Dr. Barrierefreiheit
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Dr. Barrierefreiheit

David Rossé ist bereits sein ganzes Erwachsenenleben sehbehindert. Bei Swisscom verantwortet der Dr. der Sozialwissenschaften die Barrierefreiheit – mit Herzblut, Humor – und Geduld. 

In der Schweiz sind etwa 377’000 Menschen beim Sehen eingeschränkt. Einer davon ist David Rossé. Er verlor einen grossen Teil seines Augenlichts bei einem Unfall mit 18 Jahren. «Ich habe viel Unterstützung erhalten, vor allem von meinen Eltern und einigen Institutionen. In der Schweiz haben wir eine sehr gute Betreuung für körperlich Behinderte, insbesondere in Bezug auf Ausbildung und Arbeit.» Nach seinem Unfall wollte er unbedingt die Matura beenden. Am Schluss hat er sogar studiert. Das war vor 30 Jahren.  
 
Ich lernte David Rossé als kommunikativen und offenen Menschen kennen. Unser Interview vereinbarten wir unkompliziert per Whatsapp, geführt haben wir es über Skype. Beide arbeiten wir seit Ausbruch der Corona-Krise im Homeoffice. Was gut daran ist: Ich sehe die Arbeitsumgebung meines Gegenübers. David arbeitet im Gegensatz zu mir lieber im Homeoffice, als im Büro. «Zuhause habe ich meinen Spezial-Bildschirm und mein Lesegerät, mit dem ich Dokumente vergrössern kann. Die Leute müssen einfach vor den Meetings ihre Dokumente mit mir teilen, damit ich sie zoomen kann.» 

Blick ins Homeoffice von David Rossé: Rechts das Bildschirmlesegerät, das gedruckte Dokumente mit einer Kamera vergrössert. In der Mitte sein Laptop mit vergrösserter Schrift, links daneben seine Handleselupe.  Auf dem Spezial-Bildschirm links sieht man seine Arbeitskollegen und -kolleginnen aus dem Corporate Responsability Team. 

Auch das Alleinsein macht David Rossé keine Mühe: «Als ich meine Doktorarbeiten in Soziologie geschrieben habe, arbeitete ich jeweils bis drei Wochen alleine, das ist kein Problem für mich.» Ich stelle mir die Arbeit am Computer für jemanden der fast blind ist extrem anstrengend vor: «Ich muss nicht alles zoomen. Dank dem Screenreader verstehe ich alle Dokumente, Webseiten oder Emails sehr schnell.» Ich lerne: Screenreader sind Bildschirmleseprogramme, also Software, die den Bildschirminhalt einfach vorlesen. Ich probiere es aus und mir brummt schon nach knapp 30 Sekunden der Schädel.  Versuchen Sie es doch auch einmal: 

So liest ein Screenreader die Swisscom.ch-Seite vor

Dr. Barrierefreiheit bei Swisscom 

Seit vier Jahren arbeitet David Rossé bei Swisscom in der Abteilung Corporate Responsibility (CR) und ist für digitale Inklusion und Barrierefreiheit im Unternehmen zuständig. Davor machte er zwei Doktortitel in Sozialwissenschaften, einen in Lausanne und einen in Paris. «Ich begann mit Praktika in der CR-Abteilung. Und dank der Unterstützung mehrerer Kollegen, insbesondere der für die Integration zuständigen HR-Mitarbeiter, wurde dieses Praktikum zu einer festen Stelle.»

Ursprünglich kommt David Rossé aus Boncourt im Kanton Jura, seine Muttersprache ist Französisch, noch heute fühlt er sich mit der Region verbunden. «Als ich bei Swisscom begann, war die Kommunikation in Deutsch etwas schwierig. Aber meine Kollegen sind sehr flexibel und wir wechseln einfach von einer Sprache in die andere, mit Ausnahme des Walliser Dialekts», sagt David Rossé und lacht.. 

Ein Bild, das drinnen, Person, Mann, Tisch enthält.

Automatisch generierte Beschreibung
David möchte sehbehinderten Menschen helfen, dass sie dank den neuen, smarten Technologien wie Smartphones, Tablets und anderen mobilen Endgeräten ein Stück Unabhängigkeit zurückgewinnen. 

Das Thema Barrierefreiheit treibt er mit Herzblut voran: «Zu Beginn war es nicht einfach, Mitstreiter für das Thema Barrierefreiheit zu finden. Ich musste viele Kollegen erst aufklären, wo die Probleme liegen. Inzwischen kommen die Leute zu mir, um mit mir anzuschauen, ob ihre Apps, Websites oder Produkte barrierefrei sind oder nicht.» 

Die Swisscom hat in den letzten Jahren ihre Aktivitäten in punkto Barrierefreiheit ausgebaut: so ist das neue Kundenzentrum für alle zugänglich und soll als Modell für die Barrierefreiheit für weitere Teile von swisscom.ch dienen. Auch die Box für Swisscom TV hat beispielsweise Audiotitel und Kommentare für Blinde und Hörgeschädigte und kann sprachgesteuert werden. «Wichtig ist, dass ich bereits am Anfang in die Prozesse involviert werde, dann kann ich Entwickler und Designer schulen», so David Rossé. Res Witschi, Leiter Corporate Responsibility und Davids Chef, schätzt seine Arbeit sehr: «Er hat das Thema Barrierefreiheit bei Swisscom vorwärtsgebracht und er ist für uns ein Vorbild, der uns aufzeigt, wie klein unsere Probleme eigentlich sind». 

Das Smartphone als wichtig(st)er Begleiter 

David Rossé lebt selbständig und unabhängig: «Normalerweise finde ich die Lösung meiner Probleme selber, indem ich ausprobiere. Und da ich seit 1990 Hilfsmittel nutze, bin ich inzwischen ein Profi.» Auch Mobilgeräte spielen in seinem Alltag eine wichtige Rolle: «Ich denke, dass Smartphones für Personen mit einer Sehbehinderung sogar nützlicher sein können als für alle anderen Personen», so David Rossé. Mit dem Smartphone kann er jederzeit und überall Zeitung lesen, Fahrpläne abrufen, Filme «ansehen», ein GPS zur Orientierung nutzen oder sich helfen lassen, wenn er mit den ÖV unterwegs sind. 

David Rossé ist Vorstandsmitglied bei der Apfelschule, einem Verein, der sich für die Nutzung von Smartphones für Blinde einsetzt. «Die Apfelschule gibt unter anderem Kurse für Sehbehinderte. Einen kleinen Teil meiner Arbeitszeit bei Swisscom kann ich für meine Arbeit dort investieren», so David Rossé.  

Wie benutzen eigentlich Blinde ein Smartphone?

Lesen Sie hier den Beitrag im Nachhaltigkeitsblog zum Thema.

Die Apfelschule ist in Zürich, David wohnt in der Berner Lorraine. Aber auch das ist für den 49-Jährigen kein Problem: «Zug fahren ist einfach für mich, ab und zu habe ich jedoch Mühe, das richtige Gebäude zu finden. Aber dafür gibt es beispielsweise Kurse bei der Apfelschule», sagt David Rossé und lacht. 

Ist Ihre Webseite barrierefrei? Hier können Sie Ihre Kommunikation testen: https://www.access-for-all.ch/ch/

Die Schweiz ist punkto Barrierefreiheit leider keine Musterschülerin, nur etwa 10 Prozent der Inhalte im Internet sind wirklich zugänglich für Menschen, die beeinträchtigt sind, schätzt David Rossé. Aber er ist ein Optimist: «Punkto Barrierefreiheit gibt es noch viel zu tun, einfach Schritt für Schritt». 

Barrierefreiheit bei Swisscom

Swisscom hat den Anspruch, dass alle Menschen in der Schweiz Kommunikationsmittel ohne Hindernisse nutzen können. Wir setzen uns insbesondere für einen barrierefreien Zugang zur digitalen Welt ein, damit auch Menschen mit Beeinträchtigungen an der Informationsgesellschaft teilhaben können. 

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2 Kommentare zu “Dr. Barrierefreiheit

  1. Ausgerechnet in einem Beitrag zur Barrierefreiheit funktioniert der Link (www.swisscom.ch/barrierefreiheit) zur Barrierefreiheitsseite nicht:

    «Sorry
    The page you have requested could not be found.»

    Links, die nicht funktionieren, sind nicht barrierefrei.

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