Kunst mit Technologie neu entdecken
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Kunst mit Technologie neu entdecken

In Lausanne beflügeln sich Kunst und Wissenschaft – dank starker Technologie 

Prof. Dr. Sarah Kenderdine ist Direktorin und leitende Kuratorin der EPFL Pavilions, erforscht interaktive Museumserlebnisse und arbeitet mit ihrem Team an der Verbindung von Kunst, Technologie und Wissenschaft. Für das Gelingen solcher Projekte spielt die starke Netzinfrastruktur eine tragende Rolle. 

Ein Besuch der EPFL Pavilions lohnt sich – aktuelle Ausstellungen hier

Was früher Leinwand, Pinsel und Bilderrahmen waren, sind heute Virtual Reality, künstliche Intelligenz und die Ränder unseres Smartphones. Neue Technologien verändern Kunst und wie wir mit ihr interagieren. Bestimmen wir in Zukunft mit unseren Hirnströmen, wie das Kunstwerk an der Museumswand vor uns aussehen wird? 

Wir zeigen fünf beeindruckende Projekte, die schon jetzt ein ganz neues Kunsterlebnis ermöglichen, und bitten Prof. Dr. Sarah Kenderdine, eine Visionärin der Verschmelzung von Kunst und Technologie, um ihre Einschätzung. 

Ein Museum in anderen Realitäten 

Quelle: https://uploadvr.com/museum-of-other-realities-vr-northway/ 

App herunterladen, VR-Brille auf und schon ist man im Museum of Other Realities. Modernste VR-Technologie macht es möglich, in den eigenen vier Wänden in die Ausstellungen dieses nur virtuell existierenden Kunstmuseums einzutauchen. Ganz ohne Eintrittskarte kann man durch die Ausstellungen schlendern und sich von den digitalen Kunstwerken überraschen lassen. 

Sarah, kann ein VR-Museum mit einem Besuch vor Ort mithalten? 

«Auf jeden Fall: Virtual, Augmented und Mixed Reality ermöglichen Besuchenden Sehenswürdigkeiten zu erleben, die sonst nicht begehbar wären. Das Museum punktet mit grosser Interaktivität und erzeugt eine starke emotionale Bindung.» 

Wie klingen Farben? 

Quelle: https://artsandculture.google.com/experiment/sgF5ivv105ukhA 

Farben und Formen hören wie der Künstler Wassily Kandinsky einst: Google macht dies mit «Play a Kandinsky» möglich. Auf der Website kann man sich durch das Projekt, das auf Machine Learning basiert, klicken und von den Geräuschkulissen der verschiedenen Farben und Formen berieseln lassen. 

Sarah, wie bitte lernt eine Maschine, wie Kandinsky zu hören? 

«Die Forschenden trainierten zunächst die neuronale Maschine auf Musik aus Kandinskys Ära. Dann liessen sie die KI neue Melodien generieren, die von den bisherigen Klängen inspiriert waren und verfeinerten so die Fähigkeit.» 

Zu den Pyramiden von Gizeh fliegen 

Quelle: Dario Floreana

Eine kurze Besichtigung von Machu Picchu oder ein spontaner Ausflug zu den Pyramiden von Gizeh? Die Forschungsgruppe der EPFL Pavilions hat Grosses vor: Erkundungsreisen mit interaktiven Besichtigungsdrohnen. Mit der Technik von FlyJacket erkunden wir Weltkulturerben und historische Stätten aus der Vogelperspektive ganz unabhängig vom Standort der Nutzenden. 

Sarah, was sind die technischen Finessen dieser Besichtigungsdrohne? 

«Der haptische Anzug ermöglicht persönliche Drohnenflüge. Mit der interaktiven Steuerung können die Besuchenden auf Details zugreifen, die vom Boden aus unmöglich zu sehen wären – ganz so wie ein Falke sie sehen würde.» 

Das Kollektiv mit den drei Armen

Quelle: https://www.washingtonpost.com/business/2020/11/05/ai-artificial-intelligence-art-sougwen-chung/ 

Sougwen Chung überrascht sehr mit ihrem Kunstpartner: Anstatt eines weiteren Künstlers bildet sich das Kollektiv aus der chinesischen Künstlerin und einem Roboterarm. Doug, wie die Künstlerin ihn liebevoll nennt, verfügt über eine künstliche Intelligenz und kann so eigenständig die Werke des Mensch-Maschine-Kollektivs mitgestalten. Zusammen erschaffen sie Kunstwerke auf grossen Leinwänden und treten auch als kontemporäres Tanzduo auf. 

Sarah, wie kommunizieren Künstlerin und Roboter untereinander? 

«Sougwen Chung und ihr KI-Roboter reagieren gegenseitig auf ihre Bewegungen. Wenn sie sich bückt, kniet oder den Pinsel bewegt, kopiert der Roboter – dank Echtzeit-Aufnahmen – ihre Bewegungen und sie reagiert wiederum auf die Bewegung des Roboters.» 

Deine Reaktion auf Beethoven als Pullover 

Quelle: http://www.koreaherald.com/view.php?ud=20201113000541

Umfrage

Das europäische Duo Varvara & Mar nutzt Hirnströme, die durch das Hören von Beethovens Klaviersonate Nr. 8 erzeugt werden, um ein Kunstwerk daraus zu weben. Während ein Pianist das Stück von Beethoven spielt, werden die Gehirndaten von Personen im Publikum gesammelt. Diese Informationen wandelt die angeschlossene Strickmaschine in ein Kunstwerk um, das mit hellen und dunklen Strickmaschen die empathischen und kognitiven Reaktionen der Zuhörenden darstellt. 

Sarah, wie wird aus unseren Daten Kunst? 

«Nachdem das Computerprogramm die Hirnfrequenzen in elektrische Impulse umgewandelt hat, verarbeitet die angeschlossene Strickmaschine diese Impulse in Bewegungen und erschafft somit das Kunstwerk.» 

Bereit für die Chancen der vernetzten Welt

Der digitale Wandel verändert unsere Welt, macht vieles möglich und fordert uns alle auf eine andere Art und Weise. Mit der neuen Webserie «Shift» schauen wir genau hin, um herauszufinden, welchen Einfluss Technologie und Digitalisierung auf unseren Alltag und unsere Gesellschaft haben.

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