Inga Hintz in ihrem Atelier
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Ich gründete meine Firma – und dann kam Corona

Innenarchitektin Inga Hintz trifft das Kontaktverbot mitten in der Aufbauphase ihres Start-ups. Wie Kunden finden? Wie die Zeit des Stillstands sinnvoll nutzen? Wir haben nachgefragt und geben drei wertvolle Tipps für Firmengründende.

Anfang März 2020: Inga Hintz erhält den Handelsregistereintrag. Die Firmengründung von Inga Hintz Interior Design GmbH ist vollzogen. Die Freude ist ausserordentlich. Die «ausserordentliche Lage» erklärt eine Woche später der Bundesrat für die Schweiz und bittet die Bevölkerung, Abstand zu halten, zu Hause zu bleiben. Für den Geschäftsaufbau von Inga Hintz ein Donnerschlag.

Inga Hintz, Innenarchitektin

Seit über einem Jahrzehnt arbeitet Inga Hintz als Innenarchitektin, seit März 2020 nun selbstständig. Sie kennt Texturen, Farben und Stoffe in- und auswendig und weiss, wie Materialien zusammenspielen und wie sie wirken. Vor allem aber: Inga Hintz versetzt sich in Menschen hinein, damit sie spürt, was sie wollen. Und das ist für ihre Tätigkeit entscheidend.

Das Beste aus der neuen Situation machen

Inga Hintz bietet ihre Leistungen sowohl Architekten als auch Privatpersonen an. Für Erstere hat sie in den letzten zwei Jahren bereits als Freelancerin gearbeitet, und hier ist auch die Wahrscheinlichkeit für neue Aufträge höher als bei Privatkunden. Doch wegen des Coronavirus sind die wichtigen persönlichen Kontakte unmöglich. «Ohne Kundenbesuche kann ich mir kein Bild von der Ausgangslage machen», erklärt die Jungunternehmerin das Dilemma. Videotelefonie ist kein Ersatz, da damit Stimmungen, Lichteinfall, Materialien nur unzulänglich erfasst werden.

Aber Inga Hintz kämpft. Aufgeben kommt für sie nicht in Frage, sie ist top motiviert. Ihr Businessplan sieht zu Beginn ohnehin vor, das eigene junge Unternehmen bestmöglich darzustellen und sichtbar zu werden. Statt bei Kunden arbeitet die Innenarchitektin darum zu Hause am Laptop. Richtet einen Newsletter ein, erweitert die Website. Und postet fleissig Inhalte auf Instagram, um Follower zu erhalten. «Meine Mitbewerber erhöhen auf diese Weise ihre Sichtbarkeit, deshalb investiere ich ebenfalls in diesen Kanal.»

Innenarchitektin zeichnet Skizze

Ihren Businessplan hat sie entsprechend an die Situation leicht angepasst. Um bekannt zu werden, verteilte Inga Hintz vor der Coronakrise fleissig Visitenkarten. Nun geht sie andere Wege. Nutzt etwa eine lokale WhatsApp-Gruppe, in der sich über hundert Frauen austauschen. Auf Kunden zugehen liegt im Moment nicht drin. Deshalb bestellt Inga Hintz jetzt das Feld für bessere Zeiten.

Die Gründung von Inga Hintz Interior Design GmbH erfolgte durch das IFJ Institut für Jungunternehmen, das Firmengründer in der Startphase begleitet und unterstützt.

Abstand halten heisst für viele Unternehmen Kundenverbot. Mit diesen Tipps arbeiten Sie jetzt für bessere Zeiten vor.

Tipp 1: Denken Sie in Alternativen und arbeiten Sie multimedial

Ihre Kunden können nicht zu Ihnen kommen? Finden Sie eine Möglichkeit, mit Ihrem Angebot die Kunden zu erreichen. Dafür sind Kreativität und Mut gefragt: Denken Sie in alternativen Formaten für Beratungsleistungen auf digitalem Weg. Was eignet sich als Online-Anwendung? Womit können Sie Ihren Kunden eine Freude bereiten?

Ein Beispiel: Als Interior Designer teilen Sie das Bild einer Gartenlounge, die Sie mit speziellen Kissen aufgepeppt haben (mit einem Bild: vorher/nachher). Fordern Sie Interessierte auf, Ihnen Bilder ihrer Lounge zu schicken; im Gegenzug bieten Sie Optimierungstipps vom Profi.

Tipp 2: Community und Social Media clever nutzen

Jetzt säen, später ernten: Bestellen Sie heute das Feld für bessere Zeiten.

Weitere nützliche Links

Swisscom unterstützt Unternehmen sowie Gründer in der Schweiz unter dem Motto Gemeinsam bereit derzeit besonders, damit sie die digitalen Möglichkeiten optimal nutzen können.

Sofern es die Zeit zulässt: Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) hat auf die aktuelle Lage reagiert und stellt derzeit kostenlose Kurse rund um die digitale Transformation bereit.

Bei Liquiditätsengpässen geht es hier zu den wichtigsten Links bezüglich Kurzarbeit und Überbrückungshilfe des Bundes.

Viele Menschen zeigen sich derzeit solidarisch mit Unternehmen im näheren Umfeld, was sich insbesondere auf den Social-Media-Kanälen widerspiegelt. Treten Sie regionalen Facebook- und WhatsApp-Gruppen bei (oder lancieren Sie gar einen eigenen Austauschkanal), verbinden Sie sich mit anderen Unternehmen aus Ihrer Region und zeigen Sie Interesse an den Posts der anderen. Ihr Ziel: die Community vergrössern und einen aktiven Dialog mit potenziellen Kunden pflegen.

Welchen Seiten folgt die Community? Zum Beispiel erkunden viele Instagram-User eine Region anhand der vorhandenen Ortsmarkierungen mittels Hashtags. Wenn Sie einen publizierten Beitrag entsprechend markieren, taucht dieser Inhalt bei der Erkundung auf – was Ihre Sichtbarkeit erhöht und potenzielle Kunden auf Sie aufmerksam macht.

Tipp 3: Aktualisieren Sie Ihren Online-Auftritt

Ist Ihr Webshop auf dem aktuellsten Stand, und besteht die Möglichkeit, Ihr Produkt – oder eine Abwandlung davon – online zu versenden? Alternativ können Sie einen Gutschein zum Herunterladen anbieten und so heute eine Leistung für später verkaufen.

Sollten Sie (noch) keine Webseite oder keinen Webshop betreiben, geht es hier zum Website-Tool von Swisscom, über das Sie einen Webshop oder eine ganze Webseite aufbauen können.

Eine weitere Möglichkeit ist, sich einem der zahlreichen Onlineshops anzuschliessen, die verschiedene Angebote vereinen. So zum Beispiel www.laedelishop.ch.

«Einige verschieben die Firmengründung»

Wie gehen Gründer mit der momentanen Situation um? Sylvia Meister, Start-up-Beraterin bei Swisscom, fühlt den Puls der Branche.

Sylvia Meister, StartUp-Beraterin bei Swisscom
Sylvia Meister hat Inga Hintz beim Aufsetzen der Telekom- und IT-Lösungen unterstützt.

Es gibt wohl einfachere Zeiten als diese, ein Unternehmen zu gründen. Welche Signale erhalten Sie aus der Gründerszene?

In der Gründerphase ist Planbarkeit keine einfache Sache, weil vieles neu ist. Nun kommt noch das Coronavirus dazu. Das macht die Gründerphase noch komplexer, speziell die Akquise. Ansonsten sind die Themen dieselben: Wie halte ich die Kosten tief? Wie gewinne ich viele Kunden und generiere Umsatz? Ich hatte aber auch Kunden im Gespräch, die mich gebeten haben, in zwei Monaten wieder anzurufen, weil sie die Firmengründung verschieben.

Was ist die wichtigste Botschaft, die Sie Gründern in der aktuellen Situation mit auf den Weg geben?

Ergreifen Sie die richtigen Massnahmen, um gesund zu bleiben. Und verlieren Sie nicht den Mut. Verfolgen Sie Ihre Pläne weiter, bleiben Sie aber gleichzeitig flexibel. Arbeiten Sie jetzt für später.

Auf welchen Kanälen kann man das StartUp-Beratungsteam derzeit erreichen?

Telefonisch unter 0800 782 788 von Montag bis Freitag, 8.00 bis 17.00 Uhr.

Alle Informationen finden Sie auch auf unserer Website.

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