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Die Blockchain sprengt alte Ketten

Bitcoin mag eine Episode bleiben. Die Blockchain-Technologie der Kryptowährung aber hat das Zeug zur Revolution. Die zwielichtige Whistleblower-Plattform Darkleaks zeigt auf, was möglich wird.

Beat Hochuli

Die Zahl der «Peer-to-Peer-Revolutionäre» steigt täglich und Start-ups rund um das Blockchain-Konzept schiessen wie Pilze aus dem Boden. Vor allem in der Finanzindustrie löst die dezentrale Transaktionstechnologie fieberhafte Aktivitäten aus: So baut etwa UBS in London ein spezialisiertes Forschungszentrum auf und in der südostasiatischen Finanzmetropole Singapur richtet man mit der ganz grossen Kelle an. Der weltweit aktive Technologie-Inkubator Startupbootcamp Fintech soll dafür sorgen, dass die Löwenstadt am Äquator zum unumstrittenen asiatisch-pazifischen Hub der Blockchain-Revolution wird. 

 

Vertrauenswürdige «Smart Contracts»

Aber weshalb diese Euphorie um die technologische Grundlage, auf der die Kryptowährung Bitcoin aufsetzt? Sie ist im Prinzip nichts anderes als ein riesiges Log- oder Hauptbuch, in dem sämtliche Transaktionen aller Bitcoin-Anwender registriert und in aneinandergereihten Blöcken zusammengefasst sind – nichts eigentlich Spektakuläres, möchte man meinen. «Weit gefehlt!», protestieren die Euphoriker – und sie haben recht. Denn die Blockchain ist komplett dezentralisiert und findet sich auf keinem Internet-Server. Jeder Bitcoin-User verfügt auf seinem Client über das gesamte Logbuch, das sich laufend automatisch auf den aktuellen Stand bringt. Da auf diese Weise jede Transaktion durch alle Anwender einsehbar und überprüfbar ist, verifiziert sich ein Kaufvertrag sozusagen selber – sicher und mit integrierter Verschlüsselung. Das schafft Vertrauen zwischen den Beteiligten und genau dies ist der Punkt, der die Blockchain-Fans so fasziniert. Neben einem schnellen und effizienten Austausch von Informationen jeder Art schwebt ihnen nämlich eine Zukunft mit «Smart Contracts» vor – mit intelligenten unterschriftsgültigen Verträgen, die mittels digitaler Zusatztechnologien quasi selber dafür sorgen, dass sie eingehalten werden. Dafür wären dann keine vertrauenswürdige Bank, keine Treuhandfirma, kein Anwalt und auch keine staatlichen Stellen mehr notwendig. 

«So wird auch ein Blockchain-basiertes E-Voting möglich, das die bisherigen Lösungen punkto Sicherheit bei Weitem übertrifft.»
Vom Whistleblowing bis zum E-Voting

Einen ersten Eindruck vom Potenzial der Technologie vermittelt die kürzlich lancierte Whistleblower-Plattform Darkleaks. Über sie können Geheimnisträger Informationen aller Art anonym verkaufen – ja, verkaufen, denn sie werden mit Bitcoin-Beträgen belohnt. Das ist zwar umstritten und dürfte allerlei zwielichtige Gestalten anlocken. Es wird sich aber nicht stoppen lassen. Die Plattform macht sich zunutze, dass auch an die kleinste Einheit der Bitcoins beliebige Informationen angehängt und verschlüsselt über das Peer-to-Peer-Netz verschickt werden können. «Colouring» - Einfärben – nennt sich das Verfahren. Mit ihm lassen sich alle möglichen digitalen Transaktionen sicher und vertrauenswürdig abwickeln. So wird beispielsweise auch ein Blockchain-basiertes E-Voting möglich, das die bisherigen Lösungen punkto Sicherheit bei Weitem übertrifft. Die korrekte Stimmabgabe kann in der Chain nachträglich überprüft werden und trotzdem bleibt – ie beim zwielichtigen Darkleaks – die Anonymität gewahrt.

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Beat Hochuli

ist freischaffender ICT-Journalist und lebt in Kota Kinabalu, Sabah, Malaysia.