Ozan Polat – ein digitaler Tausendsassa
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Ozan Polat – ein digitaler Tausendsassa

Ozan Polat ist im Zürcher Kreis 4 bekannt wie ein bunter Hund. Er hat mit 30 schon mehr gemacht, als viele mit 80. Wie ein Secondo aus St. Gallen zu einer der interessantesten Figuren der Digitalisierung in der Schweiz wurde.

Ozan ist ein stattlicher Mann. Er ist gross und hat breite Schultern. Seine dichten Haare hat er wasserstoffblond gefärbt, so kommen seine lebendigen braunen Augen besser zur Geltung. Er ist irgendwie aussergewöhnlich für die Männer seiner Generation. Die sehen alle aus wie Jungs. No offence. Trotzdem ist Ozan ein idealtypischer Millenial. Aufgewachsen als Nesthäkchen in St. Gallen mit seiner Mutter, einem sieben Jahre älteren Bruder und einer acht Jahre älteren Schwester.

Seine Tech-Affinität wurde massgeblich von seinem Bruder geprägt. «Wir teilten ein Zimmer und ich kam früh mit Computern in Kontakt, habe jeweils seine Gamer- und Tech-Magazine gelesen und ihm am Computer zugeschaut.» Von seinem Bruder lernte er beispielsweise, wie man mit Tutorials Dinge lernt. Er begann bereits als Teenager anderen Leuten Webseiten einzurichten. Natürlich wusste dank des Internets niemand, dass er noch minderjährig war. Mit dem ersten eigenen Geld kam auch eine gewisse Freiheit. Diese ist ihm äusserst wichtig. Kein Wunder eigentlich, untersucht er heute die Auswirkungen der Digitalisierung und Dezentralisierung auf die Gesellschaft. Verspricht die  Digitalisierung grenzenlose Freiheit? Oder schränkt sie die errungene Freiheit wieder ein?

Dezentralisierung als Lösung unserer Probleme?

Ozan war bereits vor dem grossen Hype fasziniert von der Blockchain, er hat viel darüber gelesen, ein Netzwerk aufgebaut, Gleichgesinnte getroffen und daraus entstand dann der Thinktank Dezentrum. Bei Moneyhouse findet man folgenden Eintrag zum Dezentrum: «Die GmbH bezweckt die Erforschung, Entwicklung und Forderung von Ideen und Möglichkeiten zum Thema Digitalisierung und dezentraler Technologien. In diesem Think Tank schliessen sich Personen zusammen, die durch ihr Wissen und ihre Erfahrungen auf diesem Gebiet an neuen Konzepten für eine Gesellschaft der Zukunft arbeiten wollen. Diesen hat er in den letzten zwei Jahren mitaufgebaut, das Ziel ist kein geringeres als positive Zukunftsszenarien für die digitalisierte Gesellschaft von morgen zu generieren. «Wir wollen das Wissen der Ingroup raustragen und einen interdisziplinären Diskurs eröffnen. Dafür halten wir Vorträge und bauen Prototypen, die anschaulich sind.»

«Dieser Satellit stellt eine autonome Entität dar, der einem Stück Code gehört auf der Blockchain. Durch sogenannte Smart Contracts kann der Satellit gewisse Aktionen, beispielsweise eine Auszahlung, selbstständig tätigen.»

Ozan versteht Menschen, die sagen, ich bin überfordert und fühle mich abgehängt. Denn die Entwicklungszyklen wurden immer kürzer. «Es ist wichtig die Auswirkungen der digitalen Entwicklung auf die Gesellschaft zu untersuchen. Das verstehen wir als unseren Auftrag.» Ozan braucht Herausforderungen, will immer Neues lernen, Menschen auf der ganzen Welt verbinden, was er tut, muss sinnvoll sein.

Der wissbegierige Secondo

Er kommt aus einer kurdischen Familie, die er als «sehr unternehmerisch» bezeichnet. Er war ein auffälliger Schüler, grenzenlos neugierig, wollte immer wissen, wie Dinge funktionieren, den die Lehrer jedoch zu nehmen wussten. Heute würde man ihn vermutlich mit Ritalin therapieren. Während des Gymnasiums hat er alle Freifächer besucht, die möglich sind und während des BWL-Studiums an der HSG hat er rund ein Dutzend mehr Seminare besucht, als er eigentlich musste. Dann folgte ein abgebrochener Master der Kulturpublizistik an der Züricher Hochschule der Künste in Zürich. Er begann früh, Events und Parties zu organisieren und legt noch heute regelmässig als «DJ Lifestyle» auf. Irgendwann entstanden in diesem Umfeld die Ozelot Studios, die sich mit Musik, neuen Medien, AR, Kleidern und zeitgenössischen Kommunikationskonzepten beschäftigen.

Dazwischen reihen sich unterschiedliche Projekte aneinander, etwa gründete er «SUGAR SUGAR SUGAR», das unter anderem ästhetisiertes Softeis herstellte. Daneben war er Filmemacher und gründete 2016 den Verlag Transform, der sich dem zeitgenössischen Publizieren widmete. Erfolgserlebnisse pushen ihn, er löst gerne Rätsel und braucht viel Lob.

Ozan ist schnell von Dingen begeistert – aber auch genauso schnell gelangweilt. «Das ist Fluch und Segen gleichzeitig. Meine Mutter wünscht sich heute noch, dass ich einen Master mache und in einer Bank arbeite.», so Ozan.

Bereit für die Chancen der vernetzten Welt.

Der digitale Wandel verändert unsere Welt, macht vieles möglich und fordert uns alle auf eine andere Art und Weise. Mit der neuen Webserie «Shift» schauen wir genau hin, um herauszufinden, welchen Einfluss Technologie und Digitalisierung auf unseren Alltag und unsere Gesellschaft haben.

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