Was ist Hate Speech am Beispiel von Jolanda Spiess-Hegglin
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Was ist Hate Speech am Beispiel von Jolanda Spiess-Hegglin

Kaum einer Schweizerin schlägt im Internet so viel Hass entgegen, wie Jolanda Spiess-Hegglin. Mit ihrer Geschichte beleuchten wir das Thema Hate Speech in der Schweiz.

Solche Botschaften hat die ehemalige Zuger Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin bis heute hunderte erhalten. Auf Facebook, auf Twitter, als Kommentar zu Artikeln auf Newsportalen oder gar als physische Briefe. «Ich lese die Kommentare noch, mit grossem Interesse sogar. Die lassen mich persönlich jedoch inzwischen kalt», sagt Jolanda Spiess-Hegglin. Das war vor fünf Jahren noch anders.

Das sind Beispiele für Hassrede oder Hate Speech. Aggressive oder allgemein abwertende Aussagen gegenüber Personen, die bestimmten Gruppen zugeordnet werden, werden «Hate Speech» genannt ( auch «Hassrede», «Hasssprache» oder «Hasskommentare»). Mit Hate Speech ist also vor allem vorurteilsgeleitete, abwertende Sprache gemeint.

Direkte Betroffenheit

In der Schweiz berichtet jeder vierte Jugendliche davon, dass ihn schon mal jemand im Netz fertig machen wollte. Das ist doppelt so hoch, als noch 2016, wie die JAMES-Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zeigt. Längst ist Hate Speech also kein Thema mehr, dass nur die PolitikerInnen und Berühmten unter uns betrifft. Es betrifft uns alle, und leider – allen voran: die Jugendlichen. 

Der Hass, der im Netz verbreitet wird, hat viele Gesichter, bedient sich aber immer wieder sprachlichen Mustern, wie Abwertungen, Verallgemeinerungen («Er ist zwar Grieche, aber trotzdem fleissig»), Fake News («Flüchtlinge plündern den Supermarkt») bis hin zur Volksverhetzung und Gewaltaufrufen («Die sollte man verbrennen»). Inzwischen werden aber auch Bilder als Waffe eingesetzt, um Menschen abzuwerten.

Aktion #WirgegenHass

Hass ist keine Meinung und hat innerhalb öffentlicher Kommentarspalten nichts verloren. Gemeinsam mit NetzCourage möchten wir zeigen, dass die Mehrheit der Menschen sich wünscht, dass das Internet zu einem Ort des respektvollen Miteinanders wird. 

 

Eine Nacht mit Folgen

Die Geschichte von Jolanda Spiess-Hegglin fing am 20. Dezember 2014 mit der Landammannfeier in Zug und Politprominenz an. Im Nachgang zur Feier gingen etwa fünfzig Gäste in eine Bar, darunter Jolanda Spiess-Hegglin. Tags darauf erwachte sie mit Unterleibsschmerzen und einem Filmriss. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug hielt nach einer Untersuchung fest, dass Jolanda Spiess-Hegglin davon ausgehen durfte, Opfer einer sexuellen Handlung geworden zu sein, auch wenn juristisch kein Täter ermittelt werden konnte. Im weiteren Verlauf veröffentlichten viele Medien eigene Mutmassungen und Thesen zu dem Vorfall und erfanden sogar Geschichten. Daraus wurde eine Medienaffäre, während der sie viele der oben gezeigten Kommentare erhielt.  

Jolanda Spiess-Hegglin hat mit ihrem Engagement bei NetzCourage eine neue Bestimmung gefunden und leistet Pionierarbeit in der Schweiz.

Kämpferin an verschiedenen Fronten

«Nachdem ich mein Trauma aufgearbeitet hatte, bin ich stark geworden. So stark, dass ich den Hatern die Stirn bieten kann.» Darum gründete Jolanda Spiess-Hegglin 2016 den gemeinnützigen Verein NetzCourage. Dieser will von Hass im Internet Betroffene stärken und konsequente Strafverfolgung von Täter und Täterinnen durchsetzen.

Aktuell unterstützt sie die junge SP-Politikerin Samira Marti. Wegen eines Vorstosses zur Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge hat die Baslerin gegen 100 Hassmails bekommen. «Hier muss ich reagieren und je nach dem die Polizei einschalten. Die jungen Frauen können den Dreck mir geben, damit sie sich ihrer Arbeit widmen können. Ich wünschte mir, ich hätte meine Hassbotschaften damals auch jemanden geben können», so Jolanda Spiess-Hegglin.

Opfer von Hate Speech können sich direkt mit NetzCourage in Verbindung setzten und erhalten dort Beratung. Im letzten Jahr sind gemäss Spiess tausende Beschimpfungen protokolliert und gesichert worden. Als Geschäftsführerin hat Jolanda Spiess-Hegglin 200 Anzeigen geschrieben, von welchen die meisten mit einem Strafbefehl oder einem Vergleich abgeschlossen wurden. NetzCourage erweiterte die Tätigkeit, indem der Verein für Firmen und Schulen Referate und Workshops anbietet.

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7 Kommentare zu “Was ist Hate Speech am Beispiel von Jolanda Spiess-Hegglin

  1. Swisscom soll sich schämen so ein Verein resp. so eine Frau zu unterstützen! Diese Frau ist Mitglied in diversen Haterseiten, wo Hass und Hetze entsteht.

  2. Liebes Swisscom
    Ihr solltet einmal die Augen auf machen, wenn ihr da unterstützt! Wer Hass sät sollte sich nicht als Opfer aufspielen wenn man in bekommt. Ihr solltet mal seriös abklären wo die Frau Mitglied ist und wo die Frau weggeschaut, nämlich bei ihren eigenen Anhänger und Mitglieder. Muss mich gerade Fragen ob Swisscom noch mein richtiger Partner ist.

  3. Also, verstehe ich das richtig. Wenn jemand in eine dubiose Sache gerät, absichtlich oder unabsichtlich, und darüber mit alternativen Wahrheiten operiert, auch wenn diese ab und zu Wahr sind. Darf man eine solche Person nicht in Frage stellen. Auch nicht darüber lustig machen. Na ja, ich frage ja nur so.

  4. Spiess-Hegglin liess sich damals völlig freiwillig in einen Seitensprung ein; eine von ihr hinterher in den Raum gestellte Betäubung durch K.-O.-Tropfen war unmittelbar danach von vielen Zeugen nicht im geringsten wahrnehmbar. Sie hatte, weil ihrem Mann die Sache noch während des Vorfalls zugetragen worden war und sie sich deshalb zur Rechtfertigung veranlasst sah, dafür gesorgt, dass der «Betäuber und Vergewaltiger» in Untersuchungshaft genommen wurde. So präsentiert sich das Ganze der Öffentlichkeit. Ist es nicht verständlich, dass dann einige Überempörte sich eines Ventils bedienten und sie mit entsprechenden Mails bedachten, zumal sie ihre Anschuldigungen auch nach der Einstellung des Strafver-fahrens aufrechterhielt? Hat sie sich denn nicht in einer Weise verhalten, die ihr ein Füllhorn des Hasses bescheren musste? Bis heute verharrt sie in ihrer Wehleidigkeit, statt sich klugerweise zurückzuziehen, um ihren Misstritt endlich in Vergessenheit geraten zu lassen.

  5. Bei dieser Kampagne geht es mir als Jugendmedienschutz-Beauftragter und Swisscom darum, die breite Öffentlichkeit über das Problem von Hate Speech im Netz aufzuklären und alle schweigenden Stimmen aufzurufen, Hate Speaker auf ihre unangemessene Kommunikation aufmerksam zu machen. Dies gelingt mit verschiedenen Methoden:
    a. Identifizeren und hinweisen
    b. Bei offensichtlichen Falsch-Aussagen auf die richtigen Quellen hinweisen
    c. Wenn Hate Speaker die Sachebene verlassen, um verletzend zu arguementieren, diesen Sachverhalt anzeigen und die Diskussion neuerlich versachlichen.
    Wir haben für diese Kampagne mit #netzcourage zusammengearbeitet. #netzcourage ist eine Organisation, die sich seit vielen Jahren um ebendies bemüht. Wir sind von der Zusammenarbeit überzeugt.

  6. Das Verhalten der Gesellschaft auf Social Media hat tatsächlich üble Züge angenommen, und es ist eine wichtige Aufgabe, dieser bedenklichen Entwicklung entgegenzuwirken.

    ABER, Herr In Albon: Jolanda Spiess Hegglin ist nun wirklich die denkbar ungeeignetste Instanz für diese Mission. Niemand in den sozialen Medien hat in den vergangenen Jahren auf so eine berechnende, durchtriebene und moralisch verwerfliche Art und Weise Hass und Bosheit systematisch gezüchtet wie diese gefallene Frau. Es ist mehr als nur offensichtlich, mit welcher Intensität diese Person ihre ungesättigte Rach- und Vergeltungssucht ausgespielt hat, um unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Hate Speech ihre eigenen Interessen zu verfolgen und alle und alles zu torpedieren, was sie Sauberkeit ihrer West in Frage zu stellen wagt.

    Nochmal: Der Feldzug gegen Hate Speech ist notwendig und wichtiger denn je. Aber dazu braucht es fähige und neutrale Instanzen, die nicht aus einem tief sitzenden Groll und aus Gram handeln. Die weiterhin fragwürdige „Geschichte“ der Jolanda Spiess-Hegglin, mit welcher sie an jeder erdenklichen Stelle bis heute fleissig hausiert, zu diesem wichtigen Thema anzuführen, ist fahrlässig und macht die Sache viel mehr zu einer Farce als zu einer ernst zu nehmenden Aktion.

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