Mit Gamification spielerisch zum Erfolg
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Mit Gamification spielerisch zum Erfolg

Wer erinnert sich an die Zeit, in der alle auf der Jagd nach seltsamen Kreaturen durch die Stadt geirrt sind? Pokémon GO hat vor vier Jahren bei Jung und Alt den Spieltrieb geweckt. Eine Studie des British Medical Journal zeigt sogar, dass die Spieler in der Anfangsphase 955 Schritte mehr am Tag liefen.

Das ist gar nicht so überraschend, wenn man glaubt, dass Menschen, die Games spielen, motivierter sind, ihr Ziel zu erreichen und ihre Mission mit positiven Emotionen wie Freude und Befriedigung zu verknüpfen. Der Fall Pokémon GO zeigt vor allem, dass Gamification wirkt.

Wer jetzt denkt, dass Gamification bedeutet, dass wir bald den ganzen Tag froh und munter vor uns hin zocken, täuscht sich. Gamification soll uns Dinge zugänglicher machen, indem man sie mit einer Geschichte und spielerischen Challenges versieht. 

Die Arbeit als neuer Spielplatz 

Arbeit ohne Vergnügen. Der Zukunftsforscher Andreas Walker beschreibt, wie sich diese Einstellung im Laufe der Zeit verändert hat: «Früher gab es eine starke Trennung zwischen dem Vernünftigen und dem Unvernünftigen. Gerade in der Schweiz des 19. und 20. Jahrhunderts galt: Wenn du fleissig, zuverlässig und exakt bist, kannst du ein anständiges Leben führen. Heute verändert sich das. Wir wissen inzwischen, dass Freude etwas Gutes ist.»

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Diese Einstellung ist laut Zukunftsforscher Andreas Walker überholt.

In der Arbeitswelt ist Gamification angekommen. Bereits der Rekrutierungsprozess lässt sich mit Hilfe von Gamification optimieren. Bei Formapost, der französischen Post, können die Bewerbenden in einem Online-Spiel während einer Woche in die Rolle eines Briefträgers schlüpfen. So sollen die interessierten Kandidatinnen und Kandidaten herausfinden, ob sie sich bei der Post wohlfühlen. Eine Strategie, die sich auszahlt: Während früher ein Viertel der Berufsstarter das Unternehmen vorzeitig verliess, ist es heute dank Gamification nur noch jeder sechzehnte.   

Andreas Walker

Andreas Walker ist Zukunftsforscher aus Basel und Begründer des ersten Schweizer Hoffnungsbarometers. Walker ist seit über 30 Jahren in der IT-Welt unterwegs – so lange wie noch niemand aus der Generation Y oder Z. Was ihn mit den Jungen verbindet: Auch er muss sich disziplinieren, wenn es um seine Screen-Time geht. So hat er bereits alle Games auf dem Smartphone gelöscht. 

Gamification steigert mehr als nur die Motivation

Was ist, wenn man Gamification nicht nur als Entscheidungshilfe, sondern gezielt anwendet, um sich komplexe Fähigkeiten anzueignen? So stellt sich beispielsweise die Frage, ob Chirurgen besser sind, wenn sie von klein auf ihre Fingerfertigkeiten am Controller trainieren. Dies sei gar nicht so abwegig, meint Walker: «Früher gab es sehr viele Buben mit Problemen in der Mikromotorik, die Mühe hatten, die Füllfeder oder den Bleistift richtig zu halten. Es gibt bisher noch keine verlässlichen Studien, aber ich würde sagen, die Gamer profitieren durchaus in Bereichen wie Reaktionsgeschwindigkeit, Reaktionsgenauigkeit oder präzises Beobachten.»

Fördert Gamen Reaktionszeit und die Feinmotorik?

Spielen fördert nicht nur die motorische, sondern auch die kognitive Entwicklung. So eignet sich Gamification auch als Lernmethode in der Pädagogik. Ein Projekt der Pädagogischen Hochschule Zug zeigt zum Beispiel, wie das Smartphone zur historischen Zeitkapsel wird, indem das eigene Interface mit dem von historischen Persönlichkeiten getauscht wird. So bewegen sich Lernende auf ihrem Smartphone spielerisch durch die Chats und Bildergalerien von Marco Polo oder Frida Kahlo mit dem Effekt, dass Geschichte erlebbar gemacht und verinnerlicht wird.

Offenbar können eher negativ konnotierte Aufgaben, wie das Bewerben oder der Schulunterricht, mittels Gamification plötzlich Spass machen. Wird man auch schon bald vorfreudig der Steuererklärung entgegenfiebern, weil man sich mit einem Mini-Game durch die Fragen klicken kann? Ein bisschen träumen darf man ja. 

Bereit für die Chancen der vernetzten Welt.

Der digitale Wandel verändert unsere Welt, macht vieles möglich und fordert uns alle auf eine andere Art und Weise. Mit der neuen Webserie «Shift» schauen wir genau hin, um herauszufinden, welchen Einfluss Technologie und Digitalisierung auf unseren Alltag und unsere Gesellschaft haben.

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