Titelthema: Application Cloud

Auf Wolke PaaS: Flexibel und schnell zur neuen Software

Application-Platform-as-a-Service-Angebote (PaaS) sind die Werkzeuge der Stunde. Doch was bedeutet das für die Zukunft der Software-Entwicklung?

Urs Binder

Schnell am Markt – diese Forderung schlägt zunehmend auch auf die Software-Entwicklung durch. Application-Platform-as-a-Service-Angebote (PaaS) sind daher das Werkzeug der Stunde. Die cloudbasierten Dienste bieten eine komplette Plattform für Entwicklung und Ausführung von Software-Anwendungen samt Betriebssystem, Middleware und Runtime-Umgebung. Der Aufbau einer eigenen Infrastruktur entfällt, die Anwenderfirmen gewinnen Zeit und Zuverlässigkeit zu tieferen Kosten. Trotzdem fristeten PaaS-Dienste lange Zeit ein Nischendasein. Das hat sich jedoch geändert.

 

Christof Marti, Dozent und technischer Leiter des Themas Cloud-Plattformen im ICCLab der ZHAW School of Engineering, stellt fest: «In der Schweizer Wirtschaft wurden PaaS-Dienste bisher nicht stark genutzt. Seit gut einem Jahr erhalten wir nun mehr Anfragen nach PaaS. Früher interessierten sich die Unternehmen punkto Cloud Computing vor allem für Infrastrukturdienste. Jetzt fragen sie sich, wie sie ihre Anwendungen direkt in die Cloud bringen können.» Sein Kollege Thomas Michael Bohnert, Schwerpunktleiter Service Engineering am Institut für angewandte Informationstechnologie, bestätigt: «In der ZHAW befassen sich rund 30 Leute mit Cloud Computing. Das Thema Infrastruktur ist in der Forschung nahezu abgearbeitet. Plattformen sind zudem für Software-Anbieter und - Anwender näher an der Wertschöpfung – Geld wird mit Applikationen verdient und nicht mit der Infrastruktur.»

 

Plattformen auf Erfolgskurs

PaaS-Plattformen werden demnach heute breiter und zunehmend auch zum Betrieb der entwickelten Software genutzt. So etwa bei AXA Winterthur, wie Urs Stoob berichtet: «Die AXA ist daran, für Java- und .NET-Anwendungen eine PaaS-Capability aufzubauen, um die Software-Entwickler von administrativen Tätigkeiten zu entlasten.» Stoob ist als Director Sales & Digital Business Applications für rund 100 Anwendungen zuständig.

 

AXA Winterthur betrieb ihre PaaS-Plattform bisher als Private PaaS im eigenen Rechenzentrum. «Generell sehe ich heute aber einen eigentlichen Umbruch: Durch die Anbieter von Public-PaaS-Diensten wird Platform as a Service gang und gäbe. Die Frage ist: Macht man es noch selbst oder setzt man auf einen Provider.» Aus datenschutzrechtlichen Gründen, so Stoob weiter, komme indes oft eher ein hybrider Ansatz mit PaaS-Diensten kombiniert aus der eigenen Private und der Public Cloud zum Einsatz. Als generelle Herausforderung bleibe bei allen Varianten die Integration mit der Core-IT.

 

Für das Management, die Pflege und den Betrieb einer PaaS-Umgebung und der zugrundeliegenden Infrastruktur ist ausschliesslich der Anbieter zuständig, sei es das eigene Rechenzentrum oder ein Cloud-Provider. Der Entwickler kann sich voll und ganz auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und sein Projekt sofort in die Tat umsetzen. Die gewünschte Umgebung konfiguriert er über ein Self-Service-Portal mit wenigen Mausklicks. Die Plattform provisioniert die benötigten Ressourcen automatisch. Vor Ort braucht der Entwickler nur einen Computer mit Webbrowser und Internet-Anschluss.

 

Unternehmen im Vorteil

Aus Unternehmenssicht unterstützt PaaS moderne kombinierte Entwicklungs- und Betriebskonzepte wie DevOps und Continuous Delivery. Verbesserungen und Anpassungen der Software werden dabei mithilfe von automatisierten Test- und Bereitstellungsverfahren laufend in den Betrieb übernommen. Das kommt der Agilität zugute, beschleunigt die Time-to-Market, fördert die Standardisierung und die Transparenz der Entwicklungs- und Betriebsprozesse und senkt letztlich auch die Kosten.

 

Investitionen in die Infrastruktur entfallen. Die PaaS-Dienste werden nach dem Pay-per-Use-Prinzip gemäss dem aktuellen Ressourcenbedarf bezahlt. Das macht PaaS gerade für Start-ups attraktiv, die kein Budget für eine eigene Infrastruktur mit hoher Verfügbarkeit und Skalierbarkeit haben.

«PaaS-Plattformen haben so viele Vorteile, dass man sich ihnen nicht verschliessen kann»

Urs Stoob, Director Sales & Digital Business Applications, AXA Winterthur

Das Fazit von Urs Stoob: «Der Schlüssel liegt nicht darin, mit Cloud Computing wie in der Vergangenheit ein paar Effizienzvorteile auf Infrastrukturebene herauszukitzeln. Es geht darum, echte Anwendungsplattformen bereitzustellen. Der eigentliche Wert kommt erst durch die automatisierten Mechanismen.»

 

Christof Marti betont einen weiteren Aspekt: «Man kann mit PaaS sehr schnell Neues ausprobieren und problemlos wieder auf die vorherige Version zurückgehen, wenn etwas nicht klappt. Der ganze Innovationszyklus wird verkürzt, weil man sich nicht mehr um die Infrastruktur kümmern muss und sich ganz der Funktionalität der Software widmen kann.» Ausbaubedarf sieht Marti bei den Werkzeugen, die für Überwachung, Betrieb, Produktionsübergabe und Aktualisierung der Anwendungen benötigt werden: «Beim Tooling sind die PaaS-Anbieter noch in der Entwicklungsphase. Auch für uns in der Forschung ist das ein interessantes Thema. Und es hat Marktpotenzial für Entwickler, die solche Tools anbieten.»

«Plattformen sind näher an der Wertschöpfung – Geld wird mit Applikationen verdient und nicht mit der Infrastruktur»

Prof. Thomas Michael Bohnert, ZHAW School of Engineering 

Die Zukunft der Software-Entwicklung

Marktforscher sehen für PaaS-Angebote allgemein – neben PaaS werden auch Integrations- und Governance-Plattformen (iPaaS) als Cloud-Dienste angeboten – eine erfreuliche Zukunft. IDC zum Beispiel prognostiziert bei einer jährlichen Steigerung von 30 Prozent für 2017 Umsätze von 14 Milliarden Dollar weltweit. Über 10 Prozent der gesamten Ausgaben für Entwicklung und Betrieb von Anwendungen sollen dann auf PaaS-Dienste entfallen. Die Experton Group zieht in ihrem «Cloud Vendor Benchmark 2015» den Schluss, PaaS werde Hotspot 2014 und werde schneller Commodity als erwartet.

 

«Nachdem wir erste Erfahrungen gemacht haben, was PaaS für die Anwendungsentwicklung bedeutet, nehmen wir uns für die kommenden Jahre eine aggressive Migrationsstrategie vor», schildert Urs Stoob die Pläne der AXA. «PaaS macht den Entwicklern mehr Spass, wirkt sich günstig auf die Kosten aus, ist flexibler und skalierbarer – diese Cloud-Plattformen haben so viele Vorteile, dass man sich ihnen nicht verschliessen kann.» Die Prognose aus der Hochschule geht in dieselbe Richtung: «In fünf Jahren wird mehr als die Hälfte der neu entwickelten Software auf PaaS-Basis laufen», so Christof Marti. 

 

Die Cloud in der Cloud

Swisscom betreibt eine integrierte Cloud-Plattform mit Infrastrukturdiensten (IaaS) wie Prozessorleistung, Speicher, Netzwerk und Sicherheitselemente, die als Basis für zahlreiche Managed Services dient. Auch die Cloud-Foundry-Umgebung, die ihrerseits die Grundlage für die PaaS-Dienste bildet, setzt auf der Swisscom Cloud auf. Als grösster Schweizer Anbieter von Telekommunikations- und Cloud-Diensten kann Swisscom den Kunden eine komplette Technologieplattform aus einer Hand anbieten.

Die Application Cloud ist das erste Cloud-Produkt von Swisscom, das sich ausdrücklich auch an Entwickler und Start-ups aus der Schweiz und aus ganz Europa richtet. Das Unternehmen bedient damit ein neues Kundensegment. Die Dienste der Application Cloud können, wie bei anderen PaaS-Anbietern üblich, unkompliziert über ein Webportal bestellt und mit Kreditkarte bezahlt werden – für Swisscom ein Novum. Unternehmenskunden können die Application Cloud ab 2016 auch in einer Virtual-Private-Ausprägung mit individuellem Portal und Kostenabrechnung per Rechnung nutzen.

 
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