Kolumne

Ins Licht mit der Schatten-IT

Gehören Benutzer von «Schatten-IT» umgehend ins Gefängnis? Über Sicherheit, Grabenkämpfe und das Gängelband der IT.

Andreas Heer

Mit einem metallenen «Klick» schnappten die Handschellen zu. Der Polizist, der mich zum zivilen Dienstauto führte, murmelte etwas von «Fluchtgefahr». Sein Kollege mühte sich derweil damit ab, meinen grossen Monitor – 34 Zoll, gebogen – die Stufen des Treppenhauses hinunterzuschleppen.

 

Im Auto, das mich zum Polizeiposten fuhr, lagen bereits meine drei Notebooks säuberlich verpackt im Kofferraum. Im Auto nahm mir der Polizist die Handschellen ab. Ich rieb meine Handgelenke und liess die Gedanken kreisen. War es die Produktepräsentation zur geplanten innovativen Neuentwicklung? Oder doch der Businessplan, den ich heimlich meinem Kollegen über meinen privaten Online-Speicher zugespielt hatte? 

 

Dabei hatte alles so harmlos begonnen. Kurz, nachdem ich meinen neuen Job im Produktemarketing begonnen hatte, war es mir zu mühsam geworden, von unterwegs immer eine VPN-Verbindung aufzubauen, um die Unterlagen zur geplanten Neueinführung auf dem internen Firmen-Server abzulegen. Wie viel bequemer war es doch, direkt über meinen privaten Online-Speicher zu arbeiten. Und das am Abend über mein schickes privates Design-Notebook und nicht auf der alten Schepperkiste, wie ich mein Geschäfts-Notebook getauft hatte. 

«Veraltete Technik und überhaupt, wer nicht auf diese modernen Cloud-Dienste setze, sei ohnehin verloren, sagte der junge Kollege von der IT.»

Und überhaupt, Termine, Todos und sogar geschäftliche Mails waren viel leichter zu bearbeiten, wenn ich sie über mein Cloud-Konto erledigte. Das Tool hatte mir mein junger Kollege von der IT gezeigt. Nach dem vierten Bier an jenem Montagabend hatte er sich bei mir darüber ausgeweint, wie langweilig doch sein Alltag sei. Veraltete Technik und überhaupt, wer nicht auf diese modernen Cloud-Dienste setze, sei ohnehin verloren. Und mir beim abschliessenden Schnaps gezeigt, wie man heute arbeiten müsste – seiner Vorstellung nach.

 

Als ihm einige Monate später gekündigt wurde, hatte ich längst vergessen, dass ich ihm ein paar der vertraulichen Dokumente auf meinem Online-Speicher freigegeben hatte, um die Sharing-Funktion und das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten auszuprobieren. Ich konnte ja nicht wissen, dass er diese Unterlagen heimlich seinem neuen Arbeitgeber – unserem wichtigsten Konkurrenten – weitergeleitet hatte. Das erfuhr ich erst vom Untersuchungsbeamten, der mir in einem kahl eingerichteten Büroraum eröffnete, dass gegen mich ein Verfahren wegen Wirtschaftsspionage eingeleitet worden sei.

 

«Nein, das ist viel zu drastisch», ging es mir durch den Kopf, als ich mein Referat für den internen Security-Workshop speicherte. Ich beschloss, mir morgen eine etwas positivere Geschichte auszudenken. Die Idee dazu würde ich gleich am Vormittag mit dem Chief Security Officer per Chat auf dem Cloud-Dienst diskutieren, den wir wegen seiner Benutzerfreundlichkeit beide intensiv nutzten. Ich nahm mir vor, dabei auch gleich die Diskussion anzustossen, wie wir Benutzer dieser «Schatten-IT» künftig besser unterstützen könnten. Lieber das Gängelband der IT etwas lockern, als wirklich in Handschellen zu enden.

Andreas Heer

Hat als langjähriger IT-Journalist die verschiedenen Schattierungen der Business-IT kennengelernt und betreut heute die Swisscom KMU Business World. Ohne Cloud-Dienste wäre sein Leben wesentlich komplizierter, davon ist er überzeugt.

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