Mann schaut verzweifelt in leere Brieftasche
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Wie Gründer in der Startphase Geld sparen: unsere 8 Tipps

Die Geschäftsidee überzeugt, das Startkapital ruht auf dem Konto, der Businessplan steht, das Abenteuer kann beginnen. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie Sie Kostenfallen vermeiden: mit kreativen Finanzierungsformen, Gratistools oder Spezialangeboten für Start-ups.

44 482 neue Unternehmen haben sich 2019 ins Handelsregister eintragen lassen, so viele wie nie seit 1883, als erstmals Unternehmensgründungen gezählt wurden. Rekord! 2020 soll die Erfolgsgeschichte Schweiz mit neuen Ideen und Start-ups fortgeschrieben werden.

Stecken Sie auch in der berühmt-berüchtigten Startphase der Unternehmensgründung? Gemeinsam mit unseren Start-up-Beratern haben wir 8 Tipps zusammengestellt, wie Sie langfristig liquide bleiben und kleine finanzielle Flauten elegant umschiffen.

#1 Einzelfirma oder GmbH? Setzen Sie auf die richtige Rechtsform

2019 entschieden sich knapp 40 Prozent der Neugründer für die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) als Rechtsform für ihr Start-up. Machen Sie sich nicht nur Gedanken über Haftung und Startkapital, sondern denken Sie bei der Wahl der Rechtsform auch an die Besteuerung – hier lässt sich Geld sparen bzw. der Gewinn maximieren. Die Besteuerung ist nicht nur kantonal und kommunal verschieden. Auch die Rechtsform spielt eine Rolle:

Einzelfirmen und einfache Gesellschaften: Versteuern Unternehmensgewinn inklusive Lohn des Inhabers und Geschäftsvermögen am Geschäftssitz. Nur Privatvermögen und zusätzliches Einkommen fallen am Wohnort des Inhabers an.

Kollektiv- und Kommanditgesellschaft: Gleich wie bei Einzelfirmen, die Gesellschafterinnen und Gesellschafter versteuern den Lohn aber am Wohnort.

AG und GmbH: Versteuern Unternehmensgewinn und Kapital am Geschäftssitz. Gesellschafterinnen bzw. Aktionäre versteuern Einkommen, Dividenden und Privatvermögen an ihrem Wohnort.

Über die weiteren Unterscheidungsmerkmale der Rechtsformen erfahren Sie mehr in der Übersichtstabelle von IFJ und den Erklärvideos von STARTUPS.CH.

#2 Werden Sie kreativ bei der Finanzierung – ganz legal natürlich

Die Aufbauphase eines Unternehmens könnte man auch als anhaltendes Januarloch bezeichnen. Denn die Unternehmensgründung verschlingt ständig Geld: Wachstum, Produktentwicklung, Steuern – die nächste Finanzierungsunsicherheit kommt bestimmt. Die Suche nach Krediten kann zum Kapital- und Zeitfresser werden. Für Investoren ist die Gründungsphase meist ein zu grosses Risiko, auch Banken gewähren Start-ups selten einen Wachstumskredit, sie wollen Garantien sehen. Als Alternativen bieten sich deshalb Stiftungen, Crowdfinanzierungsmodelle oder Wettbewerbe an.

10 Jahre Swisscom StartUp – unser Geschenk für Sie

Bereits 10 Jahre unterstützt Swisscom Gründer/innen in der wichtigen Startphase. Im Jubiläumsjahr erhalten Start-ups Internet, Service, Telefonie und TV, mit inOne KMU Office und Smart Business Connect 10 Monate gratis.

  • Stiftungen: Schweizweit gibt es etwa 13 000 gemeinnützige Stiftungen. Viele fördern Start-ups und Innovationen. Stiftungen definieren sich über einen Stiftungszweck, nicht über den Profit. Suchen Sie also eine Stiftung, deren Zweck sich mit den Zielen Ihres Unternehmens deckt. Wie Sie dabei am besten vorgehen, erfahren Sie im Blogartikel unseres Partners STARTUPS.CH.
  • Crowdfinanzierung: Bei der Community-basierten Finanzierung wird zwischen Crowdfunding (Belohnung für Investoren), Crowddonating (Unterstützer erhalten keine Gegenleistung), Crowdlending (Darlehen gegen Zins) und Crowdinvesting (Anrecht an Beteiligung am Unternehmenserfolg) unterschieden. Wenn Sie auf die Schwarmfinanzierung setzen, sollten Sie sich vor dem Startschuss gut überlegen, wie Sie Ihre Geschäftsidee kommunizieren möchten. Denn Aufmerksamkeit um (fast) jeden Preis ist unerlässlich.
    Wenn Sie bereits über Startkapital verfügen, aber eine Investitionsspritze für das Wachstum benötigen, sollten Sie die Möglichkeiten des Crowdlending prüfen. Diese Finanzierungsform ist in den letzten Jahren in der Schweiz stark gewachsen.
  • Wettbewerbe: Vor allem für Start-ups in der Gründerphase ist es lohnenswert, die eigene Businessidee an einem Finanzierungswettbewerb zu testen. Zum einen winken attraktive Geldpreise. Zum andern testen Sie so Ihre Idee auf Herz und Nieren. Beim «venture» Businessplan-Wettbewerb winken beispielsweise Preisgelder im Gesamtwert von 150 000 Franken. Eine Übersicht über nationale und internationale Wettbewerbe finden Sie auf der Plattform Jungunternehmerpreise.ch.

#3 Ihr Markenauftritt als Semesterprojekt

Die Entwicklung der visuellen Marke geht bei der Finanzplanung oft vergessen: Logo, Schriftart, Farbwelt, Fotografie müssen zur Unternehmensidentität passen. Sie haben keine Photoshop-Skills, und eine professionelle Agentur ist Ihnen zu teuer? Setzen Sie auf Studenten! Studierende stecken viel Herzblut in die Entwicklung Ihres Corporate Designs – und bauen so gleichzeitig ihr eigenes Portfolio aus. Geeignete Partner finden Sie am schwarzen Brett von Kunsthochschulen oder auf der Freelanceplattform Fiverr. Wenn Sie Ihr Logo dennoch lieber selbst gestalten möchten, nutzen Sie kostenlose Designtools wie den Label Maker von Wix. Nutzen Sie unbedingt das erweiterte Angebot. Nur so können Sie später die Grösse anpassen, etwa wenn Sie das Logo für ein Plakat aufziehen wollen. Eigene Grafiken für Präsentationen, Werbemassnahmen oder Social-Media-Posts können Sie ohne Photoshop mit dem kostenlosen Tool canva erstellen.

#4 Keine falsche Bescheidenheit – fragen Sie nach Start-up-Vorteilen

Ayla Aberion
Ayla Aberion – StartUp-Beraterin bei Swisscom

«Fragen Sie bei Dienstleistern immer nach Spezialangeboten für Start-ups. Start-ups sind so etwas wie die ‹Studenten› unter den Unternehmen», meint Ayla Aberion, Start-up-Beraterin bei Swisscom. «Oft profitieren Unternehmensgründer von Vergünstigungen. Sogar wenn diese nicht aktiv beworben werden.»

Nachfragen lohnt sich bei Versicherern, Banken, Treuhändern und Telekommunikationsunternehmen. Suchen Sie einen Versicherer, der Ihnen ein Kombipaket für Start-ups anbietet, das BVG, UVG und KTG abdeckt. So sparen Sie nicht nur Geld, sondern auch Administrationsaufwand. Apropos Administration: Sie haben noch keine Buchhaltung? Kein Problem. Lösen Sie eine Buchhaltungs-Flatrate für Start-ups, die sogar Ihre Steuererklärung (nur bei teureren Abos) übernimmt (ab 99 Franken/Monat für Personengesellschaften und ab 139 Franken/Monat für Kapitalgesellschaften).

#5 Secondhand: Lieber einen Kratzer im Lack als ein Loch im Konto

Sie haben den Mietvertrag für Ihr erstes Büro unterschrieben, das Depot ist bezahlt – doch nun fehlt das nötige Kleingeld für eine Start-up-würdige Einrichtung. Setzen Sie auf Secondhand. Auf Plattformen wie Tutti, Ricardo oder Brockisearch finden Sie Büromöbel, die Ihren Einrichtungsstil treffen. Auch bei Möbelhäusern werden Sie fündig: Interio, Micasa oder auch Pfister bieten vergünstigte Möbel und Ausstellungsstücke in ihren Outlets und Fundgruben an. Eames Chairs, USM-Korpusse oder eine First-Class-Kaffeemaschine müssen nicht teuer sein, um Eindruck zu schinden.  

#6 Nein, Sie müssen nicht alles können – fragen Sie nach Hilfe

Ihr ehemaliger Arbeitskollege kennt sich mit Social-Media-Marketing aus? Ihre Schwägerin weiss genau, welche IT-Infrastruktur schnell und effizient ist? Scheuen Sie sich nicht, das Wissen Ihrer Freunde und Kollegen anzuzapfen. Aber seien Sie ehrlich und spielen Sie den Aufwand nicht herunter. Und: Bei grösseren Projekten sollte für Ihren Experten auch mehr als ein Kaffee als Dankeschön drinliegen.

Falls Sie sich dennoch den einen oder anderen Special-Skill aneignen möchten, bieten unsere Partner IFJ und startups.ch Weiterbildungen an. Bei den Startimpuls-Fachreferaten von IFJ werden Sie zum Kaltakquisiteur mit PR-Onlinehandel-Google-Know-how. Oder holen Sie sich clevere Tipps zur Firmengründung bei einem der zahlreichen kostenlosen Kurse von STARTUPS.CH.

#7 Up in the sky: Speicherplatz und Geld sparen mit Cloudlösungen

StartUp Berater Dany Bersier
Dany Bersier – StartUp-Berater bei Swisscom

Als Unternehmensgründer kommt der Tag oft anders als geplant. Darum rät Start-up-Berater Dany Bersier von Swisscom: «Setzen Sie auf unsere Cloud Services für KMU. So können Sie unterwegs schnell eine Offerte aus dem Cloudspeicher zaubern und verpassen keine Geschäftschance. Sie sparen nicht nur Speicherplatz auf der Festplatte, sondern auch den zeitaufwändigen Umweg ins Büro.»

Die Cloud bietet aber noch viel mehr als Speicherplatz und IT-Support. Die sogenannten Software-as-a-Service-Lösungen (SaaS) nehmen Ihnen Hosting und Support ab. Verschieben Sie Ihr Rechnungswesen in die Cloud: beispielsweise mit Abacus, Bexio, Klara oder Sage. Oft verfügen SaaS über ein kostenloses Startangebot, einzig Zusatzleistungen kosten.

#8 Holen Sie das Maximum aus der Sharing-Economy raus

Sharing is Caring: in diesem Fall «Caring» für das eigene Budget. Vor allem bei Anschaffungen, die Sie selten nutzen, ist das Ausleihen Gold wert. Auf der Plattform Sharely finden Sie jedes erdenkliche Werkzeug für Ihren Büroausbau. Wollen Sie bei einem potenziellen Kunden Eindruck schinden? Mieten Sie auf der Carsharing-Plattform Sharoo einen Tesla für den Kundenbesuch. Auch repräsentative Outfits wie Anzüge und Abendkleider können Sie online mieten.

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