Unterwegs

Bring mich ans Ziel, Siri!

Der drohende Verkehrskollaps macht alternative Mobilitätslösungen nötig. ÖV, Elektrofahrzeug oder Velo? Alles zusammen und am besten gleichzeitig! In der Zukunft heisst es: «Nutzen und kombinieren statt besitzen».

«Ich drehe schon seit Stunden hier so meine Runden, es trommeln die Motoren, es dröhnt in meinen Ohren...», bedudelte Herbert Grönemeyer schon Mitte der 1980er-Jahre verzweifelt das Verkehrschaos und die vergebliche Parkplatzsuche. 2025, also 40 Jahre später, sind Strassen und Schienen dem Kollaps noch näher gerückt. Nick Hürlimann, Sales Agent bei einem grossen Versicherungsunternehmen, kümmert das wenig, obwohl er in drei Stunden von seinem Wohnort in der Zürcher Agglomeration an einer Präsentation in einem Genfer Vorort sein muss. Die Frage, ob er sich noch einen der begehrten Stehplätze im übervollen Direktzug sichert oder ob er mit seinem PKW einen kilometerlangen Stau riskiert, kümmert ihn nicht mehr. Die beantwortet sein Smartphone als sein persönlicher Mobilitätsassistent. Hürlimann muss sich nur entscheiden, ob er sehr schnell, möglichst bequem, billig oder nachhaltig reisen will und ob er auf dem Weg arbeiten möchte. Aufgrund dieser Präferenzen stellt ihm die App den optimalen Reiseweg zusammen: Für die erste Teilstrecke hat sie dem Aussendienstler ein Elektroauto vor die Haustüre avisiert, eine andere Etappe legt er mit dem nicht übermässig besetzten Regionalzug zurück, eine weitere mit dem Velo und für den letzten Abschnitt hat ihm die App eine Taxi-Sammelfahrt organisiert. Hürlimann kommt pünktlich an – im Jahr 2025 keine Selbstverständlichkeit mehr. 

 

Der Mix machts

Smart Mobility, Managed Mobility oder multimodales Reisen nennt sich diese Art der Fortbewegung, die gemäss Verkehrsexperten in naher Zukunft auf uns wartet. Gemeint ist immer dasselbe, wie Marco Reber, Head of Managed Mobility bei Swisscom, erklärt: «Sowohl der Einzelne wie auch Unternehmen werden in Zukunft ihre Mobilität nicht mehr nur mit jeweils einem Verkehrsmittel organisieren, sondern  je nach Bedarf einen völlig individuellen Mix nutzen – und zwar in Echtzeit.»

 

Den Informations- und Kommunikationstechnologien sowie der Digitalisierung kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, ist Reber überzeugt: «Reisende wie auch alle Fortbewegungsmittel vom öffentlichen Verkehr über Car- und Velo-Sharing-Angebote inklusive Elektrofahrzeugen und Mietwagen bis hin zu privaten und öffentlichen Mitfahr- und Taxidiensten werden schlau vernetzt sein. Das Internet der Dinge macht’s möglich.» Diese intelligente Verkehrsinfrastruktur wird jederzeit Überlastungen, Unfälle, Staus, Verspätungen, Wetteränderungen oder Gefahrenstellen erkennen und die Routen und Fortbewegungsmittel ad hoc ändern. Und Letztere werden in Zukunft auch nicht mehr nur an vordefinierten Stationen auf die Benutzer warten, sondern überall geparkt sein und sich proaktiv anbieten. Damit kommt das Fahrzeug zum Kunden und nicht mehr umgekehrt.

«Reisende wie auch alle Fortbewegungsmittel werden in Zukunft schlau vernetzt sein. Das Internet der Dinge macht’s möglich.»

Das Motto der hochflexiblen Mobilitäts-Ökosysteme der Zukunft heisst «nutzen und kombinieren statt besitzen» und diese hat bereits begonnen: Den Anfang hat in der Schweiz vor Jahren Mobility Car Sharing gemacht. Jetzt schiessen – durch die neuen technischen Möglichkeiten angetrieben – weitere Car-Sharing-Angebote wie sharoo, Fahrdienste wie uber, Mitfahrzentralen wie Tooxme oder Parkdienste wie parku.ch wie Pilze aus dem Boden – einige verschwinden aber auch so schnell wieder, wie sie entstanden sind.

 

Noch sind allerdings all diese Angebote Insellösungen. Für jeden Dienst sind ein eigener Zugang, eine separate App, ein eigener Bezahlvorgang sowie mühsame individuelle Registrierungen nötig und dem Nutzer fehlt ein gesamtheitliches End-to-End-Erlebnis. Doch schon bald werden Plattformen eine einheitliche Buchung, Bezahlung und Abrechnung möglich machen. Die unterschiedlichsten Dienstleister werden ihre Angebote einfach andocken können. «Erst die Vernetzung und die Digitalisierung machen die Mobilität wirklich zum Service», unterstreicht Reber. 

 

Pünktlichkeit als Wettbewerbsvorteil

Bezahlt machen wird sich das insbesondere für Unternehmen. Sie können beispielsweise im System hinterlegen, ob ihre Mitarbeiter besonders nachhaltig, eher günstig oder unbedingt pünktlich ans Ziel kommen sollen. «Dies sind alles mögliche Differenzierungsfaktoren im neuen Mobilitätszeitalter», erklärt Reber und er empfiehlt den Verantwortlichen, sich bereits heute mit den kommenden Mobilitätskonzepten auseinanderzusetzen. «Vielen Firmen ist nicht bewusst, welch enormes Potenzial diese Digitalisierung freisetzen wird. Deshalb unterstützen wir mit Swisscom Managed Mobility unsere Kunden schon jetzt, sich mit ihrer zukünftigen Mobilitätsform auseinanderzusetzen. So zum Beispiel mit eingehenden Ist-Analysen und der Optimierung ihrer Fahrzeugflotte wie auch mit neuen Mobilitätsdienstleistungen wie dem intelligenten Parkieren, dem Car Sharing und dem Ökosystem der E-Mobilität. Dabei legen wir gemeinsam mit den Kunden fest, wie sie ihren Weg in die multimobile und digitale Ära am effizientesten und nachhaltigsten bauen.»

 

Eine Teilstrecke, die Swisscom bereits erstellt hat, ist die intelligente Parkplatz-Managementlösung CorpPark. Mitarbeiter und Besucher können dabei über eine Webapp Parkplätze reservieren und auch gleich bezahlen und erhalten auch den notwendigen Zugang. Die Verwaltung behält derweil den Überblick. Sie kann die Parkflächen besser bewirtschaften und die Kapazitäten optimal planen, und zusätzlich erhält der Kunde wertvolle Informationen in Form von Reportings, als Ausgangslage zur weiteren Verbesserung der knappen Ressourcen. In Zukunft werden Unternehmen mit der Lösung, die gemäss Reber das erste intelligente und digitale Mitglied einer geplanten, grösseren Enterprise-Produktefamilie ist, ihre knappen und teuren Parkplätze auch mit anderen Firmen teilen und damit zusätzlich Kosten senken sowie neue Kundenerlebnisse schaffen können.

 

Ein weiteres im Aufbau befindliches Teilstück in Richtung Multi-mobilität ist das Netz von Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Dafür hat sich Swisscom mit Alpiq, Siemens und Zürich Versicherung zusammengetan, um gemeinsam ein dringend benötigtes, schweizweites Zugangs- und Abrechnungssystem für Elektroladestationen zu entwickeln. Dieses soll bereits im 2. Halbjahr 2015 betriebsbereit sein.

 

«Mit unseren Lösungen und Dienstleistungen wollen wir dafür sorgen, dass wir gemeinsam mit unseren Kunden Teil des Mobilitäts-Ökosystems der Zukunft werden», fasst Reber zusammen.

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Marco Reber

Marco Reber ist Head of Swisscom Managed Mobility. Der 41-Jährige hat ein Diploma of Advanced Studies (DAS) in Renewable Energy Management der Universität St. Gallen und einen EMBA (Executive Master of Business Administration) in Controlling & Consulting und ist Dozent an mehreren Fachhochschulen. Reber ist seit über zehn Jahren in verschiedenen Funktionen bei Swisscom tätig. 2011 hat er den Mobilitätsbereich übernommen und ihn von Grund auf neu aufgestellt. Davor leitete er den Bereich Finanzen und Personal der Berufsbildung Swisscom.