Das neue Swisscom TV – bereit für mehr
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Das neue Swisscom TV – bereit für mehr

Riccardo Lopetrone hat zusammen mit Spezialisten den neuen Voice Assistant von Swisscom entwickelt. In nur 10 Monaten war der Assistent bereit, in vier Sprachen zu kommunizieren. Warum Riccardo zu Hause zwei sprachgesteuerte Geräte abbauen musste und die Sprachsteuerung Frauen schlechter versteht.

Die neue Swisscom Box kann nun also mit Sprache gesteuert werden. Mit «Hey Swisscom» weckt man den Voice Assistant der Swisscom Box und kann danach den TV steuern, Musik hören, Fotos ansehen oder das Smart Home bedienen. Wir haben dem Vater des neuen Assistenten, Riccardo Lopetrone, einige Fragen gestellt.

Swisscom Magazin: Warum habt ihr einen eigenen Sprachassistenten für Swisscom entwickelt?

Riccardo Lopetrone: 20 Prozent der Kunden nutzen den bisherigen Voice Assistenten via Fernbedienung regelmässig. Nach Replay, TV 2.0 und der UHD-Box war der Voice Assistant der nächste logische Schritt. Wir waren in der Schweiz immer die Ersten, die Innovationen eingeführt haben und haben im Ausland gesehen, wie sich die Sprachsteuerung in letzter Zeit verbreitete. Wir haben uns auch lange überlegt, einen etablierten Assistenten zu verwenden. Kamen aber zum Schluss, dass wir den Assistenten selber entwickeln wollen, um den Bedürfnissen von Swisscom besser gerecht zu werden. Zudem haben wir den grössten Screen in der Wohnung und das eröffnet uns viele Möglichkeiten für Interaktionen mit den Kunden.

Das Making of der neuen Swisscom Box.

Wie bist du zum Spezialisten für Sprachsteuerung bei Swisscom geworden?

Ich bin seit den Anfängen der Sprachsteuerung der zuständige Produkt Manager bei Swisscom und sehr interessiert am Thema. Seit vier Jahren habe ich mehrere Geräte wie etwa Alexa von Amazon zu Hause und zudem experimentiere ich seit den Anfängen, also 2011, mit Siri von Apple. Und ich habe ein Google-Handy, weil der Google-Assistant aktuell zu den besten zählt. Meine Einkaufsliste steuere ich so: «Alexa, setz mir Spaghetti auf die Einkaufsliste». Und am Samstag im Migros weiss ich dann, was ich einkaufen muss. Auch meine Frau spricht auf die Einkaufsliste, manchmal wird sie jedoch nicht richtig verstanden und es erscheinen nur Hieroglyphen. Dann stehe ich jeweils ratlos im Supermarkt. Inzwischen musste ich zwei Geräte wieder ausser Betrieb nehmen, das eine im Kinder- und das andere im Schlafzimmer, meine Frau wollte dort keine Assistenten (schmunzelt).

Hört der Sprachassistent denn immer zu?

Die Swisscom Box döst normalerweise, da kann man noch so lustige Sachen erzählen – der Assistent erwacht erst, wenn er «Hey Swisscom» hört.  Danach hört er während sieben Sekunden sehr aufmerksam zu und geht, nachdem er meinen Befehl ausgeführt hat, wieder dösen.

Riccardo Lopetrone präsentiert die neue Swisscom Box.

Warum ist die Stimme von «Hey Swisscom» eigentlich weiblich?

Das ist gut untersucht. Weibliche Stimmen sind gemäss diversen Studien sowohl bei Männern wie bei Frauen besser akzeptiert. Wir haben für die Stimme von «Hey Swisscom» eine neue Technologie – Neural Text to Speech – eingesetzt. Dafür haben wir die Stimme einer Frau geklont – alles legal natürlich. Das ist bei Filmaufnahmen bereits gang und gäbe.

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Versteht der Assistent alle Menschen gleich gut?

Die ersten Feedbacks deuten darauf hin, dass «Hey Swisscom» Frauen etwas weniger gut versteht. Vermutlich, weil diese etwas leiser sprechen. Jetzt am Anfang muss man möglichst deutlich und langsam sprechen, mit der Zeit werden sich die Sprachassistenten an eine natürliche Sprache gewöhnen. Bei den Bernern funktioniert es vermutlich besser (lacht).

Wie seid ihr eigentlich auf «Hey Swisscom» gekommen?

Neben Vermarktungsgedanken gibt es auch technische Voraussetzungen: Man muss mindestens drei Silben und bestimmte Konsonanten und Vokale im Wort haben, damit es besser funktioniert. Und wir wollten etwas Schweizerisches. Wir haben es mit Pässen, Städten, Regionen und vielem mehr versucht. Doch das meiste funktioniert nicht viersprachig. Swisscom ist schweizweit bekannt und «Hey» nutzen viele Leute, wenn sie jemanden rufen. Voilà.

Ihr habt «Hey Swisscom» in nur zehn Monaten entwickelt. Das hat dir vermutlich einige Überstunden eingebracht?

Da das Ganze eine so grosse Leidenschaft für mich ist, hat mir das nichts ausgemacht. Zudem habe ich zwei kleine Kinder, die ab und zu um vier in der Nacht einen Schoppen brauchen. Wenn ich dann nicht mehr einschlafen konnte, bin ich an den Computer gegangen und habe meine Mails abgearbeitet. So konnte ich schon einiges erledigen und kam jeweils entspannt ins Büro.

Was war schwierig in der Entwicklung?

Wir sind ein eher kleines Team, das die Voice Assistant-Lösung erarbeitet hat. Viele davon haben zusätzlich zu ihren bestehenden Aufgaben daran mitentwickelt. Sie alle haben eine sehr grosse Leistung vollbracht, es war für sie aber auch eine grosse Belastung. Zudem mussten wir alles in vier Sprachen umsetzen, dafür brauchten wir beispielsweise Linguisten, die sich mit Sprachassistenten auskennen. Diese sind in der Schweiz noch nicht sehr verbreitet. Auch haben wir wöchentlich zum Beispiel über 50’000 Sendungen und Filmtitel in vier Sprachen, die der Sprachassistent alle verstehen muss. Und bei Musik gibt es unzählige Artisten und Songtitel, die er erkennen muss.

Wie geht es jetzt für euch weiter?

Jetzt müssen wir alles, was wir in den 10 Monaten noch nicht umgesetzt haben, nachliefern. Mein Anspruch ist es, dass wir im Bereich TV in Zukunft immer weniger die Fernbedienung zur Hand nehmen müssen. In weiteren Schritten wollen wir zum Beispiel die Reservation im Restaurant, Videotelefonie oder den Kontakt mit dem Kundendienst via Sprache möglich machen.

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Ein Kommentar zu “Das neue Swisscom TV – bereit für mehr

  1. Schade dass es nur eine weibliche Stimme gibt. Das ist insofern verwunderlich, da die Konkurrenz zumeist ein männliches Pendant anbietet, was ich persönlich angenehmer finde. Vielleicht würde er dann die Frauen besser verstehen?

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