straumann

Hugo Straumann entwickelt als NFC- und Security-Spezialist bei Swisscom Innovation seit 2001 NFC-Dienste. Derzeit ist der Master of Science in Systems Engineering Produktmanager der Access-Lösung von Tapit. 2008 war der begeisterte Skifahrer und Tänzer für die Sicherheit der Kommunikationsinfrastruktur der Fussball-EM in der Schweiz verantwortlich.