In diesem Taxi bleibt der Fahrersitz frei
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In diesem Taxi bleibt der Fahrersitz frei

Als Marty McFly in «Back to the Future» in das Jahr 2015 reist, erwarten ihn an seiner Destination Hoverboards und fliegende Autos – eine Prognose, mit der sich die Macher des Filmes wohl leicht verschätzt haben. Heute sind wir zwar immer noch weit entfernt von einer Welt, in der wir durch die Luft zur Arbeit düsen und schwebend im Stau stehen. Dafür müssen wir vielleicht bald nicht mehr selbst fahren.

Das ist mindestens genauso beeindruckend: In vollautonomen Fahrzeugen sitzt niemand hinter dem Steuer. Das Auto reagiert in jeder Situation basierend auf Daten, die während unterschiedlichsten realen Verkehrssituationen gesammelt wurden. Ob vollautonome Autos zur Erhöhung der Sicherheit beitragen? Immerhin sind laut dem Auto Club Europa (ACE) bis jetzt 90 Prozent aller Crashes auf menschliches Versagen zurückzuführen. 

Für alle, die sich deshalb bereits in ein selbstfahrendes Auto trauen würden: Wir zeigen Ihnen, wie ein vollautonomes Taxi aus Arizona der Startschuss in eine fahrerlose Zukunft sein könnte und warum 5G ein wichtiger Vorantreiber dieser Innovation ist. 

Der Laserscanner kreiert eine detaillierte 3D-Karte der Umgebung.

Für Taxifahrten ohne Small Talk

Im US-Bundesstaat Arizona lässt die Firma Waymo schon eine Weile ihre Roboterautos als Taxis fahren. Seit 2017 haben sie 100’000 Fahrten mit Menschen aus der Bevölkerung abgeschlossen. Hinter dem Steuer sass bis anhin noch eine Sicherheitsperson zur Kontrolle. Die Automation soll aber schon so gut gewesen sein, dass die Sicherheitsperson pro 1000 gefahrenen Meilen nur 0,09 Mal eingreifen musste.

Waymo plant bereits vollautonome Lastwagen und Transporter. 

Jetzt hat das Warten ein Ende: Seit Oktober 2020 können Menschen in der Gegend rund um Phoenix via App ein Geistertaxi bestellen. Die Türen zum Auto werden via Bluetooth geöffnet. Begrüsst wird der Gast von der Stimme eines Live-Rider-Support-Agents und einem kurzen Sicherheitsvideo. Sobald bereit, drückt der Gast den «Start Ride»-Knopf. Das Steuerrad fängt an, sich von alleine zu drehen – daran muss man sich erst mal gewöhnen. Während des Fahrens können Gäste auf einem Bildschirm am Vordersitz ein 3D-Rendering der Umgebung und von vorbeifahrenden Verkehrsteilnehmern mitverfolgen, um aus der Vogelperspektive zu sehen, wie das Auto handelt. Ausserdem lässt sich jederzeit mit einem Live-Rider-Support-Agent reden, um beispielsweise Anweisungen zu geben, das Auto anzuhalten. Wer einfach nur abschalten möchte, lässt via Google Play Musik abspielen. Erstaunlicherweise finden laut Waymo vor allem Familien mit Kindern am Service Gefallen. Ohne den Überblick zu verlieren, können sich Eltern um ihre Kinder kümmern und auf dem Weg gemeinsam Kaffee trinken. 

Sind wir bereit für solche Technologien?

Generell steht die Schweizer Bevölkerung dem autonomen Fahren kritisch gegenüber. In einer Umfrage der Hochschule St. Gallen würden von 2000 Befragten nur weniger als die Hälfte in ein vollautonomes Auto steigen.  

Die öffentliche Akzeptanz von autonomen Fahrzeugen ist also noch tief – und wird auch noch eine Weile so bleiben. Unerwartete Hindernisse wie kaputte Ampeln oder wetterbedingte Zwischenfälle bereiten autonomen Autos immer noch Mühe und lassen User zweifeln. Damit sich Menschen auf fahrerlose Autos einlassen, braucht es von Automobilherstellern sowie von Mobilitätsdienstleistern viel Aufklärungsarbeit und Testfahrten, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Nur so fassen Menschen Vertrauen zu neuen Technologien.

Der Launch kommt aber genau zur richtigen Zeit: Während der Corona-Pandemie könnte der fahrerlose Taxi-Dienst wesentlich zum Schutz vor Infektionen beitragen. Ausserdem würden viele Personengruppen, die bis anhin im Strassenverkehr benachteiligt waren, von diesem Service profitieren. Menschen mit schlechter Sicht oder Seniorinnen und Senioren in von Autos abhängigen Wohngegenden könnten sich dank vollautonomer Fahrzeuge mobiler und flexibler bewegen. 

Mit 5G in die Zukunft fahren

In Zukunft können Fahrzeuge nicht nur selbst Entscheidungen treffen, sondern auch untereinander kommunizieren. Somit entsteht ein kollektiv vernetztes Verkehrssystem. 5G spielt in dem Prozess eine wichtige Rolle. Mittels Network-Slicing wird das Funknetz in virtuelle Netzebenen geteilt. Eine dieser Ebenen wird beispielsweise für automatisiertes Fahren genutzt. So werden sicherheitsrelevante Benachrichtigungen über andere parallel genutzte Entertainment-Dienste priorisiert, und einer störfreien Kommunikation steht nichts mehr im Weg. 

Dank vollautonomer Fahrzeuge nie wieder Stau?

Das vorgestellte Pilotprojekt zeigt, dass sich autonome Fahrzeuge durchaus als sicheres und effizientes Transportmittel erweisen. Laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos werden autonome Fahrzeuge aber erst in den 2030er-Jahren allmählich auf den Strassen unterwegs sein. Das liegt vermutlich daran, dass Autos im Durchschnitt bis zu zwanzig Jahre im Einsatz sind und neue Technologien nur langsam im Gesamtbild bemerkbar werden. Bis dahin träumen wir weiter von Hoverboards und fliegenden Autos.

Bereit für die Chancen der vernetzten Welt.

Der digitale Wandel verändert unsere Welt, macht vieles möglich und fordert uns alle auf eine andere Art und Weise. Mit der neuen Webserie «Shift» schauen wir genau hin, um herauszufinden, welchen Einfluss Technologie und Digitalisierung auf unseren Alltag und unsere Gesellschaft haben.

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