Wolf testet

Virtual Reality oder der Mann mit der Taucherbrille

Peter Wolf testet die virtuelle Realität und diese sieht vollkommen unterschiedlich aus, je nachdem, ob Sie draussen oder drinnen sind.

Text: Peter Wolf, Video/Fotografie: Crafft

brightcoveVideo_skipAdTitle
brightcoveVideo_skipAdCountdown
brightcoveVideo_skipAdRest
brightcoveVideo_skipAdForReal

 

Von aussen betrachtet wirkt man wie jemand mit einer undurchsichtigen Taucherbrille auf dem Kopf, der verzückt den Kopf in alle möglichen Richtungen dreht und womöglich noch kommentiert, was sonst niemand sieht.

 

Eintauchen: Die Samsung Gear VR bietet mit 96° ein weites Sichtfeld.

 

Von innen betrachtet jedoch ist man einfach: drin! Komplett. Haben Sie erst einmal die Brille auf und sehen Sie die errechneten Welten, die sich verzögerungsfrei mit ihren Kopfbewegungen mitbewegen, dann glauben sie sehr schnell, dass dies die Realität ist. Vor allem, wenn dann noch die passenden Töne aus dem Kopfhörer kommen.

 

Smartphone liefert Rechenpower

Die Brille von Samsung, die Gear VR, ist nicht viel mehr als eine Halterung fürs Smartphone mit Linsen, einem Bewegungssensor und ein paar Steuerungstasten. Den Bildschirm und die ganze Rechenleistung liefert das Smartphone, das in die Brille eingeklinkt wird. Es wird stark gefordert beim ruckelfreien Errechnen der beiden Bilder für die beiden Augen und so erstaunt es nicht, dass es dabei ziemlich heissläuft.

 

Brille + Smartphone: Die Gear VR funktioniert mit den Samsung Galaxy S6 und S7.

 

Nach dem Aufsetzen der Brille mag man irritiert sein über die etwas grobkörnige Bildschirmauflösung, aber dies legt sich schon bald, wenn man in die neue Welt eingetaucht ist.

 

Die Kombination aus Smartphone und Brille ist quasi ein Starterkit, mit dem Sie jetzt bereits Erfahrungen in der virtuellen Welt sammeln, Angebote ausprobieren und Anwendungsmöglichkeiten entdecken können. Schauen Sie sich Rundum-Fotos und -Filme an, steuern Sie dreidimensionale Games mit Kopfbewegungen, sehen Sie sich an unbekannten Orten um, Entdecken Sie die neue Art des Geschichtenerzählens, wenn der Zuschauer mitten im Geschehen stehen kann!

 

Für Gamer: Mit dem optionalen Bluetooth-Controller machen Spiele richtig viel Spass!

 

Komplexe Zustände leichter erklären Virtual-Reality-Komponenten werden früher oder später in unsere gewohnten Arbeitsabläufe integriert werden, und je eher man sich damit auseinandersetzt, desto leichter fällt die Umstellung. Nicht nur die Sport- und Spiele-Industrie, auch die Tourismusbranche, der Bildungsbereich, Produktentwickler oder Serviceunternehmen werden sich dieser Technologie bedienen. Komplexe Zustände lassen sich damit einfacher erklären, Anleitungen können interaktiv und dreidimensional gestaltet werden und Abläufe sind in einer Trockenübung zuerst einmal virtuell durchspielbar.

 

Praxisbeispiel Swisscom: Anstatt einer 14-seitigen Präsentation sind die Infos in ein interaktives 360°-Bild integriert.

Tipp: kaufen Sie die Apps nicht erst, wenn Sie die Brille schon auf dem Kopf haben – der Store ist punkto Bedienbarkeit noch verbesserungswürdig. Ausserdem bekommen Sie mehr Informationen und Abbildungen zur App, wenn Sie den Store mit dem Handy in der Hand aufrufen.

 

Geräte-Informationen

  • Bild reicht von der linken bis zur rechten Sichtperipherie; vergleichbar zu zwei Meter Abstand vor einem Bildschirm mit 4,5 Meter Diagonale
  • Integrierte Bewegungssensoren; bewegungsabhängige Bildberechnung innerhalb von weniger als 20 Millisekunden
  • 360 Grad-Inhalte ruckelfrei geniessen; anpassbare Umwelt
  • Voraussetzungen: Oculus VR App und Galaxy S6 oder S6 Edge oder höher, das in Gear VR2 eingelegt wird

 

Der Swisscom-Extratipp

An der One FM Star Night im Mai 2016 in Genf konnten sich die Konzertbesucher mittels einer Virtual Reality-Brille mitten auf die Bühne hieven und dabei den Blickwinkel komplett selbst bestimmen. Der Zuschauer kam damit seinem Künstler so nah wie nie zuvor und erlebt das Konzert aus exklusiven Perspektiven, die dank dieser Technologie möglich werden. Verantwortlich dafür war die Swisscom Event & Media Solutions AG, eine Tochterfirma der Swisscom mit 60 Mitarbeitenden. Als technische Agentur bietet sie End2End-Lösungen für die Digitalisierung der Live-Kommunikation.

Peter Wolf

Peter Wolf (50) beschäftigt sich, seit er denken kann, mit Technik. Während mehrerer Jahre war er Trendscout und Social-Media-Experte bei Ringier. Heute arbeitet er Teilzeit bei e-foresight und ist damit im Frühjahr 2014 zur Swisscom Belegschaft gestossen. Er schreibt ausserdem regelmässig Kolumnen und App-Tests für diverse Publikationen.