Fake News – was Sie dagegen tun können
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Fake News – was Sie dagegen tun können

Sie ärgern sich über Fake News? Sie sind nicht alleine. Die Webplattform «Reclaim the Facts» bietet Unterstützung.  

Ist die Regierung noch ganz bei Trost? Im deutschen Städtchen Bad Eulen spendieren die Behörden Flüchtlingen Gutscheine fürs Bordell. So jedenfalls stand es 2017 in einer Meldung auf der Website Der-volksbeobachter.de. Titel: «Gratis-Sex für Flüchtlinge – Landratamt zahlt!» 

enter – Ratgeber digitale Medien

Fake News und Deep Fake. Der neue enter thematisiert genau das: Wie funktionieren falsche Nachrichten im Netz? Wie verbreiten sie sich? Was macht sie so attraktiv?

Nur: Bad Eulen existiert genauso wenig wie die spendablen Behörden. Die Meldung war erstunken und erlogen, in die Welt gesetzt von Wissenschaftlern der Universität Stuttgart. Sie untersuchten damit die Verbreitung von Falschmeldungen. 11’000 Menschen erreichten sie innert weniger Tage. Mit minimalem Aufwand. Denn andere Nutzer teilten die Meldung via Social Media oder WhatsApp, und zwar noch so gerne.
Je empörender eine Meldung, desto stärker wird sie verbreitet – insbesondere, wenn sie das eigene Weltbild bestätigt. Wahr muss die Meldung gar nicht sein: Auf Twitter verbreiten sich Falschmeldungen mit einer um 70 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit als echte (das können Sie nun wiederum glauben oder nicht; die Erkenntnis stammt von Forschern der amerikanischen Universität MIT).

Falschmeldungen gehören zur Menschheit

«Fake News sind keine Erfindung von heute», sagt Daniel Tyradellis, der als Kurator kürzlich die Ausstellung «Fake» im Stapferhaus in Lenzburg (AG) auf die Beine gestellt hat. Klatsch und Tratsch, die berühmte Gerüchteküche – mit Halb- und Unwahrheiten wurde schon immer versucht, die Meinung der Menschen zu manipulieren.

Doch mit Internet und Social Media verbreitet sich Halbwahrheit und Vollerfundenes innert wenigen Minuten über den ganzen Planeten. Die Grenze zwischen wahr und unwahr ist fliessend, weil abhängig von der Einstellung des Empfängers. «Was eine Gesellschaft für wahr hält, hat mehr mit sozialen Entscheidungen zu tun als wirklich mit dem naturwissenschaftlichen Wahrheitsbegriff», sagt Kurator Tyradellis hierzu. 

5G und Corona – wer hat’s erfunden?

Mit der Corona-Pandemie erleben die Falschinformationen eine neue Blüte. So hält sich beispielsweise die Information, dass der neue Mobilfunkstandard 5G für Corona verantwortlich sei, hartnäckig in sozialen Medien und Kommentarspalten – und dies, obwohl sie nachweislich falsch ist.

Beispiel für die rasante Verbreitung von Fake News zum Thema 5G.

Speziell bei Reizthemen wie Corona oder 5G werden häufig ähnliche Argumentationsmuster oder gar ähnliche Textbausteine verwendet. «Das wirkt auf mich, wie wenn das Ganze professionell gesteuert ist», sagt Metzinger. Tatsächlich stecken hinter Falschinformationen oftmals handfeste Absichten von Staaten, Organisationen oder Einzelpersonen. «Solche Desinformationen gefährden nicht nur die Demokratie, sondern spalten die Gesellschaft und bieten einen Nährboden für Verschwörungstheorien und Hate speech. Ich frage mich, wie viele Verbreiter von Falschinformationen sich dessen bewusst sind, dass sie im Rahmen eines online geführten Wirtschaftskriegs missbraucht werden.»

Welche Absichten stecken hinter Fake News?

Sein Schlüsselerlebnis hatte er im vergangenen Winter, als er sich mit 5G auseinandersetzte und dabei feststellte, dass er durch die vielen Falschinformationen ein völlig verzerrtes Bild von der Technologie hatte. «Als dann 5G auch noch für Corona verantwortlich gemacht wurde, war ich zunächst fassungslos», erzählt er. Dies hat ihn schliesslich dazu motiviert, den Kampf gegen Fake-News aufzunehmen. 

Was ist wahr, was gut erfunden, was gelogen? Den Überblick zu behalten ist schwierig. «Viele Falschmeldungen basieren auf korrekten Fakten, lassen aber entscheidende Informationen weg», sagt Peter Metzinger. Der studierte Physiker und heutige Unternehmensberater aus Dietikon hat sich dem Kampf gegen Falschmeldungen verschrieben. 

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«Reclaim the Facts»: Falschmeldungen enttarnen

Mit der Webplattform Reclaimthefacts.com, die seit Mai 2020 online ist, will Metzinger der Desinformation Gegensteuer geben. Gleichzeitig engagiert er sich mit seinen Mitstreitern auch in Online-Diskussionen und versucht, Falschmeldungen als solche zu enttarnen.

«Wir wollen die Deutung der Welt und die wichtigen Entscheidungen über unsere Zukunft nicht den Verschwörungstheoretikern und manipulativen Verbreitern von Falschinformationen überlassen», heisst es im Manifest auf der Website. Beruht eine Meldung auf einem gesicherten Fakt oder bloss auf einer Behauptung? Die Website soll hier helfen. Peter Metzinger möchte Menschen dazu animieren, online in Social Media mitzudiskutieren oder Leserbriefe zu schreiben. Sich als Supporter auf der Seite registrieren ist ein erster Schritt. Aktiv werden dann der zweite.

Werden Sie selbst zum Fake-News-Bekämpfer! So geht’s: 

1. Registrieren Sie sich auf Reclaimthefacts.com als Supporter. 

2. Lesen Sie die Beiträge auf der Seite, verbreiten diese weiter und nutzen Sie die
Kommentarfunktion für Diskussionen. 

3. Bringen Sie sich in Ihren eigenen Social-Media-Kanälen oder über Leserbriefe
in Diskussionen ein und nutzen Sie die Fakten von Reclaimthefacts.com als Quelle. 

4. Begegnen Sie Meldungen auf dem Internet kritisch. Prüfen Sie, ob eine Information
von mehreren unabhängigen Quellen bestätigt ist und versuchen Sie herauszufinden,
wer der Absender der Information ist und welche Absichten er damit verfolgen könnte. 

5. Finden Sie eine Information im Netz, die Ihrer Ansicht einen Faktencheck unterzogen
werden müsste, bringen Sie diese auf Reclaimthefacts.com ein. Ihr Netzwerk kann Sie
dabei unterstützen, die Meldung auf den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

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