«Menschen glauben eher Informationen, die ihr Weltbild bestätigen»
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«Menschen glauben eher Informationen, die ihr Weltbild bestätigen»

Dr. Edda Humprecht

Dr. Edda Humprecht forscht am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich zu politischer Kommunikation, digitalem Journalismus und Ländervergleich. Seit 2016 widmet sie sich dem Thema Falschinformationen und leitet seit 2019 ein internationales Forschungsprojekt dazu.

Michael In Albon

Michael In Albon, Vater von zwei Söhnen (11 und 13 Jahre), ist Jugendmedienschutz-Beauftragter von Swisscom. 

Was sind Fake-News? Wie verbreiten sie sich? Wer sind die Täter? Und wie können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen nicht auf Fake-News im Netz hereinzufallen? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert Dr. Edda Humprecht im Interview.

In unserem neuesten Ratgeber enter zum Thema «Fake News» konnten wir mit Dr. Humprecht bereits einige Punkte zum Mechanismus von Desinformation ansprechen. Wir wollten aber nochmals nachfragen. Erfahren Sie hier unter anderem, wie wir Eltern unseren Kindern helfen können, nicht auf Fake News reinzufallen.

Was sind Fake-News?

Fake News ist ein politisierter Begriff, der wissenschaftlich eigentlich nicht verwendet wird. Hier gilt die Unterscheidung zwischen Desinformation und Misinformation. Bei Ersterem handelt es sich um falsche Nachrichten, die gezielt verbreitet werden, um die öffentliche Meinung zu manipulieren. Misinformation hingegen ist eine unbeabsichtigte Fehl-Information.

Verbreitung von Desinformation

Menschen glauben eher Informationen, die ihr Weltbild bestätigen – auch, wenn sie falsch sind und verbreiten diese dann gerne weiter. Menschen, die Desinformationen verbreiten, nutzen dieses Wissen, um zum Beispiel Geld zu verdienen oder gezielt die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Medienratgeber «Fake News und Deepfake»

Der Ratgeber digitale Medien «enter» ist eine gedruckte und online verfügbare Broschüre, die Aspekte der Mediennutzung thematisiert. In leicht verständlichen Worten gibt sie einen vertieften Blick in das Thema. Die letzte Ausgabe befasst sich mit dem Phänomen der Fake News und ist ab sofort bestellbar.

Wie gehe ich mit dem «irren Onkel» um?

Der Kanal, mit dem Desinformationen verbreitet werden, ist entscheidend. Viele Medien haben einen Kodex und das Widerlegen von Falschmeldungen gehört zu ihrer Arbeit. In Sozialen Medien hingegen können Falschinformationen ungehindert verbreitet werden. Zur Verunsicherung der Bevölkerung trägt jedoch bei, dass einige Medien sehr profitgetrieben oder unter hohem Zeitdruck agieren und so auch unwissentlich Falschinformationen verbreiten.

Menschen (der «irre Onkel»), die an Desinformationen glauben, sind oft verunsichert. Daher sollte man sich auf keinen Fall von diesen Menschen abkehren. Es ist wichtig gut zuzuhören und die etwaigen Ängste ernst zu nehmen. Dann kann mit Quellen gegenargumentiert werden.

So können Eltern unterstüzen

Eltern sollten den Medienkonsum ihrer Kinder begleiten und mit ihnen proaktiv über die Existenz von Desinformation sprechen. Zudem gibt es ein paar grundsätzliche Punkte, die Eltern ihren Kindern mit auf den Weg geben können, um Meldungen zu prüfen:

  • Wer ist der Absender und was könnte seine Motivation sein?
  • Gibt es Auffälligkeiten oder Manipulationen in dem Beitrag?
  • Wo könnte man Informationen erhalten, die Meldung zu überprüfen?

Übersicht der Faktenfinder aus dem Video

  • Im Faktenfinder von tagesschau.de recherchiert das Team des deutschen öffentlich-rechtlichen Senders über Gerüchte und Falschmeldungen und liefert Hintergrundwissen.
  • Das Recherchekollektiv Correctiv ist eine gemeinnützige und unabhängige Redaktion, die sich zum Ziel gesetzt hat eine demokratische und offene Zilivgesellschaft zu stärken.  
  • mimikama.at gehört zum Mimikama-Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch und verfasst Analyse- und Rechercheberichte. Ein weiterer Schwerpunkt ist die persönliche Hilfestellung bei Nutzeranfragen. 
  • Das Projekt hoaxmap.org wurde von den beiden Journalistinnen Karolin Schwaz und Lutz Helm gegründet. Es trägt Falschmeldungen über Geflüchtete und nicht-weiße Personen zusammen, um die Dekonstruktion dieser zu erleichtern.

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