Sind soziale Netzwerke Neidwerke?
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Sind soziale Netzwerke Neidwerke?

Immer wieder heisst es: Soziale Netzwerke erhöhen den Wettbewerbsdruck unter Jugendlichen. Machen sie unsere Kinder neidisch, einsam oder gar süchtig?

Michael In Albon

Medienkompetenzexperte Michael In Albon

Michael In Albon ist Leiter «Schulen ans Internet» und Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom. Er verantwortet das Programm der Swisscom-Medienkurse, bei denen jährlich über 25’000 Personen teilnehmen. Für Swisscom Magazin schreibt er regelmässig zu aktuellen Medienkompetenzthemen.

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Wenn Menschen soziale Netzwerke nutzen, um sich zu produzieren, ist es allzu menschlich, sich von der besten Seite zu zeigen: Als besonders schön, als besonders schlau, mutig, stark. Der Effekt dieses Verhaltens beim Leser: Neid. So möchte man auch sein, und versucht, sich in seinem nächsten Post noch schöner, schlauer, mutiger zu präsentieren.

Vor allem in der Pubertät stellen Jugendliche alles auf den Prüfstand. Freundinnen und Freunde bekommen einen immer grösseren Platz in ihrem Leben. Und mit ihren Freunden wollen sie sich messen – bezüglich des Aussehens, der Coolness, der Leistung im Sport oder in der Schule. Wer erfolgreich abschneidet, steigert sein Selbstwertgefühl und wächst – vielleicht sogar über sich hinaus. Wer unterliegt, entwickelt im besten Fall Strategien, mit Misserfolgen umzugehen. So betrachtet, sind digitale Medien ein weiteres Wettbewerbsfeld – neben dem Sportklub etwa, der Schule oder dem Skilager.

Selbstbewusstsein hilft

Ihnen als Eltern kommt in der Pubertät eine wichtige Rolle zu. Fördern Sie das Selbstvertrauen Ihres Teenagers, indem Sie ihm Dinge zutrauen. Übertragen Sie ihm zum Beispiel Aufgaben, die Sie bis dahin lieber selbst erledigt haben. Loben Sie Ihr Kind, wenn es klappt – auch wenn Tempo und Stil nicht ganz Ihren Vorstellungen entsprechen! Damit sich Ihr Teenager in seiner Haut wohler fühlt, sollten Sie als Eltern zudem genau zuhören, was Ihr Kind an sich nicht mag. Fragen Sie aber auch nach, was es an sich schön, stark oder einzigartig findet. Sich ausschliesslich auf Negatives zu konzentrieren, geht nicht. Fordern Sie Ihr Kind heraus, sich differenziert wahrzunehmen und seine Stärken positiv hervorzuheben. Wie könnte es das tun? Wo und wann? Und wie könnte es seine starken Seiten auch online einsetzen? Suchen sie gleichzeitig gemeinsam nach Möglichkeiten, eine Schwäche zu beheben. Verlangen Sie von Ihrem Teenager aber auch Reife: Bestärken Sie ihn darin, seinen Blickwinkel auf Lösungen zu konzentrieren. Tun Sie das immer wieder. Denn ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln, braucht Zeit. Wenn Sie als Eltern aber das Selbstbewusstsein Ihres Kindes stärken, kann es sich auch online besser distanzieren und für sich einstehen.

Diese Kolumne wurde in Deutscher Sprache im Elternmagazin Fritz & Fränzi im Dezember 2014 erstmals publiziert. www.fritzundfraenzi.ch

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