Salome Artho sitzt am Laptop und jasst online.
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«Mein Vater jasst lieber, als er redet»

Familie Artho aus Oerlikon sind leidenschaftliche Jasser. Das Spiel wurde über Generationen weitergegeben, inzwischen jassen die Grosseltern mit allen 10 Enkelkindern. Weil sie sich nicht mehr treffen können, jassen sie jetzt online und sehen sich per Videochat. Warum Jasserfahrung auch virtuell zählt und wer am Schluss gewinnt.

«Schickst du uns noch den Link zur Jassplattform Salome», ruft Mutter Karin aus der Küche. «Es ist noch der gleiche wie letztes Mal Mami. Und den Code für den Tisch schicke ich euch im Family Chat.» Salome ruft Grossmutter Magrit an: «Hallo Grosi, du kannst wie letzten Sonntag auf der jassfederal-Seite einem Tisch beitreten.» Grosi (über Lautsprecher): «Aha, da muss ich jetzt aber den Walti fragen». Walter ignoriert die nächsten zwanzig Minuten die Empfehlungen von Enkelin Salome und will es selber schaffen. Mit viel Geduld bringt Salome die 79-jährige Margrit und den 84-jährigen Walter doch noch an den gemeinsamen virtuellen Jasstisch. Familie Artho, das sind heute Abend Karin (52) mit ihren Kindern Salome (18) und Jakob (13) und Karins Eltern Margrit und Walter.

Gemeinsam bringen Salome (mitte), Jakob und Karin die Grosseltern Margrit und Walter an den Jasstisch.

Jassen verbindet bei der Familie Artho Generationen

In der Familie Artho können alle jassen. Margrit und Walter haben das Spiel einstmals ihren Kindern beigebracht. Und irgendwann den Enkelkindern. «Wir hatten in allen Ferien immer die Jasskarten dabei», so Karin. Und Grosi Margrit trifft einmal im Monat ihr Jassgrüppchen: «Da machen wir vier Frauen etwas Znacht und jassen immer bis 22.30. Aber damit haben wir jetzt aufgehört, wegen Corona.»

Salome hat die technische Seite der Plattform schon voll im Griff: «Ihr müsst noch die deutschen Jasskarten wählen Dätti», so nennt sie ihren Grossvater liebevoll. «Ein Teppich wäre doch noch schön», meint Walter. Endlich sitzen alle um den virtuellen Jasstisch mit dem Namen «Artho Family». Karin winkt ihrer Mutter per Videochat zu: «Du bist mit mir Mami», sagt sie.

Karin freut sich, ihre Mutter per Videochat zu sehen.

Der Computer teilt die Paare zu. Die 18-jährige Salome jasst also gemeinsam mit dem 13-jährigen Bruder Jakob. 

«Mein Vater jasst lieber, als er redet»

Salome: «Euch geht’s sonst gut Grosi?» Grosi: «Ja, jetzt wo das mit dem Einloggen geklappt hat. Wir müssen einfach üben.» Man merkt den Grosseltern an, dass die Technik herausfordernd für sie ist. Karin: «Mami, ich habe geschoben.» Walter zu Margrit: «Jetzt musst du die Acht spielen. Die Aaacht!»

Das Online-Jassen hat viele Vorteile, einiges ist für Familie Artho jedoch noch gewöhnungsbedürftig.

Salome: «Man muss gar nichts ausrechnen, das macht der Compi immer selber. Und Karten mischen auch nicht, so praktisch!» Karin: «Ich sehe meine ganz linke Karte nicht, die wird vom Videobild verdeckt.» Salome: «Das ist immer die Tiefste der Farbe», weiss Salome. 

Karin und ihre Eltern machen Punkt um Punkt, zum Leidwesen von Salome: «Du bist einfach zu gut Mami!» Dabei jasst Karin gar nicht sehr gerne: «Ich bin keine Spielernatur, ich lese lieber, aber wenn es mich braucht, bin ich dabei.» Da die Arthos zu fünft sind, kann sie ab und zu eine Partie auslassen. Doch früher mit den Eltern wurde viel gejasst: «Mein Vater jasst lieber, als dass er redet», meint Karin. «Aber während dem Jassen redet er dafür immer viel, das grenzt an schon an Beschiss», ergänzt Salome.

Margrit und Walter sind sich oft nicht einig, was gespielt werden soll. «Warum stichst du jetzt den?» fragt er sie. Sie antwortet ihm jedoch nicht. «Das Grosi weiss schon, was sie macht Dätti!», versucht Salome den Grossvater zu beschwichtigen. «Oh mein Gott, ich habe nur noch sechs Sekunden zum Ausspielen! Ein Stopp- oder Pausenknopf wäre gut, dann könnte man zwischendurch überlegen», ruft die extrovertierte Salome aus. Jakob hingegen ist der stille Jasser, der dann plötzlich mit klugen Zügen überrascht.

Jakob sitzt am Computer und jasst online.
Jasst am grossen Bildschirm in seinem Zimmer: Jakob.

Jasserfahrung zählt auch Online

Das Spiel geht rasend schnell voran, kaum ist eine Runde gespielt, sind die Karten wieder ausgeteilt. Erstaunlicherweise haben Margrit und Walter damit kaum Mühe. Im Gegensatz zu Salome und Jakob, die sich schwertun, die Trümpfe zu zählen. Auch Online zeigt sich eben die langjährige Jasserfahrung. 

Salome: «Habt ihr schon zu Abend gegessen Grosi?» Grosi: «Nein, wir haben wollten zuerst spielen.» Salome: «Das ist der Nachteil am Online-Jassen Grossmami, dass du mir nichts zu essen machen kannst». Grosi: «Schon bald wieder, nach Corona!»

Jakob muss in die Gitarrenstunde und Salome ersetzt ihn mit einem Computergegner. Der jasst ziemlich gut. Erst jetzt realisiert Salome, dass Obenabe und Undenufe doppelt zählen. Und plötzlich ruft sie begeistert aus: «Ich habe gewonnen! Wow!» 

Gewonnen: Salome ist überrascht, aber freut sich.

«Einen Abend lang jassen tut gut», sagt Margrit nach der Partie. «Man kommt auch Online richtig ins Jass-Fieber. Und es macht Spass, dass man sich sieht». Auch Karin meint: «Das hat Spass gemacht, ich hätte nie gedacht, dass Online diese Nähe entsteht.» Margrit nimmt sich vor, das Online-Jassen nun auch mit ihren Frauen auszuprobieren. «Die haben ja schliesslich alle einen Computer!».

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