Online-Bewerbung

Seid kreativ!

Immer mehr Unternehmen setzen auf reine Online-Bewerbungen – auch bei Lehrstellen. Damit ändern sich für die Bewerber die Spielregeln. Wer sie nutzt und dabei kreativ bleibt, kann sich zusätzliche Chancen herausholen, sagen Experten.

Roger Baur (Text), 29. August 2016

«Ich habe ihre Stellenausschreibung gesehen. Gerne möchte ich mich darauf bewerben. Meine Lieblingsfächer sind Mathematik und Sport. In meiner Freizeit spiele ich gerne Fussball.»

 

So steht es nicht irgendwo. Sondern in unzähligen Musterbriefen und Empfehlungen für die Lehrstellensuche. Und so steht es folglich auch in unzähligen Bewerbungen, die auch in diesem Herbst wieder abgeschickt werden. Das Problem: So oder ähnlich klangen Bewerbungen auch schon vor 20 Jahren – zu einer Zeit, als Bewerbungsschreiben idealerweise noch handschriftlich abgefasst, das ganze Dossier aber sicher postalisch an den Lehrbetrieb geschickt wurde. Seither aber ist viel passiert: Das Internet kam und mit ihm zuerst die E-Mail- und dann die Online-Bewerbung. Und das soll tatsächlich nichts verändert haben?

 

 

René Marques, Ambassador und Lernbegleiter bei Swisscom, gibt Tipps für Online-Bewerbungen.  

 

 

Das Internet ändert die Spielregeln


«Ich war in einem eurer Shops. Ich habe die Mitarbeiter dort gesehen und die Leidenschaft in ihren Augen. Die Leidenschaft für die Produkte dort und wohl auch für das Unternehmen. Das kann ich nachvollziehen – denn auch ich interessiere mich brennend für Technik.»

 

«Die Online-Bewerbung hat in einem gewissen Sinne die Karten neu gemischt. Kreativität und Originalität haben heute viel mehr Platz», sagt René Marques, Ambassador und Lernbegleiter bei Swisscom. Und fügt an: «Man kann sogar sagen: Der Spielraum wurde so stark erweitert, dass die Art und Weise der Bewerbung wieder zu einem ganz zentralen Entscheidungskriterium geworden ist. Sie kann das Zeugnis und den Lebenslauf überstrahlen oder völlig abwerten – auch wenn die Noten weiterhin sehr wichtig sind – denn diese müssen für die Berufsschule reichen.»

«Wir erhalten heute immer häufiger Bewerbungen mit Videos oder sogar mit kompletten Websites.»

René Marques, Ambassador für die Berufsbildung und Lernbegleiter bei Swisscom.

 

Für Marques gehe es darum «nicht die besten Lernenden der Schweiz zu finden, sondern diejenigen, die am besten zu uns passen.» Anstelle der starren Vorlagen stellt er darum «zwei ganz entscheidende Fragen, die eine erfolgreiche Bewerbung beantworten muss: Wieso will ich diesen Beruf lernen? Wieso will ich bei diesem Unternehmen arbeiten?» Die Beantwortung dieser Fragen müsse man nicht nur lesen können, sie dürfen durchaus auch visuell sichtbar sein.

 

So bietet Swisscom beispielsweise den Beruf des Mediamatikers an. Hier spielen Grafik, Video und Foto eine entscheidende Rolle – und dürfen darum durchaus auch Teil des Dossiers sein. «Wir erhalten heute immer häufiger Bewerbungen mit Videos oder sogar mit kompletten Websites. Es gibt kaum etwas, das wir noch nicht gesehen haben in den letzten Jahren», schmunzelt René Marques und rät darum gerade Eltern und Lehrern «die Kreativität nicht aus Angst zu unterbinden. Man sollte die Bewerbenden besser ermuntern, sich mit dem Jobprofil und dem Unternehmen zu befassen, um gut informiert zu sein.»

 

 

Ob online oder offline: In einer Bewerbung sollten die wichtigsten Fragen beantwortet werden.  

 

 

Vorstellungsgespräch per Skype

 

«Was ist das, das wir hinter dir sehen?»
«Hihi, sorry. Ist meine Wasserpfeife. Habe ich verhängt wegzuräumen.»

 

Doch die Bewerbung alleine genügt nicht. Zwischen ihr und dem Lehrvertrag haben die Personalabteilungen das Bewerbungsgespräch gesetzt. Und hier setzen auch immer mehr Firmen auf ein Erstgespräch via Skype. Dabei führen die HR-Mitarbeiter das Erstgespräch per Webcam und entdecken durch diese mitunter Überraschendes. «Poster mit Models, Alkoholvorräte, staubsaugende Mütter – da gibt’s viel zu sehen», lacht René Marques. Und rät: «Ein solches Interview ist genauso wichtig wie jedes andere Gespräch. Für die Bewerberin oder den Bewerber heisst das: Ordentlich gekleidet, vor einem neutralen Hintergrund und in einer ruhigen Umgebung.»

 

Denn so locker die neuen Freiheiten klingen, so ernst ist nach wie vor die Suche nach den Lernenden. René Marques: «Beide Seiten müssen sich eines bewusst sein: Es geht darum, dass das Unternehmen den passenden Lernenden findet. Und es geht auch darum, dass der Lernende die passende Stelle findet.

 

 

 

TIPPS ZUR DIGITALEN LEHRSTELLENBEWERBUNG

  1.  
  • Stelle dir die Frage: Wieso will ich diesen Beruf? Weshalb will ich zu diesem Unternehmen? Warum in diese Branche? Die Antworten darauf sollten in der Bewerbung zu finden sein.
  • Das Motivationsschreiben darf ganz oder teilweise auch aus multimedialen Elementen bestehen: Videos, Grafiken, Fotos etc.
  • Die Bewerbung zeigt deine individuelle Persönlichkeit. Lass dich von anderen inspirieren – aber erstelle am Ende etwas, dass voll und ganz deiner Persönlichkeit entspringt.
  • Verzichte auf Ghostwriter. Bewerbungen, die in Tat und Wahrheit von anderen erstellt wurden (etwa von den Eltern), werden spätestens im Vorstellungsgespräch entlarvt.
  • Allen digitalen Kanälen zum Trotz: Wenn zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen wirst, sei pünktlich.
  • Wenn du die Zusage für eine Lehrstelle hast, nimm den Fuss nicht vom schulischen Gaspedal: Bei vielen Unternehmen musst du die letzten Zeugnisse auch noch nachliefern. Sind diese markant schlechter, kann der Lehrvertrag sogar vor dem Start wieder aufgelöst werden.

 

 

Berufslehre bei Swisscom

Bei Swisscom gibt es rund 850 Lernende. Erfahren Sie mehr über die Lehrstellen

 

Hier gibt es die besten Tipps, um sich erfolgreich bei Swisscom zu bewerben.  

 

 

 

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