Elektronisches Patientendossier

Digitale Medizin bringt bessere Qualität für alle

E-Health nimmt Gestalt an. Der Kanton Zürich führt das elektronische Patientendossier ein und setzt von Anfang an auf eine flächendeckend einheitliche Lösung. Das soll Vorteile für alle Beteiligten bringen.

Urs Binder (Text), 30. Juni 2016

Macht Ihr Arzt während der Konsultation noch handschriftliche Notizen, die er dann in einem Mäppchen ablegt und die vermutlich nur er selbst wieder entziffern kann? Damit soll bald Schluss sein. Schon lange redet man im Gesundheitswesen vom elektronischen Patientendossier (EPD).

Mit dem EPD lassen sich Doppeluntersuchungen vermeiden und Fehler verhindern, zum Beispiel bei der Medikamentierung.

Jetzt wird es konkret: Der Bund schreibt vor, dass spätestens ab 2020 alle Spitäler die Patientendaten elektronisch halten und an einem standardisierten Datenaustausch zwischen den Leistungserbringern teilnehmen müssen. Dazu gehören Arztpraxen, Pflegeheime und Spitex-Dienste, aber auch Apotheken, Physiotherapien und andere Anbieter von medizinischen Dienstleistungen.

 

Behandlungsqualität und Privatsphäre

 

Qualität für die Praxis der medizinischen Leistungserbringung: Einfacherer Zugriff für den Arzt, mehr Selbstbestimmung für die Patienten.

 

 

Dahinter steckt die Idee, dass mit dem Verzicht auf Papier viele Abläufe effizienter werden. Ärzte und Pflege müssen nicht mehr mühsam Dokumente kopieren und diese per Post oder Fax verschicken. Sie haben mehr Zeit für die Patienten und haben immer die aktuellsten Unterlagen zur Verfügung. So lassen sich Doppeluntersuchungen vermeiden und Fehler verhindern, zum Beispiel bei der Medikamentierung: Es gibt in der Schweiz jedes Jahr hunderte von Todesfällen, weil aufgrund fehlender Informationen inkompatible Medikamente verschrieben werden und gefährliche Wechselwirkungen auftreten.

Ohne das Einverständnis der Patienten wird kein übergreifendes EPD angelegt.

Mit dem EPD und dem standardisierten Datenaustausch könnte das bald Vergangenheit sein – vorausgesetzt, es machen alle mit. Bis auf Weiteres sind nur die Spitäler dazu verpflichtet, das EPD einzuführen. Sie übernehmen die Vorreiterrolle. Haus- und Spezialärzte können, müssen aber nicht teilnehmen.

 

Das Gleiche gilt für die Patienten: Ohne ihr Einverständnis wird kein übergreifendes EPD angelegt. Und auch mit einem EPD kann jeder genau bestimmen, wer welche Daten einsehen kann. So hat die Physiotherapie beispielsweise keine Einsicht in die Laborwerte, die der Gastroenterologe in Auftrag gegeben hat.

 

Der Patient – oder besser der Bürger – kann mit dem EPD erstmals sein Recht auf die medizinischen Daten wirklich ausüben. Dieses Recht hatte er theoretisch schon bis anhin, denn jeder Leistungserbringer muss auf Anfrage alle Unterlagen aushändigen. Aber für viele ist es schlicht zu umständlich, die Daten von jeder Stelle separat einzufordern und zu einem Gesamtbild zusammenzufügen.

 

 

Zürich geht in die Vollen

 

Wie das EPD-Gesetz genau umgesetzt wird, ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Wichtig ist nur, dass die Standards eingehalten werden und die Datenhaltung und die Kommunikation den hohen Sicherheitsanforderungen entsprechen. Der Kanton Zürich beginnt nicht mit einem kleinen Pilotprojekt, sondern hat sich entschieden, von Anfang an eine kantonsweite Kommunikationsinfrastruktur für das Gesundheitswesen aufzubauen.

Als technische Basis dient die Plattform Swisscom Health Connect, die sich in der Praxis bereits bewährt hat.

Die Leistungserbringer haben sich dafür zum Trägerverein «Zurich Affinity Domain» zusammengeschlossen, der das Projekt unter Federführung der Gesundheitsdirektion vorantreibt. Als technische Basis dient die Plattform Swisscom Health Connect, die sich in der Praxis bereits bewährt hat.

 

Zurzeit sind die Vorbereitungen im Gange, der kantonsweite Startschuss ist auf 2017 geplant. Dann können – wenn alles nach Plan läuft – rund 4000 Leistungserbringer elektronisch kommunizieren. Und alle Patienten, deren Arzt ebenfalls teilnimmt und die dies  wollen, können ihr Dossier einsehen und verwalten.

 

 

Ein Portal für alle Daten

 

Die Patienten greifen über das Evita-Portal auf ihr Dossier zu. Evita steht, unabhängig vom Zürcher Projekt, schon heute jedem Interessierten zur Verfügung und verschafft einen Einblick, wie ein elektronisches Patientendossier aussehen kann. Auf einer Web-Oberfläche können persönliche Angaben, behandelnde Ärzte, Notfalldaten und Notfallkontakte erfasst, die unterschiedlichsten Gesundheitsdaten von Blutgruppe, Gewicht und Allergien bis zu Diagnosen, Therapien und Medikamenten eingetragen und die Zugriffsberechtigungen vergeben werden.

 

Sogar für Gesunde hat das Portal etwas zu bieten: Diese können ihre eigenen Fitnessaktivitäten festhalten. Die Daten von können auf Wunsch von Fitness-Trackern automatisch ins Portal übernommen werden. Sind zu einem späteren Zeitpunkt einmal ale Leistungserbringer eingebunden, stehen alle Patientendaten bis hin zu Röntgenbildern und Laborberichten über das Portal zur Einsicht bereit.

 

Swisscom Health

Als Technologiepartnerin sorgt Swisscom Health für einen reibungslosen und sicheren Informationsfluss im Gesundheitswesen.

 

 

 

 

Diskutieren Sie mit

 

Finden Sie die Umstellung auf das elektronische Patientendossier eine gute Sache?

 

Vielen Dank für Ihren Beitrag. Wir publizieren Leserkommentare von Montag bis Freitag.