HackZurich

Achtung, fertig, entwickeln!

Mehr Spass für Entwickler, tiefe Kosten, flexibel und skalierbar – Platform-as-a-Service hat viele Vorteile für Firmen. Swisscom hat am HackZurich erstmals ein eigenes PaaS-Angebot getestet.

Urs Binder

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Pizza in der Fläche eines Tenniscourts, 20’280 Arbeitsstunden, fast 30 Millionen Tastenanschläge: Der HackZurich ist die grösste Veranstaltung seiner Art in Europa und war 2015 voll ausgebucht. Über 500 meist junge und äusserst enthusiastische Entwickler kamen Anfang Oktober im Zürcher Technopark zusammen, mehr als 1200 hatten sich beworben.

 

Die Teilnehmer verwandelten in einer 40-stündigen Nonstop-Par-force-Tour ihre Ideen in Programmcodes – und die gesamte Lobby des Technoparks in einen hektischen Bienenstock mit Laptops, Netzwerkkabeln, Rucksäcken und Schlafmatten. Programmiert wurde in kleinen 2er- bis 4er-Teams.

Viel Erholung konnten sich die Teilnehmer von Freitagabend bis Sonntagmorgen nicht gönnen. Nur mit ordentlich Koffein liessen sich die 123 eingereichten Projekte in der knappen Zeit zu funktionsfähiger Software vorantreiben. Kein Wunder, dass die meisten Hacker fast schon ungeduldig auf den Startschuss zum Hacking-Marathon warteten. Nicht zuletzt auch deshalb, weil für die besten Projekte attraktive Preise vergeben wurden.

 

1/5 Vor dem Beginn des 40-stündigen Hacking-Marathons machen die Teilnehmer einen absolut frischen Eindruck. Aus Leidenschaft am Entwickeln nimmt Pascal Reichmuth am HackZurich teil – und weil er hier fokussiert etwas umsetzen kann, wofür im Arbeitsalltag keine Zeit bleibt.

2/5 Architektur und Design sind zentrale Elemente jedes Softwareprojekts. Für die Planung nutzten die Teilnehmer des HackZurich alle denkbaren Methoden, von handgezeichneten Diagrammen über Kanban-Boards bis zu Projektmanagement-Tools in Softwareform.

3/5 Intensives Denken erfordert adäquate Nahrung für Körper und Gehirn. Die HackZurich-Teams waren dank Sponsoren gut versorgt. Zum Einsatz kamen beispielsweise über 4000 Quadratmeter Pizza, Tausende von Sandwiches und Unmengen von Red Bull und Kaffee.

4/5 Code, Build, Test, Review, … Dieser Zyklus dürfte am Hackathon zigtausendmal abgelaufen sein. Die Organisatoren verzeichneten 29.7 Millionen Tastenanschläge, 2.18 Terabyte Internet-Traffic und sechs Kilometer Ethernet-Kabel.

5/5 Internet of Things am Rand des HackZurich auf ganz besondere Art: Drinks mixen per Softwaresteuerung. Die Alkoholika kamen selbstverständlich erst nach Projektabschluss ins Spiel.

1/5 Vor dem Beginn des 40-stündigen Hacking-Marathons machen die Teilnehmer einen absolut frischen Eindruck. Aus Leidenschaft am Entwickeln nimmt Pascal Reichmuth am HackZurich teil – und weil er hier fokussiert etwas umsetzen kann, wofür im Arbeitsalltag keine Zeit bleibt.
Achtung, fertig, entwickeln!

Der User-Experience-Spezialist Pascal Reichmuth nahm zusammen mit drei Kollegen zum ersten Mal am HackZurich teil. «Wir haben einfach Spass am Entwickeln und können hier ausserhalb des Arbeitsalltags etwas machen, wozu wir sonst keine Zeit finden», schildert er die Motivation für die Teilnahme. Die vier kannten sich bereits, sie arbeiten alle beim gleichen Unternehmen. «Eine Idee haben wir schon, wir wollen uns aber zusätzlich von den Workshops der Sponsoren inspirieren lassen. Dann entscheiden wir, was wir mit welchen Plattformen entwickeln wollen.» Reichmuth betont auch, dass es an einem Hackathon nicht darum geht, eine marktreif polierte Lösung zu erstellen. Das Ziel sei, einen ersten Prototyp zu bauen, damit man sieht, was das Team erreicht hat.

 

Neue Entwicklungs- und Betriebsmodelle

Sehr wenig Zeit von der ersten Codezeile bis zur fertigen Lösung – eine ähnliche Entwicklung wie am HackZurich zeigt sich auch in der Wirtschaft. Unternehmen müssen agil auf Marktanforderungen reagieren und können nicht Monate warten, bis das Projekt umgesetzt ist. Die IT-Abteilung ihrerseits kann die geforderte Agilität nur bieten, wenn sie von Routineaufgaben entlastet wird. Statt zuerst zeitaufwendig Server aufzusetzen, sollte sie solche Aufgaben erstens sofort erledigen, sich zweitens nicht um die Details des Betriebs kümmern und drittens die Leistung jederzeit auf das gerade benötigte Niveau skalieren können.

 

Application-Platform-as-a-Service-Angebote (kurz PaaS) versprechen, genau diese Probleme zu lösen. Es handelt sich dabei um cloudbasierte Dienste, die eine komplette Plattform für Entwicklung und Ausführung von Software-Anwendungen samt Betriebssystem, Middleware und Runtime-Umgebung bereitstellen. Anfangs kamen PaaS-Dienste praktisch ausschliesslich als Entwicklungs- und Testumgebung zum Einsatz und fristeten lange Zeit ein Nischendasein.

 

Schweizer Premiere

Zurück zum HackZurich. Hier hatte ein neues PaaS-Angebot seine Premiere: Die Swisscom Application Cloud stand nach einer längeren Testphase erstmals einem breiten Nutzerkreis zur Verfügung. Marco Hochstrasser, Head of Application Cloud bei Swisscom, war hoch- zufrieden: «Die Plattform stand allen HackZurich-Teilnehmern kostenlos zur Verfügung. Das Angebot kam sehr gut an, über 300 Entwickler haben sich für die App Cloud registriert, und das Thema wurde auf Twitter und anderen Social-Media-Kanälen rege diskutiert.»

 

Als Basis für die Swisscom Application Cloud dient die Open-Source-Plattform Cloud Foundry, für Marco Hochstrasser ein entscheidendes Kriterium: «Cloud Foundry erlebt im Markt einen grossen Schwung. Und da es sich um einen offenen Standard handelt, können Kunden von Cloud-Foundry-basierten PaaS-Diensten einfacher zwischen Anbietern wählen und wechseln als bei proprietären Plattformen.»

 

Präsentation der Gewinner: «Gewonnen haben wir zwar nicht, aber es hat Spass gemacht und wir haben viel gelernt», fasst Pascal Reichmuth zusammen.

 

Bezüglich aPaas hinkt die Schweiz laut Hochstrasser den USA zwar 2 bis 3 Jahre hinterher. «Aber wir sehen, dass viele Entwickler genau darauf gewartet haben, was wir nun anbieten – das Interesse ist da, der Markt ist jetzt bereit.» Der Wettbewerb allerdings auch: Die Swisscom Application Cloud ist nicht das erste und nicht das einzige aPaaS-Angebot, das Schweizer Entwickler nutzen können. Neben Branchengrössen wie Google, Amazon oder Microsoft offerieren einige kleinere Anbieter aus der Schweiz aPaaS-Dienste.

 

Das Swisscom Angebot steht jedoch gut da. Im Gegensatz zu den globalen Playern kann Swisscom den Kunden garantieren, dass alle Anwendungen und Daten ausschliesslich in hochsicheren Schweizer Rechenzentren untergebracht sind. Die Kosten werden in Schweizer Franken verrechnet, es ist nicht mit Währungsschwankungen zu rechnen. Und im Vergleich zu kleineren Anbietern geniessen die Kunden die Vorteile einer hochskalierbaren, mehrfach redundant angelegten Infrastruktur mit hoher Serviceverfügbarkeit.

 

Für Entwickler und Unternehmen

Vor der öffentlichen Lancierung hat Swisscom die Application Cloud ausgiebig getestet und nutzt sie bereits selbst, wie Marco Hochstrasser unterstreicht: «Wir wollen damit nicht nur die Digitalisierung der Schweizer Unternehmen fördern, sondern setzen die Plattform auch intern ein. Es ist uns wichtig, die eigenen Applikationen mehr und mehr in dieses Betriebsmodell zu führen.» Auch einige Geschäftskunden konnten die Application Cloud schon ausprobieren und werden sie künftig einsetzen, darunter ein Industrieunternehmen und eine Versicherung, die nicht nur den Schweizer Markt bedienen wollen. «Unser Angebot muss also zwingend auch global funktionieren», hält Hochstrasser fest.

 

Team müde, Ziel erreicht

«Gewonnen haben wir zwar nicht, aber es hat Spass gemacht und wir haben viel gelernt», fasst Pascal Reichmuth nach der Schlusszeremonie die Erfahrungen seines Teams am HackZurich zusammen. «Auf dem Weg haben wir immer wieder gemerkt, dass es noch etwas Zusätzliches braucht. Zum Schluss haben wir in unsere Anwendung rund 10 verschiedene Dienste integriert.»

«Es hat sich nur schon wegen des Spirits gelohnt, am HackZurich teilzunehmen»

Pascal Reichmuth, User Experience Architect 

Das Team hat eine intelligente Wohnungssuche entwickelt, die neben der Grösse des Objekts auch persönliche Vorlieben sowie die Erreichbarkeit verschiedener Ziele mit Fokus auf öffentliche Verkehrsmittel berücksichtigt. «Wir haben zwei Node.js-Apps gebaut und nutzen eine MongoDB. Für den Betrieb haben wir die Swisscom Cloud gewählt, zunächst vor allem, weil wir etwas Neues ausprobieren wollten – die Clouds von IBM und Microsoft kannten wir bereits.» Dass Swisscom viel Fachpersonal vor Ort hatte, erwies sich für Reichmuths Team als Glücksfall: «Wir hatten noch keine Erfahrungen mit der Swisscom Cloud und machten anfangs einen Überlegungsfehler. Im Tandem mit den Swisscom Leuten konnten wir das Problem schnell lösen.»

 

Es habe sich definitiv gelohnt, am HackZurich teilzunehmen, zieht Reichmuth sein Fazit, «nur schon wegen dem Spirit. Lustig fand ich auch, dass alle Klischees über Entwickler erfüllt wurden. Es hat mit Pizza angefangen, wir haben tonnenweise Red Bull vernichtet und insgesamt nur 4 Stunden geschlafen.»

 

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developer.swisscom.com

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www.hackzurich.com

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