Switzerland Connected: Das Experiment stand auf der Kippe
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Switzerland Connected: Das Experiment stand auf der Kippe

Am 13. Januar schrieben Bligg, Marc Sway, Flavie Léa und viele andere Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Schweiz Geschichte. Zum ersten Mal überhaupt gelang ein gemeinsames Konzert auf Distanz – etwas, das bisher als technisch unmöglich galt. Noch kurz vor der Sendung kämpften die Techniker mit schier unlösbaren Hindernissen. Bis der Zufall zu Hilfe kam. 

Mittwoch, 13. Januar 18.29 Uhr. Überall fliessen Tränen – im Schloss Chillon, über den Dächern von Bern, im Theater Bellinzona, in einer Skihütte in Klosters, im Zürcher Volkshaus und in der TV-Regie in Volketswil. Denn soeben ist gelungen, was technisch bislang weltweit als unmöglich galt: 15 Musiker sangen live von sechs verschiedenen Standorten aus. Getrennt und doch vereint. Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Schweiz mit dem zweiten Lockdown erneut vor dem Corona-Virus kapitulieren muss, ist damit klargestellt: Es geht eben doch – und es geht sicher. Dank Technologie.  

Die heimtückische Latenz

Bereit für den gemeinsamen Moment

In Zeiten, in denen gemeinschaftliche Erlebnisse und Momente eine Rarität geworden sind, wagten wir den Versuch, einen grossen, gemeinsamen Moment zu kreieren und veranstalteten mit «Switzerland Connected» das erste digitale Livemusik-Experiment der Schweiz.

Dabei sah noch vier Stunden vorher alles anders aus. Zum wiederholten Mal war das Experiment in den Proben gescheitert. Nicht von ungefähr war es davor nie gelungen. Seit zwei Tagen setzten die Sänger immer wieder an – und fielen sich buchstäblich ins Wort. Die sogenannte Latenz oder Reaktionszeit – die verzögerte Übermittlung von Bild und Ton – trieb immer wieder einen Keil zwischen die Beine der Beteiligten.  

Der Router zum Glück

Dann gab auch noch ein Router in Bellinzona den Geist auf. Ein Glücksfall, wie sich später zeigen sollte. Denn bei der Reparatur fiel auf: Der Router verband sich neben dem Festnetz immer wieder mit dem Mobilfunknetz. Ein natürlicher Vorgang, da viele Swisscom-Router das Mobilnetz als Ausfallsicherung nutzen. Bei einem Unterbruch verbindet sich der Router automatisch über 4G. Und testet im Alltag immer wieder, ob diese Verbindung bereitsteht, in dem er für einen kurzen Moment eine zweite Verbindung über Mobilnetz aufbaut.

Was im Alltag zur zusätzlichen Stabilität beiträgt, erreichte hier genau das Gegenteil: Denn um die Musiker zusammenzuschalten, mussten die Techniker die Verzögerung exakt berechnen und dann über eine spezielle Software ausgleichen. Durch die zweite Verbindung aber schwankte die Länge der Verzögerung und die Software war nicht in der Lage, das Problem auszugleichen. Denn nur mit einer absoluten Gleichzeitigkeit können die Musiker synchron singen – auch wenn sie an verschiedenen Orten sind und dabei unterschiedliche Technologien nutzen: Im Fall von Switzerland Connected waren das primär Glasfaser und 5G.  

Eine Stunde vor der Sendung stand die Diagnose – für eine weitere Probe blieb aber keine Zeit mehr. Den Technikern bliebt nur noch, die Notverbindungen zu kappen und zu hoffen, tatsächlich den richtigen Grund gefunden zu haben. 
 
Der Rest ist Geschichte. Und geht in die Geschichte ein. Aber sehen Sie selber: 

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